7 Bilder

Kultbike Moto Guzzi V7 Sport Teurer Traum, gelungener Sportler

Ihre Glanzzeit währte nur eine Saison. Dennoch wurde die teure Moto Guzzi V7 Sport schon kurz nach ihrer Vorstellung 1971 zur Legende.

Moto Guzzi V7 Sport

Für ihren Kultstatus gibt es mehrere Gründe. Zum einen beeindruckte die Moto Guzzi V7 Sport mit ihrer schnittigen Optik und ihrer angepriesenen Höchstgeschwindigkeit von 206 km/h. Zum anderen machte sie sich von Anfang an rar, was den „Must have“-Faktor auch schon in den frühen 70ern deutlich erhöhte. Und schließlich - weiterer Grund für den Mythos - hätte damals kaum jemand Moto Guzzi einen so gelungenen Sportler zugetraut.

Anzeige

Moto Guzzi V7 Sport Seriensportler ab 1971

Der Hersteller vom Comer See hatte 1957 dem Rennsport den Rücken gekehrt und danach kreuzbrave Motorräder gebaut. Selbst die erste Zweizylinder-Maschine des Hauses, die V7 aus dem Jahr 1965, war behäbig, hatten die Ingenieure sie doch explizit für Militär und Polizei entwickelt, um den lukrativen Liefervertrag mit dem italienischen Staat nicht zu verlieren. Zudem schrammte Guzzi am wirtschaftlichen Abgrund entlang und kam 1969 unter staatliche Verwaltung. Die neuen Direktoren mussten vor allem sparen - und ließen sich doch auf ein sportliches Abenteuer ein, auf die Moto Guzzi V7 Sport.

Das lag am wieder erstarkten Motorradmarkt und dem Erscheinen der ersten Maxi-Motorräder. In diesem Segment sollte Guzzi sich sanieren, ein Zweizylindermotor mit Potenzial stand ja bereit. Um sich sportlich wieder einen Namen zu machen, ging der Hersteller im Oktober 1969 mit einer aufgebrezelten Moto Guzzi V7 Special in Monza auf die Piste und stellte glatte 15 Weltrekorde auf. Technikchef Lino Tonti bekam noch am gleichen Tag den Segen für den Bau des Seriensportlers Moto Guzzi V7 Sport, der schließlich im Herbst 1971 auf der Mailänder Messe vorgestellt wurde.

Anzeige

Niedriger Schwerpunkt, starker Motor

Trotz des ähnlichen Namens hatte die Moto Guzzi V7 Sport mit der V7 wenig gemein, vom Aufbau des V2-Motors einmal abgesehen. Tonti entwickelte ein komplett neues Motorrad, mit sportlichem Rahmen, niedrigem Schwerpunkt und stärkerem Motor.

MOTORRAD-Tester Ernst „Klacks“ Leverkus, der sie Ende 1971 fuhr, war begeistert von der „bildschönen Maschine“, vom stabilen Fahrwerk, von der überraschenden Handlichkeit, vom „ganz großen Fahrerlebnis“ dank des satten Durchzugs und natürlich von der Höchstgeschwindigkeit, denn er schaffte auf der Autobahn 199,6 km/h - für einen Zweizylinder ein sagenhaftes Tempo. Erfolge bei Langstreckenrennen taten ein Übriges, die Moto Guzzi V7 Sport versprach das heißeste Eisen der Saison 1972 zu werden - obwohl sie unverschämt teuer war: 8360 Mark kostete sie, während es eine BMW R 75/5 schon für 5900 Mark gab. Das Interesse war trotzdem enorm, doch die Produktion in Mandello lief nur schleppend an - hauptsächlich, weil die staatliche Verwaltung auf drei Jahre begrenzt war und man bereits mit dem Argentinier Alejandro de Tomaso über den Verkauf verhandelte.

Die Saison 1972 war damit teilweise verloren, und am Ende des Jahres stellte Kawasaki die Z1 vor, die derMoto Guzzi V7 Sport in Sachen Fahrleistungen den Rang ablief. Dennoch hätte sie noch ein Verkaufsschlager werden können, doch als de Tomaso 1973 Guzzi schließlich kaufte, kam es zu heftigen Arbeitskämpfen. So wurden insgesamt nur 3691 Exemplare der V7 Sport gebaut. Ende 1973 wurde ihre Produktion eingestellt - und wiederum leider sämtliche sportlichen Aktivitäten des Hauses.

Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Daten:
Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, 748 cm³, Ventilsteuerung über Stoßstangen und Kipphebel, 62 PS bei 7250/min*, 66,2 Nm bei 6250/min*, Verdichtung 9,8:1, Fünfganggetriebe, Fußschalthebel wahlweise links oder rechts, Elektrostarter, Kardan, Doppelschleifenrahmen aus Stahl (bei den ersten 150 Exemplaren rot, danach schwarz), Trommelbremsen, Reifen vorn 3.25-18, hinten 3.50-18, Tankinhalt 20 Liter, Leergewicht 206 kg, Höchstgeschwindigkeit laut Hersteller 206 km/h.

Literatur:
Motociclismo „Lepoca della V7 Sport“, 48 Seiten plus Poster. Nur auf Italienisch erhältlich unter www.edisport.it/compraonline/en/15-moto-guzzi, Preis 10 Euro. Franz Josef Schermer „Moto Guzzi V2 - Reparaturanleitungen“, Bucheli-Verlag, 232 Seiten, 29,90 Euro. Ian Falloon „Moto Guzzi: Die Geschichte aller Sport- und Le Mans-Modelle“, Heel-Verlag, 153 Seiten, 14,95 Euro.

Ersatzteile:
motoguzzi.fassoli.com, gawa-guzzi.de,
stucchiluigi.it, stein-dinse.biz

Szene:
Ein lebhaftes Forum gibt es unter www.motoguzzi-v7club.it, leider nur auf Italienisch. Der www.guzziclubroma.it unterhält ein internationales historisches Register für die Motorräder.

Marktsituation:
Gut erhaltene V7 Sport-Modelle gibt es meist nicht unter 10 000 Euro. Ein Blick ins italienische Internet kann lohnen.

*MOTORRAD-Messung aus dem Jahr 1971

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote