Test Moto Guzzi V8-Replica

In Eigenregie baute Guiseppe Todero die legendäre Moto Guzzi V8-Rennmaschine nach.

Zu den berühmtesten Werksrennmaschinen, die je gebaut wurden, zählt schon aufgrund ihrer Zylinderzahl sicherlich die 500er Achtzylinder von Moto Guzzi. Von der 1955 entwickelten und 1956 in den Grand-Prixs eingesetzten Maschine existieren gerade mal drei Exemplare, zwei nicht funktionsfähige in Moto Guzzi-Besitz, ein weiteres in privaten Händen. Selbst die wohlhabendsten Sammler können von diesem raren Stück nur träumen. Der 48jahrige Guiseppe Todero, gelernter technischer Zeichner und heute technischer Direktor beim Motorsägenhersteller Mc Culloch, hatte günstige Voraussetzungen für seine Replica. Der Sohn des langjährigen Chefkonstrukteurs von Moto Guzzi, Umberto Todero, war 1979 ein halbes Jahr bei Moto Guzzi tätig und stieß dort auf eine Ansammlung von Teilen der berühmten Werksrennmaschinen aus den 50er Jahren.

 


  Guiseppe Todero konnte das zur Verschrottung anstehende Material günstig erwerben. Sein Interesse galt damals eigentlich mehr dem 350er Doppelnocken-Einzylinder, der Moto Guzzi Mitte der 50er mehrfach die Weltmeisterschaft in der 350er Klasse beschert hatte. Tatsächlich konnte Todero ein solches Motorrad komplettieren und ist heute stolzer Besitzer dieser Maschine. Doch in seinem Fundus fand sich auch eine Unmenge von Teilen der legendären V8-Rennmaschine. Speziell die aufwendige Kurbelwelle weckte seine Neugierde. Die Frage der Konstruktion ließ ihn nicht mehr los, und so reifte in ihm insgeheim der Plan, die V8 originalgetreu nachzubauen.

 

Bei der Bestandsaufnahme stellte sich heraus, daß nahezu alle Motorkomponenten, wenn auch zum Teil stark beschädigt, vorhanden waren. So konnte Guiseppe Todero die Maße an den alten Gehäuseteilen abnehmen und neue Gußformen erstellen. Doch für die Rekonstruktion einiger Bauteile waren die Originalzeichnungen notwendig. Also weihte er seinen Vater in sein Projekt ein. Der hielt das Vorhaben seines Sohnes zwar zunächst für unrealistisch, half dann aber mit Rat und Tat weiter. Schließlich hatte er diesen Motor mit dem damaligen Chefkonstrukteur Giulio Cesare Carcano entworfen und nach dessen Weggang von Moto Guzzi fertig entwickelt. 1955 war die V8 in der Rekordzeit von nur fünf Monaten entstanden. Beeindruckend auch, in welch kurzer Zeit Sohn Todero den Guzzi-Nachbau auf die Räder stellte: In gerade mal eineinhalb Jahren rekonstruierte er mit beispiellosem Elan in seiner Freizeit das gesamte Motorrad. Dabei kam ihm die Konstruktion des Motors entgegen. Denn trotz seiner acht Zylinder ist dieses Triebwerk unglaublich einfach aufgebaut.

 

Das meiste fertigte Guiseppe in seiner kleinen Werkstatt selbst. Auf einer Drehbank aus den 50er Jahren und einer Deckel-Fräßmaschine bearbeitete er das komplette Motorgehäuse und den mit den Zylindern vergossenen Zylinderkopf. Spezialisten halfen bei der Herstellung von Teilen wie Kurbelwelle, Kolben oder Ventilen. Selbst die acht winzigen Vergaser ließ Todero neu gießen und bearbeitete sie mit seinem Maschinenpark. Das Fahrwerk rekonstruierte er ebenfalls in Eigenregie. Auch vor komplizierten Aufgaben wie dem Nachbau der Verkleidung machte der Tüftler nicht halt. Er baute sich ein Modell und dengelte aus Aluminiumblech die Schale im Originalformat. Selbstverständlich war Guiseppe Toderos oberstes Ziel die uneingeschränkte Funktionstüchtigkeit.

 

Im September 1995 kam dann der große Augenblick. Rechtzeitig zum 75jährigen Firmenjubiläum gab der Motor die ersten Lebensäußerungen von sich. Immer wenn Guiseppe Todero den Achtzylinder anwarf, zog es die Zuschauermassen magnetisch zur Guzzi V8 hin. Wenn man sich das Ergebnis ansieht und anhört, kann man die unglaubliche Leistung erahnen, die Guiseppe Todero vollbracht hat. Auf die Frage nach den Kosten winkt er nur vielsagend ab. Bei der Lap of Honour im Rahmen der diesjährigen Tourist Trophy wird der stolze Besitzer dem Publikum das einmalige Erlebnis der Moto Guzzi V8 in Aktion vermitteln. Alle Achtung und viel Spaß, Guiseppe Todero!

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