Premiere Harley-Davidson XR 1200X

Mit der XR 1200 versuchte Harley 2008, ein durchweg europäisches Bike an den Start zu bringen und musste sich einige Kritik anhören. Sie haben zugehört und gehandelt. Das Ergebnis heißt XR 1200X.

Foto: Hersteller
Die Frage „Was ist ein Sportmotorrad?" ist nicht immer leicht zu beantworten. Wenn man mal ausklammert, dass es ein echter Racer sein muss oder das Straßenderivat eines solchen. Was uns bei der XR 1200 direkt in ein neues Dilemma führt, denn sie wird oft als Straßenversion der legendären XR 750 dargestellt. Diesem Anspruch kann sie aber nicht gerecht werden. Das hat sogar Harley-Davidson längst eingesehen. Besonders die Basis-XR 1200, als echter europäischer und damit sportlicher Roadster konzipiert, steht auf etwas wackeligen Beinen, weshalb man dem Naked Bike in Milwaukee für 2010 ein voll einstellbares Fahrwerk inklusive neuer Bremse vorn spendiert hat.

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Wir erinnern uns: Beim PS-Test fiel die weiche und schlecht ansprechende Gabel der Standard-XR im Zusammenspiel mit der ultrascharfen Bremse negativ auf. Selbst bei nur leicht gezogener Bremse packte diese brutal zu.

Die Forke schnellte in Rekordtempo nach unten und schlug nicht selten durch. Die neue Gabel der X-Variante macht es aggressiven Fahrern jetzt möglich, wesentlich engagierter auf Wedelkurs zu gehen. Zwar ist die Sitzhaltung nach wie vor ein Hindernis dabei, ein enges, Vertrauen schaffendes Verhältnis zum Vorderrad aufzubauen, und das Ansprechverhalten erreicht auch kein Top-Niveau. Aber auf Block geht mit entsprechendem Setup nichts mehr. Die Bremse ist mit der nun schwimmend gelagerten Scheibe nach wie vor ein echter Beißer, doch ihre Dosierbarkeit hat sich erfreulich verbessert. Auch das Handling scheint optimiert zu sein, das Einlenken erfordert aber immer noch eine harte Hand.
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Hinten kann an den voll einstellbaren Duo-Shocks ebenfalls nachgetrimmt werden. Bei der Testfahrt über recht welligen Untergrund sprachen aber auch diese Dämpfer etwas unsensibel an und schüttelten den Fahrer kräftig durch. In schnellen Bögen neigte die XR 1200X besonders bei kleinen Bodenwellen zu leichtem Pendeln. Dieses Verhalten schreit nach einem eingehenderen Check, um den Einstellbereich genauer zu ergründen.
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Fazit:
Die XR 1200 ist definitiv keines dieser trägen Harley-Eisen. Nicht zu enge, aber mit Wechselkurven gesegnete Strecken sind ihr Ding. Das kann sie mit dem Fahrwerk für knapp 1000 Euro Aufpreis jetzt noch besser, wenn auch das Ansprechverhalten sowohl an der Gabel als auch am Heck nicht ganz überzeugt. Die X ist ein legeres Spaßpaket - nicht mehr, nicht weniger.

Technische Daten

Antrieb:
Zweizylinder-V-Motor, 2 Ventile/Zylinder, 67 kW (91 PS) bei 7000/min, 100 Nm bei 3700/min, 1202 cm³, Bohrung/Hub: 88,9/96,8 mm, Verdichtung: 10,0:1, Zünd-/Einspritzanlage, 50-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfgang-Getriebe, Zahnriemen, G-Kat

 

Fahrwerk:
Doppelschleifen-Stahlrohr-Rahmen, Lenkkopfwinkel: 60,7 Grad, Nachlauf: 130 mm, Radstand: 1515 mm, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm, Federweg v./h.: 125/89 mm

 

Räder und Bremsen:
Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 18"/5.50 x 17", Reifen vorn: 1200/70 ZR 18, hinten: 180/55 ZR 17, 292-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 260-mm-Einzelscheibenbremse mit Einkolben-Schwimmsattel hinten

 

Gewicht (trocken):
260 kg*, Tankinhalt: 13,3 Liter Super (davon Reserve: 1,9 l)

 

Grundpreis:
11990 Euro (zzgl. Nk)

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