MOTORRAD hat die Triumph Rocket III von Ulf Penner ausprobiert.

Penner-Triumph Rocket III im Fahrbericht Hollarädulliöh - das Bike ruft

Wer in den 1980er-Jahren im südlichen Teil Deutschlands sozialisiert wurde, kam an Wolfgang Ambros’ musikalischem Epos vom Schicksalsberg Watzmann kaum vorbei. Dies nur zur Erklärung des Slogans, denn exakt dieses Hollarödulliöh schoss dem Autor dieser Zeilen durch den Kopf, als er mit der vom Bremer PS-Flüsterer Ulf Penner modifizierten Triumph Rocket III das erste Mal den Hahn spannte.

Hollarödulliöh, da geht mächtig was. Aber was? Ein Erklärungsversuch: Wenn man einen modernen 1000er-Supersportler voll beschleunigt, bekommt man eine Ahnung davon, wie sich ein Golfball beim Abschlag anfühlt. Bei dieser Triumph Rocket III ist das ähnlich, aber doch ganz anders. Allein das Gewicht von rund 370 Kilogramm und die zu einem Supersportler doch ziemlich konträre Sitzposition stellen den Eindruck ziemlich auf den Kopf. Man hat eher das Gefühl, von einem gewaltigen Katapult abgeschossen zu werden, obwohl die reinen Messwerte eine andere, sehr beeindruckende Sprache sprechen.

Nachfolgend ein virtuelles Beschleunigungsrennen der gepimpten Triumph Rocket III gegen eine serienmäßige Yamaha R1 von 0 auf 100 (3,1 zu 3,3 sek), 150 (5,7 zu 5,3 sek) und 200 km/h (9,8 zu 7,4 sek). Weniger beeindruckend als das vorhersehbare Ende ist der Umstand, dass die Rocket bis 100 km/h die Yamaha abledert. Hier kommt wohl das hohe Gewicht der Traktion zugute, obendrein bleibt das Vorderrad am Boden. Zum Vergleich: Die Serien-Rocket, für sich betrachtet auch keine Luftpumpe, hat keine Chance. Bis bei ihr 200 auf der Uhr stehen, vergehen 14,1 Sekunden.

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Im letzten Gang zieht der Eisenhaufen die Rennsemmel ab!

Wirklich beeindruckend sind aber die Durchzugswerte. Es heißt wieder Rocket gegen R1: 60–100 km/h (3,2 zu 3,5 sek), 100–140 km/h (3,3 zu 3,7 sek) und 140–180 km/h (3,5 zu 3,9 sek). Im letzten Gang zieht der Eisenhaufen die Rennsemmel ab! Wahnsinn. Das färbt auch auf das Fahrerlebnis ab: Du sitzt hinter diesem Gebirge von Tank und hältst dich an dem fetten Lenker fest. Dann gibst du Gas. Und dann peng! Wo eben noch der Horizont war, da bist du jetzt selbst! Irre! Und diesen Spaß gibt es für knapp neun Liter Super Plus.

Und ohne Gebrüll. Dieses Motorrad ist ein sehr gutes Beispiel, dass Klang und Lärm zwei Dinge sind, die nichts miteinander zu tun haben müssen. Denn aus den beiden Akrapovic-Slip-ons, die ursprünglich mal an einer 990er-KTM hingen, kommt zwar ein sehr geiler, basslastiger und typischer Dreizylinderklang, der aber dezent genug ist, dass nächtliche Kurorte problemlos durchfahren werden können. TÜV-Kompatibilität war neben Standfestigkeit auch die Vorgabe des Besitzers der Triumph Rocket III. Die sei auch überhaupt kein Problem, sagt Ulf Penner, denn die Liste der Modifikationen ist kurz (siehe "Modifikationen im Überblick"). Im Grunde genommen habe er den Motor nur entdrosselt, vom Potenzial sei der Triple für weit mehr als 200 PS gut.

Und dann peng! Hollarödulliöh!

Sehr beruhigend ist der Umstand, dass das Fahrwerk mit der deutlichen Mehrleistung locker klarkommt. Ein Handlingwunder kann und will dieser Klotz von Bike nicht sein, aber auf gut ausgebauten Landstraßen mit weiten Bögen und halbwegs ebenem Belag ist die Triumph Rocket III eine Macht, die erst einmal bezwungen werden will.

Auf den anderen Wegen genießt man die Souveränität der Masse, freut sich des Lebens und bereitet sich mental auf die nächste Gerade vor, denn die kommt bestimmt. Und dann peng! Hollarödulliöh!

Foto: markus-jahn.com
Schon die Serien-Rocket hat mächtig Druck im Kessel, das Penner-Derivat spielt aber nochmals in einer anderen Liga.
Schon die Serien-Rocket hat mächtig Druck im Kessel, das Penner-Derivat spielt aber nochmals in einer anderen Liga.

Modifikationen im Überblick

Motor:

  • Neue Kolben
  • Neue Nockenwelle
  • Bearbeitete Kanäle
  • Neue Auspuffkrümmer
  • Elektronische Drosseln stillgelegt
  • Drehzahlbegrenzer auf 7000/min erhöht
  • Speedlimiter auf 230 km/h erhöht

Kosten inklusive Abstimmung: circa 4000 Euro; zusätzlich Akrapovic Slip-on-Dämpfer von KTM 990: Kosten circa 1400 Euro

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