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Ducati Monster 1200 S im PS-Fahrbericht Sportlichste Monster aller Zeiten

Die neue Ducati Monster 1200 S löst mit Testastretta den großen Streetfighter im Segment der Power-geladenen Naked Bikes ab und bekam obendrein ein komplett neues Chassis. Was kann die Monster neuer Zeitrechnung?

Die Sonne scheint auf den Kanaren, der Asphalt in der vulkanischen Mondlandschaft bietet perfekten Grip und die Straße windet sich wie eine Rennstrecke den Berg hinunter. Das ist erstklassiges Terrain, um das jüngste Baby der legendären Monster-Baureihe, die Ducati Monster 1200 S zu testen.

Einlenken in eine lange, übersichtliche Links: Spielerisch legt sich das Motorrad in Schräglage und zieht sauber den Strich, bis es nach fast 180 Grad dann rechts herum geht, die Monster sich mit minimalem Lenkbefehl erst aufrichtet und dann widerstandslos tief auf die andere Seite klappt – herrlich! Vorbei die Zeiten, als die Monster viel zu nervös und stabile Kurvenlage ein Fremdwort war. Überhaupt gefällt das Handling der Neuen, ihre Zielgenauigkeit. Die Ducati Monster 1200 S entpuppt sich als wunderbar ausbalanciertes und auch noch leichtes Sport-Naked.

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Ducati Monster 1200 S mit gewaltig steiferem Chassis

Zu verdanken hat sie das ihrer völligen Neukonstruktion, die an die Panigale erinnert. Der Gitterrohrrahmen reicht nur noch bis an die beiden Zylinder, an denen er verschraubt ist, und der Motor damit ein wichtiges Teil des Chassis bildet. Das Rahmenheck ist am Motorblock und stehenden Zylinder angedockt, von wo sich auch das Feder­bein direkt auf der Schwinge ­abstützt. Das gewaltig steifere Chassis sorgt für die feinen Fahreigenschaften der Ducati Monster 1200 S. Und das, obwohl die Gewichtsverteilung hecklastiger ausfiel und der Radstand um 60 Millimeter zur Vorgängerin anwuchs.

Die S-Version der Ducati Monster 1200 federt traditionell mit Öhlins, jetzt mit einer massiven 48-Milli­meter-Gabel und Monoshock hinten. Alle Achtung: Auch die Abstimmung ist gelungen. Zwar spricht das Ganze nicht paradiesisch, dafür aber akkurat an und passt mit seiner sportlichen Härte auf feine Heizerstrecken, ohne auf runzeligem Belag den Piloten allzu sehr zu malträtieren.

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Der Testastretta lebt, spuckt und bebt

Und dann der Motor. Die Charakteristik ist 100 Prozent Ducati – der Testastretta lebt, spuckt und bebt. Am Ende der nächsten Kurve stürmt dieser Power-Twin mit sattem Drehmoment der nächsten Aufgabe zu – boooooaab, der Sound ist einzigartig, im Schiebebetrieb pratzelt es noch dazu. Im Sport-Modus, in dem die S-Version 145 Pferde an den Start bringt, sollte die Drehzahl jedoch nicht unter 5000/min liegen. Das ist der Bereich auf dem Farbdisplay der Hightech-Cockpit­anzeige, der orange eingefärbt ist. Unterhalb wirkt der Twin etwas lustlos, hier aber ist Feuer unterm Dach. Die Gasannahme ist superdirekt, womit ­geübte Fahrer sicher klarkommen. Wer es sanfter mag, wählt am linken Lenker­ende „Touring“ und genießt die gleiche Power – eben etwas smoother. „Urban“ kappt die Leistung der Ducati Monster 1200 S auf 100 PS und verhindert allzu heftiges Ruckeln in unteren Drehzahlen.

Aber wir brennen mit der Ducati Monster 1200 S über perfekten Asphalt – also weiter in Sachen Sport. Sportlich ist die Haltung des Piloten, der leicht nach vorn geneigt in Angriffsposition sitzt. Mit Monsterzeiten, in denen man weit über den Tank gespannt mit dem gesamten Gewicht auf den Handgelenken litt, hat das gottlob nichts mehr zu tun. Der relativ schwach gekröpfte Lenker sitzt deutlich näher am Fahrer und  selbst noch 40 Millimeter höher als bei der letzten großen Monster, der 1100 Evo. Auch lässt sich die Sitzbank erstmals in der Höhe verstellen. Mit der Zubehörbank reicht die Sitzhöhe von 745 bis 810 Millimeter. Ärgerlich für Fahrer mit Schuhgrößen jenseits der Kinderabteilung ist nach wie vor die Situation um die Rasten. Wer sportlich auf den Ballen stehen will, bekommt den rechten Fuß nicht vernünftig an der Auspuffanlage vorbei platziert.

Aber das war es dann schon mit echten Problemfällen. Die Bremse war trotz M50-Zangen von Brembo, wie sie auch die Panigale hat, relativ stumpf und nicht sauber zu dosieren. Aber das kann an den sanfteren Belägen oder noch nicht ordentlich eingebremsten Scheiben der Vorserie gelegen haben. Das ABS regelt entsprechend der Modi mal richtig spät (Sport) oder recht früh. Auch die Traktionskontrolle der Ducati Monster 1200 S ist auf die Modi abgestimmt, kann aber separat achtstufig geregelt werden.

Technische Daten Ducati Monster 1200 S

Antrieb
Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, 4 Ventile/Zylinder, 106,6 kW (145 PS) bei 8750/min*, 125 Nm bei 7250/min*, 1198 cm³, Bohrung/Hub: 106,0/67,9 mm, Verdichtung: 12,5:1, Zünd-/Einspritzanlage, 53-mm-Drosselklappen, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette.

Fahrwerk
Gitterrohrrahmen, Lenkkopfwinkel: 63,7 Grad, Nachlauf: 93 mm, Radstand: 1511 mm, Ø Gabel­innenrohr: 48 mm, Federweg v./h.: 130/152 mm.

Räder und Bremsen
Leichtmetall-Schmiedefelgen, 3.50 x 17/6.00 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 190/55 ZR 17, 330-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Schwimmsätteln vorn, 245-mm-Einzelscheibe mit Doppelkolben-Schwimm­sattel hinten, ABS.

Gewicht
(vollgetankt)  209 kg*,
Tankinhalt: 17,5 Liter Super

Grundpreis
15.990 Euro (zzgl. NK)*

* Herstellerangabe

PS-Urteil

Die Ducati Monster 1200 S ist die sportlichste Monster, die es je gab, und sie ist trotzdem mit dem kraftvollen und charakterstarken Twin eine typische Ducati geblieben. Leistung haben KTM Super Duke und BMW S 1000 R deutlich mehr, vielleicht sogar das sportlichere Gesamt­konzept. Aber mit den ausgemerzten Schwächen der Vorgänger wird die 1200 S oder auch die Standard-Monster zahlreiche Fans finden.

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