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Moto Guzzi V7 II-Customizing im Fahrbericht Jedes Teil ein Einzelstück

Fans der Marke Moto Guzzi sind Individualisten, die individuelle Motorräder wollen. Um das mit dem angepeilten Fahrzeugverkauf zu verbinden, bietet Moto Guzzi ein umfangreiches Zubehörpogramm, mit dem sich jede Moto Guzzi V7 II in ein Einzelstück verwandeln lässt.

Individualisten sind Menschen, die für ihre Entscheidungen gleich welcher Art andere Maßstäbe anlegen als der sogenannte Mainstream. Das gilt natürlich auch für die Wahl des motorisierten Zweirads. Lange Zeit galt der Besitz einer Harley-Davidson als ebenso exklusives Vergnügen wie als Beweis für höchste mentale Eigenständigkeit und größtmögliche Distanz zu den allgemeingültigen Vorstellungen darüber, wie ein Motorrad auszusehen oder zu funktionieren habe.

Ein Blick auf die Zulassungszahlen in Deutschland zeigt, dass es zumindest mit der Exklusivität nicht mehr weit her ist. Denn während die Amis anno 2014 knapp 11.000 Bollermänner an ihre gerne in Rudeln auftretenden und schwarz-orange uniformierten Fans brachten, konnten die Ita­liener nur weniger als 1000 italophile Biker zum Kauf eines ihrer Modelle bewegen. Darunter immerhin knapp 400 Moto Guzzi V7 II.

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„Discover the world of accessories“

Global gesehen ergibt sich anscheinend eine hinreichend große Masse an Moto Guzzi V7, um gleich vier verschiedene Linien zur weiteren Individualisierung des Bestsellers aufzulegen. „Discover the world of accessories“ (Entdecke die Welt des Zubehörs) war ein oft wiederholter Satz bei der Präsentation der vier gepimpten Modelle in den altehrwürdigen Fabrikhallen von Mandello del Lario. Und das Erschaffen dieser Zubehörwelt könnte sich als klassische Win-win-Situation erweisen: Die Marge der durchweg hochwertig wirkenden, aber auch keineswegs billig angebotenen Schutzbleche, Seitendeckel, Lenker, Gepäckträger, Ledertaschen und etlicher Kleinteile verbleibt beim Hersteller, und die Guzzi behält, da alle Zubehörteile über eine ABE verfügen, in jedem Fall ihre ABE und damit ihre Zulassung. Besonders letzter Punkt wird bei den Customizern gerne dezent unter den Teppich gekehrt. Einige Beispiele aus der Preisliste der Dapper: Die polierten Alu-Seitendeckel kosten 525 Euro, die ebenfalls polierten Alu-Schutzbleche 505 Euro, der verchromte Tank 878 Euro. Die aufwendig gefertigten Lenkerendspiegel gibt’s im Set für 402 Euro. Der teuerste Posten überhaupt ist die hochgelegte Arrows-Komplettanlage, die mit 1372 Euro im Buch steht und dem V2 einen herrlich bassigen und dennoch dezenten Sound verleiht. Die komplette Liste hat der freundliche Guzzi-Händler.

Hinter jedem der vier Modelle steht so etwas wie eine Philosophie. Während die Dapper mit ihrem verchromten Tank und dem Stummellenker an die Café Racer aus den 60er-Jahren erinnern soll, möchte die vollkommen schwarze Dark Rider, so der Prospekt, eher die coolen Typen ansprechen. Oder diejenigen, die eine Basis für das Ratbike von morgen suchen. Auf der Scrambler sollen sich diejenigen wohlfühlen, die noch einen Hauch von Rebellion, Freiheit und Abenteuer in sich tragen. Und deswegen im Großstadt-Dschungel schon mal durch die Rabatten abkürzen. Die Legend wiederum wendet sich an Traditionalisten, die ihr Gepäck lieber in Ledertaschen statt in Plastikboxen verstauen. Die technische Basis der Umbauten kann jede Moto Guzzi V7 ab Baujahr 2008 sein. Nahezu alle Bauteile passen überall, lediglich beim Auspuff und bei den Lenkerstummeln wird zwischen Modellen mit und ohne ABS unterschieden.

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Dapper, Dark Rider, Legend und Scrambler

Und wie fahren sie denn nun, die Quasi-Unikate? Es kommt, wie immer, darauf an. Darauf nämlich, ob via Stummel oder Rohr gelenkt wird, ob das harte sportliche oder das bequeme klassische Sitzmöbel installiert ist, ob sich die Schwinge hinten über die Serien- oder die Performance-Federbeine (724 Euro) abstützt, und letztendlich darauf, ob die Gummis von Pirelli (Dapper, Dark Rider) oder Golden Tyre (Legend, Scrambler) stammen.

Die vier gefahrenen Modelle offenbarten bei der Ausfahrt ins Hinterland des Comer Sees jedenfalls durchaus ihren eigenen Charakter, aber eines eint sie alle: Nicht nur in puncto Exklusivität, sondern auch in den für Fahrspaß nicht ganz unwichtigen Belangen wie Schräglagenfreiheit und Handling haben sie ihren amerikanischen Kolleginnen einiges voraus, ohne in den Verdacht zu geraten, japanische Funktionalität vortäuschen zu wollen. So gesehen hat die Moto Guzzi V7 die besten Voraussetzungen, in der Szene der Freigeister angenommen zu werden. Fünfstellige Verkaufszahlen sind bis auf Weiteres weder zu erwarten noch zu befürchten.

Foto: Moto Guzzi
Als Basis für die Umbauten eignet sich die Moto Guzzi V7 II Stone mit dem günstigsten Preis am besten.
Als Basis für die Umbauten eignet sich die Moto Guzzi V7 II Stone mit dem günstigsten Preis am besten.

Technische Daten Moto Guzzi V7 II

Technische Daten Moto Guzzi V7 II Stone (k.A.)
Modelljahr 2015
Motor
Zylinderzahl, Bauart 2 , V-Motor
Bohrung/Hub 80,0 / 74,0 mm
Hubraum 744 cm³
Ventile pro Zylinder zwei Ventile pro Zylinder
Verdichtung 10,5
Leistung 35,0 kW ( 47,6 PS ) bei 6250 /min
Max. Drehmoment 58 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb Kardan
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Doppelschleifenrahmen
Federweg vorn/hinten 130 mm / 111 mm
Reifen 110/90 18 , 130/80 17
Bremse vorn/hinten 320 mm Vierkolben-Festsattel / 260 mm Doppelkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1435 mm
Lenkkopfwinkel 62,5 °
Nachlauf 109 mm
Leergewicht vollgetankt k.A.
Sitzhöhe 790 mm
Zulässiges Gesamtgewicht k.A.
Höchstgeschwindigkeit k.A.
Preis
Neupreis 8190 Euro

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