Premiere: Bimota DB7 Rimini-Juwel

Genau 20 Jahre ist es her, dass Bimota mit der YB4 Superbike-Geschichte schrieb und Honda einen gewaltigen Schrecken einjagte. Nun sind die Italiener von der Adria-Küste mit einem waschechten Straßen-Superbike zurück.

Foto: Romeo

Rimini-Juwel

Bisher machte sich die vor fünf Jahren wiederbelebte Edelschmiede Bimota einen Namen mit durchgestylten und handwerklich sauber aufgebauten Sport-Motorrädern, befeuert von Ducatis Zweiventil-Motoren – kaum mehr als 100 PS stark. Für ein kompromissloses Superbike natürlich völlig unterzuckert und der bunten Bimota-Sportgeschichte irgendwie unwürdig. Mit der DB7 schließt sich jetzt das "Harmlos"-Zeitfenster, denn zwischen ihrem Gitterrohrrahmen und den gefrästen Alu-Platten arbeitet Ducatis Vierventiler aus der 1098. Und wie, zeigte sich auf dem kleinen, aber kniffligen Kurs von Magione nahe Perugia. Auffällig ist das veränderte Mapping zur Original-Ducati. Bei legalem Straßenspeed zieht die Bimota sauber, sehr linear und ohne Ruckeln aus dem Drehzahlkeller bei 2500/min, bis der Schaltblitz bei 9800/min zum Gangwechsel mahnt. Die mittige Leistungsdelle der 1098 ist bei der DB7 irgendwie verschwunden. Zwischen 6000/min und 8000/min liefert sie außerdem ein satteres Drehmoment, was die Bimota immer wieder auf den Hinterlauf stellt. Die Gasannahme ist druckvoll und dennoch weich. Wegen einer längeren Stange sind die Schaltwege der DB7 länger als bei der 1098 – kein wirkliches Problem.

Probleme bereitete dagegen zunächst das Fahrwerk in Kombination mit der Bremse. Abgestimmt von Danilo Marrancone, dem aktuell führenden in der italienischen Supersport-Meisterschaft, gab sich das Motorrad erwartungsgemäß wieselflink in Wechselkurven, offenbarte dann aber Stabilitätsmängel in langen Kurven, in die entschlossen hineingebremst wird. Nach dem Lösen der Bremse stellte sich die DB7 leicht auf und neigte sofort zum Untersteuern, bevor sie beim Gegenlenken recht
unkontrolliert wieder in Schräglage fiel. Und dann diese Bremse: Die Vierkolben-Zangen mit Einzelbelägen stellten die Bimota fast bei jedem ambitionierten Anbremsmanöver aufs Vorderad und ließen das Heck tänzeln. Mangels einer Anti-Hopping-Kupplung war das teilweise abenteuerlich, eine passendere Fahrwerksabstimmung unausweichlich: 3 Millimeter mehr Federbasis an der Gabel veränderte die Gewichtsverteilung beim Bremsen positiv, das geänderte Setup rückte das Potenzial der DB7 wieder ins rechte Licht. Nur der superstramme Lenkungsdämpfer war nicht vernünftig abzustimmen; wir haben ihn einfach abgeschraubt. Jetzt gab sich die Bimota so, wie man das erwarten durfte; nur die Bremsattacken brauchen nach wie vor einen sensiblen Fahrer.

Fazit: Sie sind wieder wer. Bimota hat ein scharfes Schwert geschmiedet – leicht, aggressiv, nobel, speziell. Die Brem­bo-Bremse ist einfach zu scharf, das macht Ducati besser. Das Mapping für den Testastretta ist bei der DB7 jedoch ge­-fälliger. Den Lenkungsdämpfer dürfen sie behalten – billiger wird die DB7 aber nicht.
Technische Daten Bimota DB7
Antrieb 90-Grad-V-Zweizylindermotor, 4 Ventile/Zylinder, 117,6 kW (160 PS) bei 9750/min*, 120 Nm bei 8000/min*, 1099 cm³, Bohrung/Hub: 104,0/64,7 mm, Verdichtung: 12,5:1, Zünd-/Einspritzanlage,
60-mm-Drosselklappen, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Trockenkupplung, G-Kat
Fahrwerk Stahl-Gitterrohrrahmen mit gefrästen Leichtmetallplatten, Lenkkopfwinkel: 65,0 Grad, Nachlauf: 100 mm, Radstand: 1435 mm, Ø Gabel-
innenrohr: 43 mm, Federweg v./h.: 120/120 mm
Räder und Bremsen Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17"/6.00 x 17", Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 190/55 ZR 17, 320-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 220-mm-Einzelscheibenbremse mit Zweikolben-Festsattel hinten
Gewicht (trocken) 170 kg*, Tankinhalt: 16 Liter ­Super (davon Reserve: k. A.)
Grundpreis 26 880 Euro (zzgl. Nk)

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