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Mopedmountainbike von Kingston Custom Kreuzung aus Mountainbike, NSU Quickly und Skateboard

Es war einmal eine Werkstatt. Darin standen: ein Mountainbike, eine NSU Quickly und ein Skateboard. Dann wurde es zu eng, und ihr Besitzer sollte sich für nur ein Fahrzeug entscheiden. So kam er auf eine verrückte Idee...

"Nee, das war natürlich etwas anders", lacht Dirk Oehlerking aus voller Kehle. Der Gelsenkirchener (kingstoncustom.blogspot.de) kann derzeit getrost als Deutschlands furcht­losester Customizer bezeichnet werden: „Letztes Jahr bin ich 50 geworden, und ein Freund schenkte mir das Moped, mit dem ich als Sechsjähriger meine ersten Fahrversuche gemacht habe – eine NSU Quickly. So bin ich zu der Maschine gekommen.“ Oehlerking, der unter seinem Label Kingston Custom die Szene letztes Jahr mit einer umgebauten BMW R 75/6 (MOTORRAD 18/2013) aufmischte, sucht permanent nach Herausforderungen. „Diese hier bestand darin, etwas völlig Abgefahrenes auf die Räder zu stellen“, grinst er. Als wenn es bei ihm nicht immer darum ginge…

Auch wenn das Endfahrzeug in seinem Kopf „schon lange fertig war“, gab es doch einige Hürden zu meistern. Denn wie zwängt man beispielsweise die mächtige MTB-Gabel samt Steuerkopflager in den zierlichen Lenkkopf der Quickly? „Ich musste mir einen Dorn drehen, habe den Lenkkopf erhitzt und mit einer Presse geweitet“, erklärt Oehlerking. Das passte letztlich, aber die Front steht jetzt viel flacher als zuvor, denn die originale Federgabel war kürzer und besaß eine vorversetzte Achsaufnahme. Nun steht die Maschine vorn höher, verfügt über 85 mm Federweg. Mit 26 Zoll haben die Räder denselben Durchmesser wie das Original, nur sind sie leichter.

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MTB-Schaltung in NSU Quickly integriert

Überhaupt hat die NSU Quickly abgespeckt, wiegt statt 41 Kilogramm jetzt nur noch 31. Die größte Herausforderung allerdings bestand darin, die Schaltung des MTB in die Quickly zu integrieren, was mit einer Zwischenwelle gelöst wurde. Der Standardantrieb der Quickly befindet sich auf der linken Seite. Die Sekundärübersetzung erfolgt über Ritzel auf das originale Kettenrad, das auf einer gedrehten Aufnahme sitzt. Diese treibt eine Welle an, an deren Ende auf der rechten Fahrzeugseite die MTB-Schaltgruppe mit drei Ritzeln liegt. Das System verfügt sogar über einen Spannmechanismus. Per MTB-Kette wird die Kraft nach hinten auf die sieben Gänge übertragen. Die werden ganz normal über Shifter am Lenker geschaltet. An Gängen fehlt es diesem Ding also nicht.

Zwei Stufen im Quickly-Getriebe mal 21 Fahrradgänge ergibt 42 Übersetzungsmöglichkeiten. Ob der Motor das schafft? „Der hat immer noch seine 1,4 PS bei 5000/min“, grinst Oehlerking. „Aber die Kiste kommt in den letzten Gängen nicht so recht aus dem Quark.“ Topspeed? Dirk schürzt die Lippen und meint: „kommt aufs Fahrergewicht und seine Windschlüpfrigkeit an. Kannst gern mal ’ne Runde drehen.“ Das lässt man sich nicht zweimal sagen.

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Verdammt, ist das hart!

Verdammt, ist das hart! Kein Polster auf dem Skateboard. Nur flaches Holz. Die Füße ruhen auf Fahrradpedalen, die an originale Quickly-Kurbeln geschraubt sind. Zwei, drei Tritte reichen, und der kleine, 49 Kubik starke Zweitaktmotor kräht vor sich hin und spuckt blauen Dunst aus dem Schalldämpfer. Der ist noch original. Allerdings wurde der Krümmer samt Verbindungsrohr geändert. Er besteht aus einzölligen Bögen und Leitungen, die Klempner gemeinhin für Wasserleitungen verwenden. Kupplung ziehen, Gang rein. Und zwar den Ersten der beiden Getriebegänge. Das Zweitaktgemisch ist in einer 0,5-Liter-Trinkflasche untergebracht. Gas auf. Gemächlich setzt sich das Ding in Bewegung. Rechnerisch ist derzeit der fünfte Gang drin. Also Umwerfer betätigen und zurückschalten. Sofort kräht der Motor in höchsten Tönen. Zurück per MTB-Umwerfer aufs mittlere Ritzel. Nun geht es verhalten vorwärts, die Kiste nimmt Speed auf.

"Die Maschine ist fürs Fahrerlager"

Schräglage? So viel man sich traut. Lenkverhalten? Fahrrad-like. Bremsen? Beide Scheibenbremsen entstammen dem MTB und werden per Seilzug angesteuert. Der vordere Stopper re­agiert verhalten, der hintere wird über den Pedalrücktritt aktiviert und lässt die Fuhre auf Kommando rumrutschen.

2800 Euro möchte Dirk Oehlerking dafür haben. Wer bitteschön soll das kaufen? Ein Versicherungskennzeichen bekommt die Kiste wahrscheinlich nicht, dafür ist zu viel verändert worden. Dirk grinst und meint: „Die Maschine ist fürs Fahrerlager, zum Anschauen oder Herumalbern gedacht. Zum ewig jung bleiben.“

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