Präsentation: Harley-Davidson CVO-Modelle 2011 Custom Wagen

Echt gewagt: Was früher nur Einheimischen vorbehalten war, durften nun auch fünf deutschsprachige Journalisten. Nämlich Harleys CVO-Edelteile vor Ort Probe fahren.

Foto: Harley-Davidson

Der Ami an sich, speziell der Harley-Davidson produzierende, hat ein ziemlich klares Weltbild: Erst einmal kommt God's own country, dann kommt eine ganze Zeit lang gar nichts. Und dann der Rest der Welt. Was verständlich ist, wenn zu normalen Zeiten über 80 Prozent der Produktion im eigenen Land bleiben. Doch der eingebrochene US-Markt und ein Auslandsanteil von mittlerweile knapp 40 Prozent lassen die Jungs aus Milwaukee in Sachen Auslandsaktivitäten munterer denn je werden. Lautete die Präsentations-Hierarchie früher (USA-)Händler, USA-Journalisten und irgendwann später Pressematerial per Postweg fürs Alte Europa, so sind die von Haus aus nicht englisch sprechenden Multiplikatoren nun auch bei Vor-Ort-Präsentationen gern gesehen. Zum Beispiel am Lake Tahoe, einem See auf der Grenze der US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien. Zwischen zwei Tagen Hin- und zwei Tagen Rückreise durfte die illustre Reisegruppe (siehe großes Bild links) die CVO-Modelle 2011 für ein paar Stunden durch die Berge der Sierra Nevada scheuchen.

CVO steht für "Custom Vehicle Operations", die hauseigene Veredelungsabteilung. Seit 1999 hübscht die in York/Pennsylvania ansässige CVO-Truppe weitgehend in Handarbeit die Topmodelle der einzelnen Baureihen auf. Da werden munter Screamin Eagle- und High Performance-Parts, also Tuning- und Chromteile aus dem Harley-Zubehörprogramm verbaut. Da wird von Hand liniert, und da werden neue Ideen und Bauteile ausprobiert, die erst später in die Großserie einfließen. Die CVO-Modelle werden grundsätzlich mit den hubraum- und leistungsstärksten Harley-Motoren bestückt und kosten locker 10 000 bis 20 000 Euro mehr als das jeweilige Basismodell. Die rollenden Weihnachtsbäume sind von vornherein streng limitiert - beim Jahrgang 2011 je nach Modell auf 1500 bis 3700 Exemplare.

Der typische CVO-Kunde heißt im Harley-Englisch "Alpha Customer". Besagter A-Kunde ist in der Mehrzahl der Fälle US-Amerikaner, hat meist schon mehrere Harleys und fährt deutlich mehr Kilometer zusammen als der gewöhnliche Vauzwo-Eigner. Vor allem ist er gern bereit, für Premium-Qualität auch einen Premium-Preis zu zahlen. Am liebsten für einen gepimpten Tourer, drei von vier CVO-Modellen sind daher Reisedampfer. Zum komfortablen Reisen gehört für den Alpha-Customer natürlich passende Beschallung. Den Sound zur Tour gibt es zum einen aus den - zumindest in der US-Ausführung - entzückend bollernden Screamin' Eagle-Töpfen. Zum anderen aber aus serienmäßigen Soundsystemen, deren Schalldruck mitteleuropäische 3er-BMW-Fahrer mit und ohne Migrationshintergrund vor Neid erblassen lassen würde. Sound ist beim CVO-Jahrgang 2011 das ganz große Thema. CB-Funk und Gegensprechanlage (Intercom) sind bei den Ultra-Tourern natürlich ebenfalls an Bord; Tempomat und ABS gehören ab 2011 bei allen CVO-Modellen zum Lieferumfang. Die Ultra Classic E-Glide und die Road Glide Ultra glänzen zudem mit einer automatischen Zentralverriegelung, die beim Verlassen des Geräts einfach alles sichert, was unbefugt angemacht, geöffnet oder abgebaut werden könnte.

Das günstigste CVO Modell ist das für Deutschland interessanteste und kommt mit etwas weniger Gimmicks daher. Die Softail Convertible ist mit vollgetankt 355 Kilogramm für CVO-Verhältnisse geradezu ein Leichtgewicht. Und sie kann mit wenigen Handgriffen und ohne Werkzeug noch leichter gemacht werden, denn Windschild (inklusive Audio-System!), Satteltaschen, Soziussitz und Sissybar lassen sich blitzschnell entfernen. Dadurch verschwindet nicht nur Masse, auch die etwas störenden Verwirbelungen hinter der Scheibe sind dann kein Thema mehr. Auf dem Papier hat die Softail weniger Leistung als ihre Touring-Schwester - die Ausgleichswellen fordern Tribut, doch in der Praxis ist FLSTSE2 das mit Abstand munterste CVO-Modell, ihre geringere und tiefer platzierte Masse, macht's möglich. Im Vergleich mit einer serienmäßig motorisierten Softail machen 218 cm? mehr Hubraum und ein Leistungsplus von immerhin 15 PS den Kohl aber nicht fett. Klar, das CVO-Schätzchen zieht etwas besser ab und durch, aber den wesentlichen Unterschied macht nicht das CVO-Fahren, sondern das CVO-Anschauen. Zum Beispiel der Ausgleichsgewichte mit Harley-Logo an den blendend verchromten 18-Zoll-Rädern im "Stinger Style".

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Foto: Harley-Davidson

Daten FLSTSE2 CVO Softail Convertible

Serienausstattung:
ABS; Verkleidung, Ledersatteltaschen und Soziussitz abnehmbar; Audiosystem mit 8 GB iPod nano

Farben:
Rot, Blau, Braun/Gold

Daten:
1802 cm², 67 kW (91 PS) bei 5010/min, 143 Nm bei 4000/min, 185 km/h, 355 kg vollgetankt

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Foto: Harley-Davidson

Daten FLHXSE2 CVO Street Glide

Serienausstattung:
ABS; Tempomat; Audio-System mit acht Lautsprechern und 8 GB iPod nano im rechten Koffer

Farben:
Grün, Orange, Grau, Schwarz

Daten:
1802 cm², 72 kW (98 PS) bei 5010/min, 156 Nm bei 4000/min, 185 km/h, 380 kg vollgetankt

Foto: Harley-Davidson

Daten FLHTCUSE6 CVO Ultra Classic Electra Glide

Serienausstattung:
ABS; Tempomat; Harman/Kardon-Audio-System mit CB-Funk und Intercom; Road Tech-Navi

Farbe:
Rot

Daten:
1802 cm², 72 kW (98 PS) bei 5010/min, 156 Nm bei 4000/min, 185 km/h, 430 kg vollgetankt

Foto: Harley-Davidson

Daten FLTRUSE CVO Road Glide Ultra

Serienausstattung:
ABS; Tempomat; Harman/Kardon-Audio-System mit CB-Funk und Intercom; Road Tech-Navi

Farben:
Rot, Anthrazit, Elfenbein/Gold

Daten:
1802 cm², 72 kW (98 PS) bei 5010/min, 156 Nm bei 4000/min, 185 km/h, 430 kg vollgetankt

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