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Métisse-Ducati CR 800.

Metisse-Ducati CR 800 im Fahrbericht Ducati Scrambler geht auch anders

Team Metisse hat die Ducati Scrambler in ein Sportgerät von echtem Schrot und Korn verwandelt. Wir durften die Metisse-Ducati CR 800 fahren.

Der Mann besitzt ein Faible für Café Racer. Stimmige Kreationen auf Basis von BMW R 1200 R, Harley-Davidson XR 1200 oder Triumph Bonneville belegen das. Große Begeisterung erntete erst im vergangenen Jahr auch sein radikaler KTM-Duke-Umbau. Aber Horst Edler, Chef des Zubehörlieferanten Team Metisse aus Leiferde bei Gifhorn, wusste genau: Da fehlt noch was. 

Ducati nämlich. Bislang jedoch hatten sich alle Monster – und nur die kamen als Ausgangsbasis infrage – wegen ihres Rahmenlayouts und später wegen der ­wassergekühlten Motoren einem stilechten Umbau widersetzt. Erst als die ersten Fotos der Ducati Scrambler auftauchten, ahnte Edler, dass seine Zeit für einen Ducati-Umbau endlich gekommen war. Ein Anruf bei der Braunschweiger Werksniederlassung, und eines der ersten nach Deutschland gelieferten Exemplare war ihm fest versprochen.

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Höcker, Stummel und langgestreckter Tank

Das passte so gerade, um auf der Frühlingsmesse in Dortmund die Besucher zu verwundern: Eben hatten die meisten auf dem Ducati-Stand noch zum allerersten Mal die Scrambler gesehen, da begegnete ihnen schon deren Mutation, die Metisse-Ducati CR 800. Der luft-/ölgekühlte L-Twin werkelt hier im gewohnten technischen Umfeld. Einspritzung, Bremse, Federelemente – alles unverändert, bis hin zu den rockigen ­Pirelli MT 60 RS. Einzig die Abgase schlagen gegen Aufpreis andere Wege ein und entweichen dann nicht länger über Sammlertopf und Auspuffstummel, sondern über einen statt­lichen Remus-Dämpfer. Ungleich radikaler widmete sich der bekennende Ästhet Edler den optischen Zutaten. Statt süßer Versuchung mit Anklängen von altem und modernem Design gibt’s bei ihm bewährte und vor allem bei großen Jungs beliebte Zutaten. Höckersitzbank und lang gestreckten Tank nämlich, beides selbstverständlich handgefertigt aus poliertem Leichtmetall. Statt zur Segelstange greifen die Fahrerfäuste nach Lenkerstummeln – und fertig.

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Fahrwerksstabilität ist tadellos

Okay, nicht ganz. LED-Rücklicht, Blinker im schmucken Alu-Gehäuse oder Sturzpads und ProBolt-Schrauben sollten ebenfalls Erwähnung finden, gleichfalls müssen die Gabelschoner und erst recht die Seitendeckel gewürdigt werden. Aber Fakt bleibt, dass die oben genannten Hauptkomponenten des Metisse-Umbaus genügen, um der Ducati Scrambler nicht nur ein anderes, sondern ein extrem schlüssiges Gesicht zu geben. Als habe der Hersteller selbst eine ­solche Variante wie die Metisse-Ducati CR 800 von vornherein mitgeplant. 

Aus dem Sattel betrachtet, verstärkt sich dieser Eindruck noch. Die Abstände zwischen knapp, aber hochwertig gepolsterter Sitzbank und Lenker sowie Fußrasten passen prima. Wo groß gewachsene Piloten bei der Ducati Scrambler noch einen etwas knappen Kniewinkel beklagen, verhilft das neu gestaltete Arrangement zu hübsch versammelter Fahrhaltung. Sonderwünsche lassen sich mit unterschiedlich hohen Klemm­böcken der Lenkerhälften und einer Tieferlegung um 20 Millimeter mittels geänderten Federtellers erfüllen. Ebenfalls auf Wunsch und gegen Aufpreis soll alsbald hochwertige und voll einstellbare norddeutsche Federware von Wilbers lieferbar sein. Diese dürfte Landstraßeneinsatz ­mit der Metisse-Ducati CR 800 nochmals deutlich versüßen, denn zünftig angegangene Strecken bringen das un­terdämpfte Originalteil schnell an seine Grenzen (siehe auch Top-Test der Ducati Scrambler in MOTORRAD 6/2015). Die Up­side-down-Gabel dagegen spielt ordentlich mit, die sehr gute Einscheiben-Vorderbremse passt perfekt. Angemessener konturierte Reifen würden das jetzt schon gute Handling nochmals verbessern und ein präziseres Einlenken ermöglichen, die Fahrwerksstabilität dagegen ist tadellos. 

75 PS machen Spaß wie Hölle

Im Zentrum des Erlebens steht eindeutig der Motor. Jahrelang haben sie uns Berg-und-Tal-Leistungskurven oder zickiges Ansprechverhalten als emotional verkauft, und nun erleben wir ein sicher antretendes, berechenbar und kräftig hochdrehendes Aggregat, dessen ganze Zivilisiertheit nur ein Ziel kennt: lustvolle Fortbewegung. Der tolle Sound wirkt wie psychisches, die „kurze“ Endübersetzung wie physisches ­Doping, das Fazit ist schnell gezogen: 75 PS können Spaß wie Hölle machen.

Das gilt natürlich für Ducati Scrambler wie Metisse-Ducati CR 800 gleichermaßen, aber so ist das nun mal: Manche lesen zur Entspannung blumige Ge­sellschaftsromane, andere Krimis – und vergleichbar fällt auch hier der Unterschied aus. Wer die härtere Variante be­vor­zugt, kann sich an ausgewählte Händler wenden. Die liefern eine Metisse-Ducati komplett montiert aus, inklusive Werksgarantie. Oder sie verbauen die entsprechenden Teile. 

Die kann man natürlich auch selber anschrauben und dann mit den beigelegten Prüfbescheinigungen alles brav eintragen lassen. Wer statt der hier gezeigten Version mit leicht gekürztem Rahmenheck und schmaler Sitzbank die ungekürzte Variante mit etwas breiterem Sitzmöbel wählt, kann dann bei Bedarf sogar wieder zurückrüsten. Denn es gibt Lebensphasen, in denen ein blumiger Gesellschaftsroman genau das Richtige ist. Theoretisch jedenfalls.

Foto: Siemer
Horst Edler (im Bild hinter der Metisse-KTM CR 690) hat immer schnelle Sachen gemocht, jahrelang war er Importeur von Harris-Fahrwerken. Mittlerweile leitet der 55-jährige Rockliebhaber einen bekannten Zubehörbetrieb. Auf www.metisse.de gibt es weitere Infos zu den Umbauten.
Horst Edler (im Bild hinter der Metisse-KTM CR 690) hat immer schnelle Sachen gemocht, jahrelang war er Importeur von Harris-Fahrwerken. Mittlerweile leitet der 55-jährige Rockliebhaber einen bekannten Zubehörbetrieb. Auf www.metisse.de gibt es weitere Infos zu den Umbauten.

Infos und technische Daten

Zur Person: Horst Edler (im Bild hinter der Metisse-KTM CR 690) hat immer schnelle Sachen gemocht, jahrelang war er Importeur von Harris-Fahrwerken. Mittlerweile leitet der 55-jährige Rockliebhaber einen bekannten Zubehörbetrieb. Auf www.metisse.de gibt es weitere Infos zu den Umbauten.

Technische Daten Metisse-Scrambler

Motor: luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, 803 cm³, 55 kW (75 PS) bei 8250/min;

Fahrwerk und  Body: Gitterrohrrahmen aus Stahlrohr, Upside-down-Gabel, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Federbein, direkt ange lenkt, Höckersitzbank aus poliertem Leichtmetall

Räder und Reifen: Alu-Gussräder, 3.00 x 18 vorn, 5.50 x 17 hinten,  Reifen 110/80 R 18 vorn, 180/55 S 17 hinten, Pirelli MT 60 RS; Tank: poliertes Leichtmetall, Inhalt 11,5 Liter

Höchstgeschwindigkeit: zirka 200 km/h

Preis: komplett ab 12990 Euro
Basiskit, bestehend aus Sitzbank inklusive LED-Rücklicht und Kennzeichenhalter sowie -beleuchtung und Tank inklusive aller Halterungen: 2995 Euro

Extras: unter anderem Karbon-Seitendeckel und -Unterverkleidung (399 Euro), Alu-Lenkerstummel (275 Euro), Tieferlegung 20 mm (129 Euro) 

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