Limited Edition: Motorradtke-Yamaha SR 500 Soost_1 Umbau: Yamaha SR 500 Soost_1

Wie kommt ein erfolgreicher Racebike-Spezialist mit Meistertiteln dazu, einen alten Yamaha-Single zum Café Racer umzubauen? "Weil es rockt", sagt Lars.

Foto: Racepixx.de
Limited Edition: Motorradtke-Yamaha SR 500 Soost_1.
Limited Edition: Motorradtke-Yamaha SR 500 Soost_1.

Mit Tränen stand er damals in der Boxengasse von Hockenheim. Gerade hatte Damian Cudlin den IDM-Titel in der -Supersport-Klasse errungen, und Techniker Lars Sänger heulte vor Glück. Mit diesem Meistertitel hatte der junge Bursche von Motorradkte in Gera allen gezeigt, was für ein ausgebuffter Kerl er ist. Mit seinen 28 Lenzen verfügt Lars schon über einen Namen in der Rennszene und -jedes Racebike, das durch seine Hände geht, ist vom Fahrwerk bis zum Motor ein picobello Pistenbrenner.

Aber eines Tages rollte irgend so ein Typ eine völlig abgewichste Yamaha SR 500 in die Vertragswerkstatt. Sängers -erster Gedanke: Was soll ich denn mit dem Sch***haufen? „Er lief noch nicht mal“, erzählt er. Ein Tag intensive Arbeit, und Lars ging mit der SR auf Testfahrt. „Ich hätte nie erwartet, dass das Ding so viel Spaß macht...das war geil.“ Zwei Tage später kauften er und Werkstatt-inhaber Jörg Radtke selbst eine.
Es sollte ein stylischer Retro-Racer mit maximaler Performance werden. 41 Kilo wurden gleich abgespeckt. Jetzt wiegt die SR Modell 48T nur noch 124 Kilo. Bevor der Rahmen neue Farbe abbekam, wurde er im unteren Teil und am Heck deutlich umgestaltet. LSL-Stummel und -Rasten sorgen neben dem aggressiven Auftritt auch für die passende Sitzposition - ganz ohne Racing-Gene geht’s eben nicht.

Aber was wäre ein Lars-Bike ohne akkurates Fahrwerk auf der Höhe der Zeit? So kamen die Öhlins S36e-Duo-Shocks an die Hinterhand. Dadurch gewann die SR an Federweg und kam hinten deutlich höher für eine aggressivere Supersport-Geometrie. Vorn überarbeitete Sänger die Gabel komplett mit linearen Federn, TIN-Beschichtung für besseres Ansprechen und gönnte ihr ein Plus von 38 Millimeter Länge. Jetzt passt die Druck- und Zug-stufendämpfung zu sportlichen Ausritten. Eine R1 spendierte den Lenkungsdämpfer, damit die Yamaha den Fahrspaß nicht durch Lenkerschlagen torpediert. Für die passende Traktion und Stabilität, aber auch das bessere Leistungsgewicht kam die alte Schwinge raus und eine -etwas längere Alu-Schwinge rein. Durch die Eingriffe ins Fahrwerk wurde nicht nur der Radstand länger.
Der Nachlauf ist deutlich kürzer - die Telegabel wanderte satte vier Zentimeter durch die Gabelbrücken. Der Lenkkopfwinkel ist mit 61,5 Grad kleiner als am Original. Die SR biegt jetzt enstprechend zackig ab und hält dennoch sauber die Linie.

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Foto: Racepixx.de
Daytona-Instrument und Harley-Lampe, die Schalter sind in der oberen Gabelbrücke integriert.
Daytona-Instrument und Harley-Lampe, die Schalter sind in der oberen Gabelbrücke integriert.

Doch auch der Single blubbert längst nicht mehr mit seinen serienüblichen mauen 27 PS. Die Nockenwelle wurde entsprechend bearbeitet, die Verdichtung auf 11,4:1 erhöht. Ein- und Auslasskanäle sind optimiert. Das Gemisch ist dank eines offenen K&N-Luftfilters schärfer, der Vergaser natürlich anders bedüst und damit das ganze Verbrannte hinten sauber entweichen kann, hat die Motorradtke-Truppe den passenden Auspuff dafür gebaut.

Vor allem ging es den Tunern aber um Beschleunigung und Durchzug. Dafür waren sie bereit, Topend-Power zu opfern. Entsprechend anders ist die SR jetzt mit einem extra angefertigten Alu-Kettenblatt und -Ritzel übersetzt. Einen Quickshifter gab es sogar auch noch.
Die Scheibenbremse am Patienten stellte Lars weder technisch noch optisch zufrieden. Und so organisierten sie unter enormem Aufwand die originale DualTrommelbremse. Jetzt mussten die Distanzhülsen und die Radachse angepasst und umgespeicht werden. „Mir gefällt die Dosierbarkeit und der Biss der geschlitzten Bremsschuhe um einiges besser als dieses matschige Bremsverhalten veralteter Scheibenbremsen“, sagt Lars. Der Rest ist Optik im Sinne des Erbauers. Kurios: Die Sitzbank hat Nelosch aus dem Leder zweier Schweißschutzschürzen geschneidert und die Seilzugummantelung hat Axel Pfannenschmidt ebenfalls aus Leder gemacht. Nicht nur diese Details belegen, wie renntechnische Akribie aus einer heruntergekommenen Yamaha SR 500 eine echte Augenweide machen. Erbauer Lars Sänger schwärmt von seinem Werk auch was die Performance -angeht. Der Blick über den Tellerrand ist für ihn natürlich kein Verrat am Racing - vielmehr die Erweiterung des Horizontes.

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Foto: Racepixx.de
Das Leder stammt von Schweißerschürzen, den Lenkungsdämpfer spendierte die Yamaha-R1.
Das Leder stammt von Schweißerschürzen, den Lenkungsdämpfer spendierte die Yamaha-R1.

PS-Daten

Antrieb
Einzylinder-Motor, 2 Ventile/Zylinder, 28 kW (38 PS) bei 6500/min*, 49 Nm bei 3500/min, 499 cm3, Bohrung/Hub: 87,0/84,0 mm, Verdichtung: 11,4:1, Gleichdruckvergaser mitBeschleunigerpumpe, Ø 34 mm, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbad-Kupplung, Fünfganggetriebe, Kette, kein Kat
 

Fahrwerk
Einschleifen-Stahlrohrrahmen, Lenkkopfwinkel: 61,5 Grad, Nachlauf: 97 mm, Radstand: 1410 mm, Telegabel, Ø Gabelinnenrohr: 35 mm, Federweg v./h. 90/50 mm
 

Räder und Bremsen
Leichtmetall-Gussräder, 4.00 x 18/4.00 x 18, Reifen: Metzeler ME 77, Dual-Trommelbremse vorn, 220-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten

Gewicht (vollgetankt)
124 kg*, Tankinhalt: 5,5 Liter Super

Grundpreis
19500 Euro*

 

*Tunerangabe

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