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Um ihre Bekanntheit zu steigern ließ AMG vom US-amerikanischen Customizer OCC einen Chopper bauen, der sich sehen lassen kann.

Präsentation: AMG-OCC-Chopper Der AMG-Chopper von OCC

Die Geschichte klingt verrückt. Um sich in den USA bekannter zu machen, ließ der schwäbische Fahrzeugbauer AMG bei OCC in Newburgh (New York) einen Chopper bauen und tingelte damit durch Amerika. Jetzt ist das namenlose Bike wieder zuhause.

Die Nummer hat überhaupt nichts vom Glamour, mit dem die Hersteller sonst um öffentliche Aufmerksamkeit buhlen. Im Gegenteil: Der erste Auftritt in der schwäbischen Heimat nach fast zweijähriger Tour durch US-amerikanische Spartenkanäle und über zahllose Automobilausstellungen fällt betont nüchtern aus: Ein riesiger grauer Raum, im Hintergrund der unangefochtene Star im AMG-Programm, der neue Supersportwagen SLS, vorn das Motorrad. Es wirkt fast wie ein Fremdkörper.

Und es hat keinen Namen. Jedenfalls keinen richtigen. Keine Buchstabenkombination, keine zweistellige Ziffernkombination, wie in Affalterbach, wo AMG residiert, üblich. Keinen Stammbaum, keine Papiere, ja, nicht einmal konkrete Spezifikationen. AMG-OCC-Chopper, unter solch holprigem Buchstabensalat firmiert dieses Bild von einem Bike. Die schwäbische Provinz hat keinen Namen übrig. Es sind wohl einfach zwei Räder zu wenig. Man muss lange fragen, um mehr zu erfahren. Wer hatte die Idee, was war der Plan, was steckt dahinter. Und was steckt drin? Der Reihe nach: Ernst Lieb, der Geschäftsführer von AMG-Mercedes in Nordamerika, gilt als Initiator des Projekts. Die Jungs von OCC (Orange County Choppers), in den USA so etwas wie Serienstars, übernahmen den Auftrag mit Kusshand. Und legten los, wie von ihnen bei diversen Themen-Bikes (auch Coca Cola und Microsoft waren schon Auftraggeber) gewohnt. Jedoch nicht, ohne sich vor Ort in Affalterbach umzusehen. Wie der großflächig tätowierte Firmenchef Paul Teutul Sr. mit Oberarmen im Baumstammformat zusammen mit seinem streitbaren Sohn auf die bodenständigen AMG- Mitarbeiter gewirkt hat, ist nicht überliefert. Es dürfte jedoch weit über die Exotik eines Choppers in der schwäbischen Powercar-Manufaktur hinausgegangen sein.
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Foto: fact
Zwischen den Krümmern einmal nicht das AMG-Logo, sondern das der Customizer.
Zwischen den Krümmern einmal nicht das AMG-Logo, sondern das der Customizer.
Anyway. Die Teutuls machten einen verdammt guten Job. Mit seinen klaren, reduzierten Linien, einer puristischen Ästhetik und viel handwerklichem Geschick steht das Bike ohne Namen dem vielbeachteten jüngsten Meisterwerk der AMG-Designer, dem komplett in Affalterbach entwickelten SLS, in nichts nach.

Im Gegenteil: Wo OCC die gewünschten Anleihen beim AMG-Design nahm, bewiesen die Amis ein glückliches Händchen. Egal, ob es die Tankoberfläche im Motorhaubendesign oder die dreiteiligen, mit 60 Schrauben verbundenen fünfspeichigen Chromräder im AMG-Design sind - sie wirken an diesem Motorrad ebenso selbstverständlich wie das riesige 24-Zoll-Vorderrad oder der mächtige 260er-Schlappen auf 21-Zoll-Felge hinten.

Noch besser trifft es sich, dass die tätowierten Bartträger aus dem Staat New York den schwäbischen Schlipsträgern in handwerklicher Finesse nicht nachstehen. Egal, ob die Schweißnähte am OCC-Starrrahmen (in dem ein 1647-Kubikzentimer-S&S-Motor hängt) oder die Rücklichter: Dieser AMG-OCC-Chopper, so viel ist sicher, würde auch die Garage manches AMG-Liebhabers schmücken.
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Foto: www.american-chopper.org
Die Macher: Orange County Choppers aus Newburgh im Bundesstaat New York.
Die Macher: Orange County Choppers aus Newburgh im Bundesstaat New York.

Die Macher von OCC

Orange County Choppers: Die Motorradschmiede in Newburgh im Bundesstaat New York wurde 1999 von Paul Teutul Sr. gegründet und ging aus einem Stahlunternehmen hervor. Bekannt wurde Orange County Choppers (www.orangecountychoppers.com) durch die Fernseh- serie "American Choppers", die von 2002 bis 2010 sehr erfolgreich auf Discovery Channel (in Deutschland DMAX) lief. Neben dem Bau ihrer Themenbikes (zumeist zu Werbezwecken) produzieren die Teutuls auch Custombikes für den "normalen Kunden". Thema der Sendungen war jedoch nicht nur der Motorradbau, sondern auch die Spannungen zwischen Senior und Junior. Mittlerweile hat Paul Teutul Jr. das Unternehmen verlassen.

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