MV Agusta Brutale 1078RR Vollrausch

Foto: Soldano

Vollrausch

MV Agusta Brutale 1078RR. Vorschusslorbeeren hat sie mit dem wichtigen Preis „Moto dell’Anno 2008“ bereits von den nationalen Industrievertretern bekommen (weit vor der favorisierten Ducati 1098R). Nun durfte sie dem PS-Internationalen Alan Cathcart zeigen, was sie außer geil auszusehen noch kann. Mehr Power stand an, wofür der F4 312-Motor aufgebohrt wurde.

Der Hub blieb gleich, wie auch die Zylinderköpfe. Statt der 48-mm-Drosselklappen der 312 fällt das Sprit-Luft-Gemisch durch 46-mm-Klappen aus der F4 1000. Ergebnis: Schon von der ersten Ampel wheelt die Brutale los. Nicht, dass es nicht zu verhindern wäre, aber man kann sich besaufen an der Kraft. 18 PS mehr als die Vorgängerin 910S – oh yeah! Linear abrufbar bis zum Begrenzer bei 11 650/min. Gut, bei 7000/min gibt es nochmal Sahne als Nachschlag, aber ohne Überraschungsmoment. Mit der nötigen Besonnenheit am Gasgriff ist das jedenfalls sehr fahrbar, und einmal richtig losgelassen, pumpt die Italienerin Speed-Räusche in Fahrer-Venen.

Unten herum hat sie genug Schmackes, um auch in der Stadt lässig herumzucruisen und das Publikum mit MV-Livesound zu entzücken. Agil ist diese 150-PS-Brutale mit gutem Fahrwerk und dennoch stabil auf Bremse und unebenen Wegen. Der Haken? 18450 Euro, aber selbst wer die Moneten hat, hat das Nachsehen, denn die MV Agusta ist gerade nicht lieferbar.

Ein Interview mit MV-Präsident Castiglioni erwartet Sie auf der nächsten Seite.
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Foto: AC-Archiv

Nachgefragt: Wie geht's MV?

Renommierte italienische Zeitungen sprechen von Übernahme, vom BMW-Geld für Husqvarna blieb für MV nichts übrig, und Händler klagen über Lieferprobleme. PS-Mitarbeiter Cathcart befragte MV-Präsident Castiglioni zur Lage der Marke.

? Man hört und liest viel über die Situation bei MV. Gibt es eine Zukunft?
! Ganz entschieden: ja. Es gibt eben Leute, die – aus welchen Gründen auch immer – die Marke in Verruf bringen wollen. Die Brutale 1078RR gewann den „Moto dell’Anno 2008“ und ist eine Demonstration der Stärke unserer Produkte. Wir haben Hus­qvarna an BMW verkauft, um unsere Schulden abzubauen und die glorreichste Marke der Welt weiterzuentwickeln.

? Gut, aber wenn der Geldfluss so offensichtlich schwach ist, dass Sie die Produkte gar nicht zum Kunden bringen können, weil Sie die Zulieferer nicht bezahlen können, wird das nicht funktionieren.
! Da haben sie Recht, aber ich bitte all jene, die MV Agusta Gutes wollen, um Geduld und Vertrauen, dass unsere laufenden Verhandlungen mit potenziellen neuen Partnern Erfolg haben werden. Davon bin ich voll überzeugt. Wir haben nach Absprachen Geld bekommen, um wichtige Zulieferer bezahlen zu können. Die Produktionskapazität ist wieder bei 100 Prozent.

? Nach dem Husqvarna-Verkauf nahm man an, dass ein Teil des Geldes in MV investiert wird. Stattdessen sieht es schlechter aus als zuvor, und es kommt weniger Geld rein, weil Sie keines der bisher profitablen Offroad-Bikes verkaufen.
! Unglücklicherweise haben jene, die für den finanziellen Aspekt beim Vertragsabschluss mit BMW verantwortlich waren, das ganze Geld an die Bank geleitet, mit der wir einen normalen Kreditabschluss haben, um unser Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten. Der läuft bis 2014. Statt MV als Firma wieder mit Kapital zu versorgen, so wie ich das angenommen hatte, um die Produktion zu steigern und die Entwicklung voranzutreiben, kam hier nichts an. Um dieses Problem zu lösen, sprechen wir gerade mit externen Partnern. Mit den verringerten Schulden und tollen neuen Produkten in der Pipeline sind wir ein attraktives Investment. Wenn ich also höre, dass ich am Steuer schlafe und MV in die Insolvenz driften lasse, versichere ich Ihnen, dass ich hier besonders aktiv bin und Erfolg haben werde, damit MV nicht nur wieder potent dasteht, sondern eine Menge neuer Produkte in neuen Segmenten bringen wird.

? Welche Investoren sind das? Man hört Harley-Davidson, Tata aus Indien und andere Motorrad-Hersteller?
! Zulieferer waren mit Tata im Gespräch, und so hat sich dieses Gerücht verbreitet – da ist nichts dran. Wir sind aber mit anderen indischen Investoren in Kontakt. Mit anderen Motorradherstellern? Überhaupt nicht. Eine eventuelle Verbindung mit Harley würde ich nicht ausschließen, aber es gibt momentan keinen Kontakt. Aber keine Sorge, der gewünschte Partner wird kommen, und MV wird weiter existieren. Ich will niemanden, der reinkommt und Schecks ausstellt. Wir müssen MV umstrukturieren und es zukünftig einfach anders machen.

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