MZ 1000 ST (Test Compact) Auf die sportive Tour

Mit kompletter Ausstattung, kräftigem Zweizylinder und günstigem Preis soll die 1000 ST – das Kürzel steht für SuperTraveller – sportlich orientierte Tourenfahrer für MZ gewinnen. Chassis und Verkleidung basieren beim dritten Modell mit dem 999 cm3 großen Reihentwin auf der 1000 S. Nur eben behutsam an touristischere Zwecke angepasst.
Für entspannte Kniewinkel sorgen drei Zentimeter tiefer sowie weiter vorn platzierte Fußrasten. Neu ist auch der höhere und breitere Rohrlenker aus Stahl. Er sitzt gedämpft gelagert auf einer modifizierten Gabelbrücke und ist an den Enden un-
gewöhnlich nach unten gekröpft. Seine
Lackierung geriet etwas grobschlächtig.
Super schirmt die Scheibe den Rumpf ab; sie ist gegenüber der S um 30 Milli-
meter höher und mit einer Spoilerkante versehen. Bis Topspeed von fast 240 Sachen liegt der Helm angenehm turbulenzfrei
und ruhig in laminarer Strömung. Deutlich
besser als auf dem sportlicheren S-Modell sitzt der Sozius, dank eines aufgepolsterten Sitzkissens. Allerdings liegen seine Rasten weiterhin zu hoch.
Der drehmomentoptimierte 1000er-Motor hat andere Nockenwellen und ande-
re Kennfelder der Zünd-/Einspritzelektronik als in der S. Seine maximale Drehmomentausbeute stieg um drei auf 98 Newtonmeter, gleichzeitig sank die Spitzenleistung von 117 auf 113 PS. Mit dieser Auslegung agiert der Twin geschmeidiger, er darf schon bei niedrigeren Drehzahlen ohne
Geruckel ans Gas genommen werden. Außerdem läuft er mechanisch sanfter,
dafür nicht ganz so feurig wie der Motor der 1000 S, die zuverlässig ihren Langstreckentest bei MOTORRAD absolviert – siehe Ausgabe 15/2005.
Bei allen 2005er-Versionen des 1000er-Motors reduzieren Kupplungs-Druckfedern mit geänderten Kennlinien die notwendige Handkraft um rund 20 Prozent. Sagt MZ, und die Sehnenscheiden pflichten ihnen bei. Gering ist der Kraftaufwand beim Einlenken, die ST wetzt durch den breiten Lenker noch handlicher um die Kurven als Schwester S. Ein exzellentes, voll einstellbares Fahrwerk haben beide. Dies ist nicht selbstverständlich unter den großen Sporttourern, von denen die ST für 10290 Euro das mit Abstand günstigste Angebot ihrer Klasse ist. MZ greift an!
Letztlich bleibt nur der Wunsch nach besserem Licht, mehr Zuladung und einem Hauptständer offen. Für nur 500 Euro Aufpreis gibt es am verstärkten Rahmenheck das Gepäcksystem gleich mit dazu. Es umfasst zwei 40-Liter-Koffer von Krauser samt Trägersystem sowie einen Lenkungsdämpfer. Jener hält Lenkerschlagen, bedingt durchs Mehrgewicht am Heck, erfolg-
reich im Zaum. Allerdings lässt der kaum einstellbare Lenkungsdämpfer die ST bis Tempo 50 spürbar taumeln, selbst in
engsten Kurven. Fühlt sich an wie zu geringer Reifenluftdruck.
Nicht ganz so lenkpräzise wie die S pfeilt die ST ums Eck. Doch immer noch schnell und agil genug, um die tiefer sitzenden Rasten kratzen zu lassen. Auf der Bahn läuft die Super Traveller sogar mit beladenen Koffern tadellos geradeaus. Doch der hohe Luftwiderstand des mit Gepäcksystem 1,05 Meter breiten Hecks bremst den Vortrieb jenseits der 200 spürbar. Unterm Strich ist die MZ 1000 ST nicht nur günstig – auch im Unterhalt –, sondern sinnlich. Genau richtig für die sportive Tour. tsr

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote