Kurztest Piaggio Hexagon 125

Doppelbödiger Charakter: Ein bissiger Zweitakt-125er
macht dem komfortablen Piaggio Hexagon Dampf

Sofa-Roller wie der Piaggio Hexagon 150 und der Honda CN 250 Helix waren bisher für Inhaber der Führerscheine eins und 1a reserviert. Mit dem Hexagon 125 hat Piaggio diesem Mißstand abgeholfen. Sein wassergekühlter Zweitakter schöpft das 15-PS-Limit punktgenau aus. Eine 80-km/h-Version ist allerdings nicht vorgesehen.Beim Ampelspurt läßt der Neue seinen größeren Bruder und den Rest der Roller-Konkurrenz einfach stehen. In 3,5 Sekunden von Null auf 50 km/h - diesen Wert unterbietet gegenwärtig nur der 28 Kilogramm leichtere Piaggio SKR 125 um vier Zehntelsekunden. Daß der Hexagon 125 so fulminant beschleunigt, verdankt er der glückhaften Kooperation seiner gut abgestimmten Automatik mit einem richtig bissigen Motor, der toll am Gas hängt. Dafür hält sich der Kraftprotz weder akustisch noch in seinen Trinksitten sonderlich zurück.Daß sich Piaggio auch beim Hexagon nicht von den Zehn-Zoll-Rädern trennen mochte, bleibt nicht ohne Folgen für das Fahrverhalten. Zwar gibt sich das Langschiff in der Stadt erstaunlich flink und wendig, doch läuft es gerne Längsrillen nach, zuckt beim Überfahren von Markierungen mit dem Lenker und führt in Kurven mit unebener Fahrbahnoberfläche hin und wieder ein Tänzchen auf. Daran ist die komfortable Abstimmung des Federbeins in der vorderen Kurzschwinge nicht ganz unschuldig. Es spricht sehr gefühlvoll an und bügelt alle Straßen glatt, könnte aber eine straffere Dämpfung gut vertragen. Hinten arbeitet ein nicht ganz so unterdämpftes Monofederbein, das mit drei Verstellmöglichkeiten der Federbasis allen auftretenden Beladungszuständen gerecht wird.Wenig gibt es an den Bremsen zu kritisieren. Die gut dosierbare Scheibenbremse vorn verlangt zwar nach kräftigem Zugriff, verzögert aber vehement. Und die hintere Trommel ist kräftig genug, um das ihr anvertraute Rad auf Wunsch jederzeit zum Blockieren zu bringen.An Platz scheint auf dem Hexagon kein Mangel zu herrschen. Vor allem dem Fahrer steht reichlich Beinraum zur Verfügung, die vorn hochgezogenen Trittflächen ermöglichen in Kombination mit der ausziehbaren Rückenstütze eine recht entspannte Sitzposition. Langen steht allerdings der hohe Lenker zu nah, und die Scheibe produziert lästige Windgeräusche am Helm. Letzterem läßt sich mit einer als Extra lieferbaren größeren Scheibe abhelfen, der Zugluft um die Beine herum nicht. Der Sozius kann sich über eine kleine Lehne und Haltegriffe freuen, sein Sitzplatz geriet allerdings ziemlich kurz.Praktisch ist das geräumige Gepäckabteil des Hexagon, wenn erst der Widerstand des schwergängigen Schlosses überwunden ist. Bei der Ausstattung stehen ein ordentliches Cockpit mit Tageskilometerzähler und passables Licht den teilweise widerspenstigen Schaltern und zu kleinen Spiegeln gegenüber. Nicht übermäßig praktisch gerieten die Einfüllöffnungen für Öl und Sprit unter einer Klappe im Mitteltunnel, und den Seitenständer sichert statt einer Zündunterbrechung eine Rückholfeder.

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