Erschienen in: 21/ 2011 MOTORRAD

Tuning: LKM-Suzuki B-King

Getuntes Naked Bike von Suzuki

Seit 28 Jahren tunt LKM Vierzylinder, hauchte mehr als 5000 Motoren Extra-Leistung ein. Mit gut 200 PS und über 280 km/h zeigt diese spezielle B-King, welches Potenzial im weißen Riesen steckt. Power ohne Ende trifft bei diesem Naked Bike auf brillante Fahrbarkeit.

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LKM-Suzuki B-King

LKM-Suzuki B-King.  

Foto: fact  

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Der Fahrer einer 10-PS-Yamaha XV 125 Virago hat keine Chance. Magisch angezogen von der mächtigen Front des riesigen weißen Naked Bikes stoppt er. Wie eine Motte das Licht umkreist er den parkenden Leistungskönig: "Wie viel PS hat die denn?" "Über 200." "Waas? Reißt einem das beim Beschleunigen nicht die Arme ab?“ „Nö, die lässt sich ganz sachte fahren.“ Stimmt wirklich.

Wie gut dieser Tuning-Motor abgestimmt ist, offenbart der irre gleichmäßige Leerlauf. Bei konstant 1000 Touren säuselt der Bolide mild vor sich hin. Sonor, doch nicht zu laut, pröttelt der zierliche Bodis-Auspuff unterm Heck. Draufgeschwungen auf den weißen Riesen. Man fühlt sich in diesem mächtigen Motorrad mit seinem breiten und recht hohen Sitz einfach wunderbar geborgen. Schöner thronen. Kalack, erster Gang. Sanft, ganz sanft setzt sich der Koloss in Bewegung. Nicht dramatischer als jedes andere Powerbike. Der Asphalt wirft keine Wellen. Noch nicht.

Easy umkreist der Leistungskönig unter den Naked Bikes halblegal geparkte Autos, lässt sich im Stadtverkehr lammfromm dirigieren. Formidables Handling für solch ein PS-Monster. Bridgestones neue BT 016 Pro haften für reinrassige Straßenreifen exzellent. Bis zur Drehzahl 3000 ist der Vortrieb noch behutsam. Bis zur 4000er-Marke hat der von LKM-Chef Hennes Löhr gemachte Motor etwas weniger Leistung als serienmäßig. Aus dem Schiebebetrieb heraus springt der LKM-Vierzylinder härter ans Gas. Ansonsten ist die Gasannahme im tiefsten Drehzahlkeller nicht gerade ultrabrutal-direkt. Sie schläft noch, die Bestie.

Enorm viele Sponsoren-Aufkleber offenbaren das neueste Arbeitsgerät von „Mister Hayabusa“, alias Elmar Geulen. Der 54-jährige Selbstdarsteller mit der Türsteher-Statur hat nach seiner Motocross- und Straßenrennkarriere Suzukis Speedrekord-Motorrad zu weit beachtetem Rummel verholfen, bis hin zur 400 PS starken Turbo-Busa. Nun hat das rheinische Original, kurz bevor die B-King zum Ende der Saison 2011 abdankt, in ihr sein kongeniales Naked Bike gefunden. Mächtig, stark, ein echtes Macho-Motorrad. Aber Elmar reichten die originalen 178 PS des 1340-Kubik-Serienmotors nicht. Ein klarer Fall für Hennes Löhr von LKM, seit 28 Jahren Spezialist für japanische Vierzylinder und MV-Motoren.

Er hievte das Naked Bike auf 200 PS; MOTORRAD fand sogar sagenhafte 203 PS. Exakt mit diesem Motorrad knackte Elmar Geulen Anfang September 2011 einen „Geschwindigkeitsweltrekord für straßenzugelassene Naked Bikes“: 283,4 km/h. Und Elmar Geulens riesenhafte Statur ist nicht gerade Topspeed-förderlich. Dieses Wissen fährt im Kopfkino immer mit. Wie sich das anfühlt? Immer noch unspektakulär.

Die B-King gleitet nun mit 4000/min und Tachoanzeige 125 majestätisch auf der Autobahn. Das Tier unter dir holt Luft. Es ist die Ruhe vor dem Sturm.

Endlich endet das Tempolimit, der Autofahrer vorne zieht rechts rüber, der linke Fuß steppt den Fünften rein. Jetzt gibt es kein Halten mehr. 6000/min - der Schub wird nun infernalisch. 8000 Touren, purer Zorn. Serienmäßig entfacht eine B-King nur im vierten Gang volle Power. Nicht so diese hier. LKM entfernte die Drosselung in den Gangstufen eins bis drei und die Drehzahlbegrenzung in den Gängen fünf und sechs. Die Büchse der Pandora steht weit offen. 9600/min, die B-King reißt die 200-PS-Marke, wird brachial und böse. Und lässt dann nie mehr locker.

Puh, wie das beißt! Sensationell. 250, 260, der LCD-Tacho überschlägt sich. Schalten, bloß schalten. Der Sechste ist drin, doch der Schub erlahmt nicht. 284, 293, 299. Sind das nun echte 281, wie von MOTORRAD mit geringem Anlauf ermittelt? Oder mehr? Egal, völlig egal. Die Welt, sie fegt als schmaler Streifen vorbei, riesenhafte Lkw rasen rückwärts, die Autobahn wird tunnelförmig. Das Erlebnis, so schnell zu sein, ist auf einem unverkleideten Motorrad brutalstmöglich intensiv. Wenigstens bietet die schwarze Aushilfsscheibe durchaus etwas Windschutz. Die Knie ruhen hinter vermeintlichen Lufthutzen links und rechts vom eher kleinen 16,5-Liter-Tank. Trotzdem ist volle Deckung angesagt.

 LKM-Suzuki B-King

Brachiale Leistung bei der LKM-Suzuki B-King.  

Foto: fact  

Und vorausschauendes Peilen, bei 75 Metern pro Sekunde. Wie an der Schnur gezogen brennt King Kong hochpräzise über die mit einem Mal so kurvige Bahn. Ein gutes Gefühl gibt der Lenkungsdämpfer von Öhlins. Er unterbindet Lenkerschlagen, wenn beim vollen Ausdrehen der Gänge eins bis drei das Vorderrad abhebt. So sämig die B-King auf Öhlins-Federelementen liegt, so straff sind sie. Abgestimmt auf Elmars Gewichtsklasse, ist die heftige Dämpfung überlebenswichtig bei solch einem Topspeed. Sackschnell trifft bockstabil. Ein göttliches Geradeauslauf-Motorrad.

Aber eines, das mit seinen 246,5 Kilogramm auch Kurven richtig gut kann. Sind 12,5 Kilo weniger als in der Serie. ABS ließ Elmar Geulen ausbauen, das ist der mehrmalige TT-Fahrer wohl nicht gewohnt.

Nun, einfach auftauchen, aufrichten und Gas wegnehmen verzögert bereits immens. Wo all die Power herkommt? Mit Köpfchen. LKM beginnt sein Tuning stets nach einer ersten Leistungsmessung mit der Demontage des Zylinderkopfs: Hennes Löhr optimiert die Ein- und Auslasskanäle strömungstechnisch. Danach steht Umfräsen und exaktes Auslitern der Brennräume an.

Planen des Zylinderkopfs erhöht die Verdichtung, hier moderat um 0,2. Deswegen und wegen sauberer Verbrennung sowie runderen Motorlaufs empfiehlt Hennes Löhr Super Plus. Nächste Tuning-Maßnahme: Verkleinern des Spaltmaßes zwischen Kolbenboden und Zylinder von 0,8 auf 0,6 Millimeter. Gezieltes Verdrehen der Nockenwellenzahnräder ändert die Steuerzeiten ohne neue Nockenwellen.

LKM vergrößert den Innendurchmesser aller Ventilsitzringe um 0,5 Millimeter und montiert neue Ventilabschleifringe. Glasstrahlen befreit die Ventile von vorhandenen Ablagerungen. Immerhin hat diese B-King schon gut 15000 Kilometer runter.

Penibel stellt der Tuner das Ventilspiel ein: „Das stimmt oft ab Werk nicht“. Ferner stehen das Optimieren der Airbox, aus der es im Fahrbetrieb hart hämmert, und neue, eigene Zündkennfelder an. Moderate 1600 Euro kostet reines Motoren-Tuning, Abholung des Motorrads und zwei Jahre Garantie auf die Arbeit von LKM inklusive.

Lieber Virago-Fahrer: Suzukis B-King ist heute das, was die Yamaha V-Max in den 80er-Jahren war. Nur stärker und viel, viel fahraktiver. Im Fall von „Mister Haybusas“ Motorrad spektakulär von LKM präpariert. Und die Arme sind noch beide dran.

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28.09.2011 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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