Motorrad-Wirkung Image

Was nützt die beste Maschine, wenn jeder das Ding für eine Vollgurke hält? Und die Marke bestenfalls als gesichtslos gilt? Denn darum gehts: ums Gesicht.

Was macht eine Marke aus? Und warum wollen wir uns auf einem Motorrad der einen eher sehen lassen als auf dem der anderen Marke? Hat nicht allein mit Produktqualität zu tun. Sondern mit Image. Und zwar dem der Marke und unserem eigenen. Denn Motorräder funktionieren diesbezüglich ja wie Handtaschen. Wie Accessoires. Den europäischen Herstellern fällt es leichter, das Gesicht der Marke scharf zu umreißen. Demgegenüber polarisieren die Hersteller aus Japan weitaus weniger, so die Tendenz einer MOTORRAD-Umfrage mit über 35000 Teilnehmern. Sie bildet die Grundlage für die Bewertung der Maschinenimages vor dem Hintergrund der jeweiligen Markenwahrnehmung.


Japan
Honda CB 1000R
Honda darf – mit Verlaub – als BMW-ähnlicher japanischer Hersteller gelten: Technologisch avancierte, vernunftorientierte, wertige, optisch gelungene Maschinen werden der Marke zugeschrieben. Die als die beliebteste der japanischen gilt. Vorteil CB 1000 R: Sie darf böse tun, ohne wirklich verschrecken zu können. Oder ist das ein Nachteil?

Kawasaki Z 1000
Green and mean, grün und böse. Das war mal: Kawasaki. Heute: nur manchmal noch grün. Und das ist Teil des Imageproblems der Z 1000. Kawasaki ist die derzeit am schwächsten wahrgenommene japanische Marke. Zudem tritt die Z 1000 ja ein schweres Erbe an, das der wirklich beängstigend bösen nackten Kawa-Prügel aus den 1970ern. Was aber bliebe ohne dieses Erbe? Wenig.

Yamaha FZ1
Yamaha: in der Markenwahr­nehmung ein Synonym für Ausgewogenheit und insofern der japanischste der japanischen Anbieter. Fällt nicht besonders positiv auf. Oder negativ. Allein das Vertrauen in die technische Kompetenz hat zuletzt empfindlich gelitten. Heißt bezogen auf die FZ1: wäre zu Ernstkämpfen imstande, wenn dazu gezwungen. Will aber eigentlich niemandem weh tun.

Suzuki B-King
Der Name allein. Absage an jedwede Bescheidenheit. Hier geht es um dicke Hose und einen Superlativ: mächtiger als alle anderen. Doch leidet die B-King unter einem ganz anderen Superlativ: dem des Suzuki-Images. Profan, der Billigheimer. Positiv: gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Interessiert das irgendeinen, der den King spielen will?


Europa
BMW K 1200 R
BMW ist, wer hätte das gedacht, nach Ducati die zweitbe­liebteste Marke überhaupt. Fragt sich: Bei wem? Traditionell bei vernunftorientierten Pragmatikern mit Premium-Attitüde. BMW wollte und eine BMW sollte lange Zeit weder sportlich noch aggressiv sein. Spagat der K 1200 R: Markenimage erweitern, ohne es auf den Kopf zu stellen. Um neue Kundenkreise zu erschließen, ohne die alten zu verprellen. Gelungen.

Ducati Monster S4 RS
Sie verbreitet nicht den Grusel kleinkindverspeisender Ungeheuer. Name hin oder her: Die Monster wirkt nett – Stärke und Schwäche zugleich. Dieses Motorrad akzeptiert sogar, wer keine italienischen Motorräder mag. Auch weil Ducati die höchsten Sympathiewerte und die Monster ikonengleichen Status genießt. Hat halt vor 15 Jahren das Nacktrad nicht allein formal neu definiert.

KTM 990 Super Duke
Warum Kompromisse machen, wenn man mit ganz unbescheidener Geradlinigkeit viel besser provozieren kann? Und polarisieren. Ganz bewusst so kalkulierte Außenwirkung des Herstellers, die sich eins zu eins auf die Modelle übertragen lässt. Soll funktionieren wie bei diesen Minzpastillen: Sind sie zu stark, bist du zu schwach. Wer also KTM fährt, muss hart sein. Oder es nötig haben, das über ein Accessoire zu demonstrieren?

Triumph Speed Triple
Die Marke: verzeichnete jüngst die absolut höchsten Zuwächse in der Imageentwicklung, insbesondere hinsichtlich der Beliebtheit. Die Maschinen: gelten als hübsch, sportlich, gut verarbeitet, preiswert. Die Speed Triple: gilt als Synonym für den geschliffenen, verschroben-individuellen Insel­Charakter mit Hooligan-Ambitionen. Rude, but charming.

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