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MOTORRAD 22/2015: Fahrbericht MV Agusta Turismo Veloce 800 Lusso

MV Agusta Turismo Veloce 800 Lusso im Fahrbericht Luxus-Variante

Die MV Agusta Turismo Veloce 800 bekommt in der Variante Lusso ("Luxus") ein gut funktionierendes semiaktives Fahrwerk und als Dreingabe eine App für dessen ganz individuelle Einstellung.

Lusso, also Luxus, nennt MV Agusta seine Upgrade-Variante der Turismo Veloce 800. Das klingt vielversprechend, aber auch teuer, was der Blick aufs Preisschild bestätigt: 16.890 Euro kostet die Neue, knapp 2000 Euro mehr als die Basisversion. Diese debütierte vor ein paar Monaten und gilt MV-Kennern als das intuitivste und am besten fahrbare Modell des Hauses. Denn die rassige 800er mit dem quirligen Dreizylindermotor vereint sportliche und touristische Eigenschaften zu guter Alltagstauglichkeit und glänzt obendrein mit sehr ordentlicher Ausstattung. Neben einer mehrfach verstellbaren Traktionskontrolle und unterschiedlichen Fahrmodi gehört dazu sogar ein Schaltautomat für kupplungsfreies Schalten sowie LED-Licht, TFT-Display, Tempomat und Bluetooth.

Die MV Agusta Turismo Veloce 800 Lusso lockt nun zusätzlich mit dreistufig einstellbaren Heizgriffen, einem allerdings schwergängigen Hauptständer und einem integrierten GPS-Sensor, vor allem aber mit dem ersten semiaktiven Fahrwerk des Herstellers. Einem Fahrwerk also, das sich auf Straßen- und Fahrzustand einstellt und automatisch eine möglichst perfekte Abstimmung von Gabel und Federbein liefern soll, ob es nun im engagierten Galopp auf holprigen Bergsträßchen aufwärts geht oder im gemütlichen Trab über feinsten Belag. Viele Motorradbauer, von Aprilia über BMW und Ducati bis zu KTM und Yamaha, nutzen diese sensoren- und rechnergesteuerte Technik für ihre Flaggschiffe bereits.

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Stabiler, präziser und weniger nervös

MV Agusta zieht nun nach und will offenbar gleich unter Beweis stellen, wie gut das Novum des Hauses funktioniert: Die Schnupperstrecke zum Ausprobieren ist anspruchsvoll, sie führt vom Werkssitz in Varese über verschlungene Pfade zum Lago Maggiore und dort hinauf zum Mottarone-Pass. Der zieht mit schartigen Frostverwerfungen, dicken Schlaglöchern, rumpeligen Bodenwellen und breiten Rissen wirklich alle Register der denkbaren Asphaltschäden, dazu erhöhen herbstliche Licht- und Schattenspiele auf den Waldpassagen und feuchte Blätter auf der Fahrbahn den Schwierigkeitsgrad weiter. Volle Konzentration ist gefordert – und natürlich das semiaktive Fahrwerk der MV Agusta Turismo Veloce 800 Lusso, das diese Herausforderungen wirklich gut meistert, indem es auf dem Holperbelag des Mottarone die Dämpfung weiter öffnet und beim Bremsen die Druckstufe vorn etwas schließt, um ein allzu tiefes Eintauchen der Gabel zu verhindern. Schön, wenn man sich aufs Wesentliche, nämlich aufs Fahren und die Kurven, fokussieren und auf das Fahrwerk verlassen kann.

Die leichtfüßige Handlichkeit, die schon das Basismodell wie von selbst in Schräglage fallen lässt, ist geblieben, doch im Vergleich wirkt die MV Agusta Turismo Veloce 800 Lusso stabiler, präziser und weniger nervös. Das macht sich besonders dann bemerkbar, wenn es engagiert zur Sache geht und sie im Sport-Modus ran darf. Wie bei anderen Herstellern auch, ist das Ansprechverhalten des Fahrwerks mit den Fahrmodi gekoppelt. Im Sport-Modus der MV heißt das: volle Leistung, also 110 PS, zackige Gasannahme, späte Traktionskontrolle und nun eben auch ein passend abgestimmtes, sehr straffes Fahrwerk, das rasant und hart über die Bodenwellen bügelt. Komfortabler und rückenschonender gibt sich das Fahrwerk im Touring-Modus mit 90 PS, es werkelt sanfter, aber immer noch entschlossen.

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MV Agusta Turismo Veloce 800 Lusso mit GPS-Sensor

Eine MV-Spezialität ist der Custom-Modus, in dem der Fahrer sich seinen Lieblingsmix aus allen Fahrmodi zusammenmischen kann, vom Ansprechverhalten des Motors über die Motorbremse und viele weitere Einstellungen bis hin zur Traktionskontrolle. Dazu kommen nun noch persönliche Vorlieben in Sachen Fahrwerk, und dafür hat MV Agusta eine eigene App kreiert. Per Fingertipp lassen sich am Tablet damit Zug- und Druckstufe variieren. Zudem kann man, ähnlich wie es Aprilia für die Caponord bietet, Daten der gefahrenen Strecke abrufen, von der Öffnung der Drosselklappe bis hin zur Schräglage – der in der MV Agusta Turismo Veloce 800 Lusso integrierte GPS-Sensor macht’s möglich.

Die App stand während des Tests nur als Beta-Version zur Verfügung, soll aber in Kürze über den Appstore kostenlos verfügbar sein. Ein Lücke hat das semiaktive System der MV Agusta Turismo Veloce 800 Lusso allerdings: Zwar lässt sich über das Display der Beladungszustand des Motorrads einstellen, vom Solobetrieb bis hin zu zwei Personen mit Gepäck, doch Auswirkungen auf die Federvorspannung hat das nicht: Die muss man nach wie vor per Handrad einstellen. Ein Teil vom Luxus der Lusso bleibt dabei auf der Strecke.

Technische Daten

Motor

Wassergekühlter Dreizylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung 3 x Ø 47 mm, geregelter Kat, Lichtmaschine 450 Watt, Batterie 12 V/11 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Schaltautomat, X-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 41:16.

Bohrung x Hub: 79 x 54,3 mm
Hubraum: 798 cm³
Verdichtungsverhältnis: 12,2:1
Nennleistung: 81 kW (110 PS) bei 10.000/min
Max. Drehmoment: 83 Nm bei 8000/min

Fahrwerk

Gitterrohrrahmen aus Stahl mit verschraubten Alu-Gussteilen, Motor mittragend, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, elektronische Dämpfungsanpassung, Zug- und Druckstufendämpfung, Einarmschwinge, Zentralfederbein, elektronische Dämpfungsanpassung, Federbasis per Handrad, schwimmend gelagerte Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolbensättel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Zweikolbensattel, Traktionskontrolle, ABS.

Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 6 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 190/55 ZR 17

Maße+Gewicht

Radstand 1424 mm, Lenkkopfwinkel 65 Grad, Nachlauf 108 mm, Federweg v/h 160/165 mm, Sitzhöhe 850 mm, Trockengewicht 192 kg, zulässiges Gesamtgewicht 417 kg, Tankinhalt 22 Liter.
Garantie: zwei Jahre
Farben: Rot/Silber, Perlweiß/Grau
Preis: 16.890 Euro
Nebenkoste: 275 Euro

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