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Moto Guzzi V7 im Fahrbericht Ein Bike fürs Herz

Im Jahr 2008 brachte Moto Guzzi die Nachfolgerin der legendären V7 auf den Markt. Für dieses Modelljahr hat man die Bestsellerin nun aufgehübscht. In Mandello ist man stolz auf die Moto Guzzi V7. Zu Recht?

Da war die Vorfreude groß, ebenso wie die Erwartungshaltung hinsichtlich des Updates der Moto Guzzi V7 für das Modelljahr 2014. Ob man ihr nun endlich ein ABS verpasst hat? Es stünde ihr exzellent. Denn der Bestseller der Marke, von dem im vergangenen Jahr rund 3250 Stück vom Band liefen, gilt seit Einführung des Stufenführerscheins als Geheimtipp unter Einsteigern und Wiedereinsteigern. Optisch präsentiert sie sich als echter Leckerbissen. Den Beweis liefert Guzzi auch dieses Mal sofort. Das 750-Kubik-V2-Moped wird in allen drei Modellvarianten auf Podesten mitten im italienischen Werk in Mandello der Fachpresse dargeboten.

Beim Blick auf die edle Racer, die traditionelle Special und die puristische Stone fragt man sich unwillkürlich, wie jemand überhaupt auf die Idee kommen kann, sich japanische Einheitsware in die Garage zu stellen. Denn diese italienische Signorina erwärmt die Seele, wie es zahlreiche Motorräder nie tun werden. Ihr Aussehen kündet von gemütlichen Touren über schmale Sträßchen und ausgiebigen Kaffeepausen auf Südtiroler Bergspitzen. Die Moto Guzzi V7 vermittelt eine den Geist besänftigende Gelassenheit, sodass man sich an ihrer Seite einfach als besserer Mensch fühlt. Und das unterscheidet das alte Modell glücklicherweise keineswegs vom neuen.

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Schon ab 2000 Touren läuft das Triebwerk rund

Man muss allerdings ganz schön suchen, um überhaupt die Neuerungen wahrzunehmen. Die 7735 Euro kostende Stone beispielsweise bekam ein schwarzes Finish verpasst. Spiegel, Seitendeckel, Stoßdämpfer, Kotflügel, Lenker: Sie sind nun schwarz wie die Nacht. Die 1800 Euro teurere Racer erhielt neue Schriftzüge, schwarz eloxierte Aluminiumteile und eine optisch modifizierte Sitzbank. An der Special, die für 8435 Euro beim Händler steht, veränderte man optisch gar nichts. Was nach minimalem Facelift klingt, bleibt auch eins. Denn weiterhin vermisst man ein ABS an der Brembo-Bremsanlage. Lediglich eine Kleinigkeit hat sich technisch getan: Die Lichtmaschine hat nun einen Deckel aus Aluminium und läuft ab sofort im Ölbad. Im Alltagsbetrieb der Moto Guzzi V7 muss man entsprechend keine Änderungen erwarten. Doch das Wetter zeigt sich an diesem Morgen von seiner sonnig-frühlingshaften Seite, und wer kann schon Nein sagen, wenn 20 Mandello-Twins sich genüsslich warmschnaufen? Also rauf auf den Sattel des inklusive 21 Liter Benzin etwa 198 Kilogramm schweren Mopeds.

Es ist immer herrlich, nach längerer Abstinenz wieder auf einer Guzzi zu hocken und dem 90-Grad-V2 bereits im Stand einen feisten Gasstoß zu verpassen. Dieses Schütteln des Bikes von links nach rechts und wieder zurück macht die besondere Faszination der Moto Guzzi V7 aus. Fein hängt der Small-Block-Twin am Gas, schon ab 2000 Touren läuft das Triebwerk rund. Darunter hat man – zumindest im Schiebebetrieb – mit störendem Kon­stantfahrruckeln zu tun. Aber was soll’s? Der Guzzi-V2 ist eben kein japanischer Vierzylinder. Und das ist gut so. Denn beim Gasaufziehen schnappt das maximal 48 PS leistende Aggregat mit herrlich kehliger Stimme nach Luft, um diese mit massierendem V2-Stakkato bassig-blubbernd aus den zwei verchromten Endschalldämpfern wieder hinauszubefördern. So erwachsen kann eine 750er klingen, ohne es sich mit der Nachbarschaft zu vermiesen.

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Fahrerisch zeigt sich die Moto Guzzi V7 von einer unspektakulären Seite

Die Federelemente aller drei Modellvarianten bügeln Unebenheiten prima weg, verwöhnen ihren Reiter mit tollem Ansprechverhalten und ausreichender Dämpfung. In Kombination mit den schmalen Reifen (vorn ist ein 100er montiert, hinten ein 130er) zirkelt man so erstaunlich stabil um Kurven jeder Art. Der Radstand von 1449 Millimetern, der gemäßigte Lenkkopfwinkel von 62,5 Grad bei einem Nachlauf von 109 Millimetern tun dabei ihr Übriges. Will heißen: Vor allem die vor Chrom nur so blitzende Racer gerät mit ihrem schmalen Lenker zu einer behäbigen Masse, die nur ungern spontane Kurskorrekturen zulässt. Die Handlingeigenschaften der Moto Guzzi V7 dürften bei der nächsten Aktualisierung also gerne umfassend optimiert werden, denn auch die anderen beiden Varianten mit ihrer aufrechten Sitzposition und deutlich brei­terem Lenker büßen ab Geschwindigkeiten oberhalb von 60 km/h etwas von ihrer Leichtigkeit ein.

Ansonsten bietet die Moto Guzzi V7 genau das, was das moderne Fahrerherz verlangt: einen charismatischen Antrieb, der vom Stand weg bis etwa 6500 Touren stets mo­tiviert zur Sache geht, einen betörenden Klang, bei dem sich vor Gänsehaut die Nackenhaare aufstellen, und ein prächtiges Aussehen, das die Partnerin oder den Partner durchaus eifersüchtig werden lassen könnte. Am Ende der Probefahrt lässt einen diese Guzzi entsprechend irritiert zurück. Denn auch wenn sie nicht ernsthaft aktua­lisiert wurde, schafft es dieses Motorrad immer wieder, sich ins Herz ihres Piloten zu fahren. Und dass sie das schon seit sieben Jahren in Folge tut, darf die Italiener wirklich mit Stolz erfüllen.

Foto: Moto Guzzi
Moto Guzzi V7 im Fahrbericht.
Moto Guzzi V7 im Fahrbericht.

Technische Daten Moto Guzzi V7

Motor: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je eine untenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Stoßstangen, Kipphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 38 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 350 W, Batterie 12 V/14 Ah, mechanisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung, Fünfganggetriebe, Kardan, Sekundärübersetzung 4,125.

Bohrung x Hub: 80,0 x 74,0 mm
Hubraum: 744 cm³
Verdichtungsverhältnis: 10,5:1
Nennleistung: 35,0 kW (48 PS) bei 6200/min
Max. Drehmoment: 60 Nm bei 2800/min

Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 40 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 260 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel.

Alu-Gussräder: (Special/Racer: Speichenräder)2.50 x 18; 3.50 x 17
Reifen: 110/90 18; 130/80 17

Maße+Gewichte: Radstand 1449 mm, Lenkkopfwinkel 62,5 Grad, Nachlauf 109 mm, Federweg v/h 130/118 (Racer: 130 mm), Trockengewicht 179 kg, zulässiges Gesamtgewicht k. A., Tankinhalt 22,0 Liter.

Garantie: zwei Jahre
Farben Stone: Grün, Rot, Schwarz; Special: Grau, Schwarz/Orange; Racer: Schwarz/Rot
Preis: Stone: 7735 Euro; Special: 8435 Euro; Racer: 9535 Euro
Nebenkosten: 255 Euro

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