Maxi-Roller mit Elektro-Antrieb in Rom Und wieder mal guckt kein Schwein

Da fährt zukunftsweisende Technik mitten durch Rom – und keiner schaut hin. Was auch damit zusammenhängen könnte, dass der Vectrix, ein Roller mit Elektromotor, so leise ist, dass ihn keiner hört.

Foto: Vectrix
Aller Anfang ist schwer. Es dauert eine Weile, bis sich die kleine Schar Journalisten aus aller Welt in Bewegung setzt. Das liegt nicht etwa am Elektroroller Vectrix, zu dessen Weltpremiere der gleichnamige US-Hersteller nach Rom geladen hat, sondern an den Fahrern. Denn wo kein Sound, da startet der gemeine Motorradfahrer nicht. Dabei reicht es, den Schlüssel zu drehen und kurz an beiden Bremshebeln zu ziehen, um den Vectrix startklar zu machen – allerdings ohne Lärm und Vibrationen.

Zögerlich ob der fehlenden Geräuschkulisse rollen die Tester vom glatten Marmorparkett an der Piazza Colonna auf die Fahrbahn. Weitgehend unbemerkt von den Passanten, denn wer in Rom nicht lautstark auf sich aufmerksam macht, wird einfach übersehen; das war schon zu Neros Zeiten so. Geräuschlos gleitet der kleine Pulk durch den tosenden Verkehr, und allmählich dämmert es den misstrauischen Motorjournalisten: Der Vectrix macht tatsächlich Spaß. Bisherige Elektroroller dagegen präsentierten sich als lahme Krücken mit dem Beschleunigungsfaktor einer hinkenden Weinbergschnecke – Spaßfaktor: null, zero, nada. Der Vectrix bietet die Leistungsdaten eines herkömmlichen 400er-Rollers. Von null auf 50 beschleunigt er in 3,6 Sekunden, womit er zwischen Pantheon und Kolosseum ganz weit vorn liegt. Erst recht in Gegenden, die für herkömmliche Fahrzeuge gesperrt sind, etwa dem Kapitol mit der Marc-Aurel-Statue. Fast erwischt es dort einen Touristen, der unbekümmert die Fahrbahn überquert – lautlose Fortbewegung birgt eben auch Gefahren. Weil die Designer dem flüsterleisen Vectrix das biedere Kleid eines Maxi-Rollers verpassten, bemerken ihn Autofahrer und Fußgänger frühestens auf den zweiten Blick. Dann allerdings ist der Aha-Effekt groß, die Tester werden angehalten, und die Römer wollen auf der Stelle alles über den Elektroroller wissen.

Rom als Startpunkt wählte Hersteller Vectrix mit Bedacht. In Italien fahren europaweit die meisten Zweiräder, nämlich rund zehn Millionen, und davon wiederum 600000 in Rom. Nur: Sie fahren immer seltener, denn Smogalarm führt zunehmend zu Fahrverboten, Zweitakter sind praktisch verschwunden. Die Marktchancen für ein Stadtfahrzeug mit Elektroantrieb stehen nirgends besser als hier. Zumal es der Hersteller zwar nicht beim Sound, dafür aber bei der Technik richtig krachen lässt. Die Batterien halten im Stadtverkehr rund zwei Stunden und haben keinen lästigen Memory-Effekt, lassen sich also auch nur zum Teil aufladen, ohne dass die Lebensdauer Schaden nimmt. Nach zwei Stunden an der Steckdose ist der Vectrix wieder voll fit; entsprechende Ladestationen richtet die Stadt Rom gerade ein. Die Höchstgeschwindigkeit des Rollers begrenzten die Entwickler auf 100 km/h, damit sich die Batterien nicht zu schnell entladen. Das reicht sogar für Italiens Stadtautobahnen, die auf 90 km/h beschränkt sind.
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