Kurztest Harley-Davidson Fat Boy Big Bore Aufgeputscht

Sportler tun es. Und Harley-Davidson tut jetzt auch. Mit dem Big-Bore-Kit steht den Fans des amerikanischen Traums ein Doping-Mittel der besonderen Art zur Verfügung. Sogar fast ohne Nebenwirkungen.

Selbstbewusstsein ist käuflich. Glauben Sie nicht? Eine Harley ist selbstbewusst. Braucht niemandem etwas zu beweisen. Imitiert nichts, blendet nicht. Kein verchromtes Plastik. Gewichtsersparnis? Lachhaft. Leistung? Legenden sind mächtiger als PS. Basta.
Das hat was. Für alle, denen das nicht reicht, will Harley demnächst für die Twin-Cam-Motoren einen Big-Bore-Kit anbieten. Der besteht aus Zylindern mit rund drei Millimeter größerer Bohrung, die den von Haus aus üppigen Hubraum nochmals um 100 auf 1550 cm3 aufstocken. Die dazugehörigen Kolben heben die Verdichtung von 8,8 zu 1 auf 10,3 zu 1 an. Eine modifizierte Zündanlage steigert die Maximaldrehzahl von 5600 auf 6200/min. Zudem sorgt ein Gleichdruckvergaser mit 44 Millimeter Durchmesser in Verbindung mit einem größeren K&N-Luftfilter für bessere Füllung und somit mehr Pferdestärken. Ein Mustergutachten ist in Vorbereitung und soll in Kürze den Segen des TÜV erhalten. Doch bei der im Kit enthaltenen Auspuffanlage der US-Serienmodelle dürfte bei der Homologation keine rechte Freude aufkommen: Die ist nämlich schlicht um zwei Dezibel zu laut.
Bereits vorab stellte Harley-Davidson MOTORRAD eine Testmaschine mit dem erstarkten Triebwerk zur Verfügung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Prüfstand bescheinigt der umgebauten Fat Boy respektable 94 PS und ein sattes Drehmoment von 144 Nm. Vertreter der Supersportfraktion werden vielleicht lächeln. Und ehrlich: Wer Beschleunigungen in der Art vierzylindriger Big Bikes erwartet, den enttäuscht die Big-Bore-Fat Boy. Egal. Gilt es doch zu gleiten oder auf neudeutsch: zu cruisen.
Wummernd schiebt der fette Junge im ersten Gang vorwärts. Der Wechsel in alle weiteren Gangstufen wird stets von einem bestätigendem Schraaak untermalt. Vergleichsweise locker lassen sich die 320 Kilogramm Legende durch Kurven schwingen. Schräglage? Geschätzte 20 Grad. Dann spielt das Trittbrett Begrenzer. Macht aber nichts. Denn wie gesagt: Es geht ums Cruisen. Und dessen Sinn liegt in der Lässigkeit. Zu der trägt der Big-Bore-Kit einiges bei. Powert ohne Anstrengung aus jeder Kurve heraus, treibt die Fat Boy, wenn’s denn sein muss, auf der Autobahn locker über die 200er-Marke. Zumindest auf dem Tacho. Doch Vorsicht: Schon ab 100 km/h gibt sich die Harley Spurrillen-verliebt, ab 130 km/h setzt ein leichtes Fahrwerkrühren ein, das sich in sanftes Pendeln steigert. Ungefährlich, aber respekteinflößend.
Trotzdem: Die Doping-Kur steht nicht nur dem 45-Grad-Vau gut zu Gesicht. Denn im Preis von zirka 4000 Mark sind noch die Badlander-Sitzbank und ein CPO-Old Style Lenker enthalten. Schließlich kommt es nicht nur darauf an, standesgemäß zu beschleunigen, sondern auch betont lässig zu sitzen.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote