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Lohmann-Kawasaki ZX-6R im Test 600er Racing-Bike mit Biss

Bei der Lohmann-Kawasaki ZX-6R war einer am Werk, der genau weiß, was er will und was nicht. So entstand eine bissige Schlange, wie eine 600er sein muss.

„Die erinnert mich richtig an meine IDM-Bikes“, schwärmt Pascal Eckhardt nach dem ersten Turn auf der grünen Peitsche. Das kann man dem Datenblatt entnehmen, denn „Ecke“ gelangen mit der Lohmann-Kawasaki ZX-6R im Trainings-Verkehr mühelose 1.51er-Runden auf dem großen Kurs. Für ihn liegt das am gelungenen Gesamtkonzept aus drehfreudigem Motor, der bissigen und trotzdem sehr transparenten Bremse und vor allem dem gelungenen Fahrwerk.

Tatsächlich fährt sich die Lohmann-Kawasaki ZX-6R (reine 600-Kubik-Version) spielerisch, trifft man gerade in den unbedingt flüssig zu fahrenden Kombinationen vor der Parabolika oder der Mercedes-Tribüne jede gewünschte Linie. Simon Lohmann bekam die Abstimmung des Gabelumbaus mit der Öhlins-Cartridge und dem T36-Federbein wunderbar hin. „Persönlich würde ich mir beim Anbremsen noch etwas mehr Grip am Hinterrad wünschen“, analysierte Eckhardt, der gern mehr Stabilität hätte, damit das Motorrad etwa vor der Spitzkehre nicht so leicht quer kommt, aber insgesamt war die Lohmann-Kawasaki prima abgestimmt.

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Ungemein drehfreudiger Motor

Beim Motor hat Lohmann nicht den großen Hammer geschwungen, sondern sehr gezielt gearbeitet und damit voll ins Schwarze getroffen. Außer umgeschliffenen Nockenwellen und der Brennraumbearbeitung für höhere Verdichtung (13,9:1) kam ein Racing-Luftfilter rein. Dann machte er sich über das Seriensteuergerät der Lohmann-Kawasaki ZX-6R her, bearbeitete das Mapping, indem er die Drehzahlen um 250/min anhob, Lambdaregelung und Auspuffklappenmotor lahmlegte, sowie den Zündzeitpunkt optimierte und die zweite Drosselklappe jetzt früher öffnet. Mit 131 PS steht sie recht gut im Saft und lässt sich mit dem sauber arbeitenden Schaltautomaten genussvoll über die Piste jagen. Den gleichen Schaltautomat (FSM) aus eigenem Haus benutzen laut Lohmann auch Michael Dunlop bei der TT, Markus Reiterberger in der IDM oder das Racing Team Germany in der Moto2-WM.

Für echten Schub braucht die Kawasaki natürlich mächtig Drehzahlen. Während die Bretter-Triumph im direkten TunerGP-Vergleich schon spürbar andrückt, schlummert die Lohmann-Kawasaki ZX-6R noch im 600er-Tiefschlaf. Wer aber die 10.000/min-Schallmauer durchbrochen hat, wird dafür mit diesem giftigen Biss belohnt, der reinrassige Vierzylinder-Supersport-Waffen ausmacht – und dieser Motor gab sich ungemein drehfreudig. Dabei, und auch das ist das Credo der 600er, prügelt die Kawasaki nicht mit brutaler Power los, sondern will die perfekte Runde, zu der die passende Linie, der richtige Bremspunkt aber auch punktgenaues Aufreißen am Gilles-Kurzhubgasgriff gehört. Fahrfehler werden hier nicht mit Power kaschiert, sondern mit einer schwachen Rundenzeit quittiert.

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Ergonomie sehr gut, Anbauteile mit Bedacht gewählt

Um dies zu vermeiden, ist Bremsen essenziell. Als standhaft, bissig und transparent entpuppte sich das Konglomerat aus Galles Speed-Radialpumpe, Motacc-Stahlflexleitungen, Braking Wave-Scheiben und SBS-Sinterbelägen. An den Serienzangen hielt Lohmann dagegen fest, ersetzte aber die Kolben der Nissin-Bremssättel mit speziellen DLC-beschichteten Stahlkolben aus dem hauseigenen Angebot. Diese vertragen die Hitze wesentlich besser und sorgen so für einen verlässlichen Druckpunkt. Zwar gab dieser auf den ersten Runden mit der Lohmann-Kawasaki ZX-6R minimal nach, was dem extrem bremsintensiven Testkurs zuzuschreiben ist. Stand dann aber bombenfest und absolut zuverlässig, um Runde für Runde den Bremspunkt weiter nach hinten verschieben und sich näher an die perfekte 600er-Runde heranarbeiten zu können.

Damit der Fahrer sich voll auf seinen Job konzentrieren kann, sitzt an der Lohmann-Kawasaki ZX-6R auch alles perfekt, sprich: Die Ergonomie ist sehr gut, die Anbauteile spürbar mit Bedacht gewählt und angeordnet. Man merkt dem Motorrad an, dass Lohmann nicht nur nach Kundenwunsch schraubt, sondern selbst am Kabel zieht. Von den Gilles-Rasten (VCR38gt) bis zu den TSS-Lenkerstummeln bettete das Motorrad seinen Reiter genau so, wie es ein engagierter Vollgasritt verlangt. Wir haben uns über das Motorrad sehr gefreut, denn 600er gehören einfach zu solch einem Rennstrecken-Stelldichein dazu. Sie bieten zwar wenig Raum für Experimente, aber wenn sie so prima funktionieren wie die von Simon Lohmann, wird man unweigerlich daran erinnert, warum Racing mit 600ern so viel Spaß macht.

Foto: MRD

Technische Daten Lohmann-Kawasaki ZX-6R

Lohmann-Kawasaki ZX-6R

Gewicht: 174,7 kg
vorn/hinten: 52,4/47,6 %
Leistung: 131 PS
Umbaukosten: ca. 25.500 Euro

MTC Lohmann GmbH
Simon Lohmann
Gieseckenkamp 19
30851 Langenhagen
Telefon: 0511/74 42 12
www.mct-lohmann.de

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