Erschienen in: 02/ 2016 PS

Honda CRF 1000 L Africa Twin im PS-Fahrbericht

Sport ist nicht ihr Ding

Vor knapp drei Jahrzehnten brachte Honda die Africa Twin. Nun kommt die moderne Version der Legende. Eine Maschine, die den breiten Bereich zwischen Reise und Offroad abdecken will – nur Sport ist nicht ihr Ding.

MEHR ZU

Mit recht viel Bodenfreiheit, viel Federweg, gutem Lenkverhalten, großem Lenkeinschlag...

Bildergalerie zum PS-Fahrbericht der Honda CRF 1000 L Africa Twin.   7 Bilder

IN DIESEM ARTIKEL

Artikel als PDF downloaden Alle Downloads im Überblick

4 Seiten Fahrbericht
aus PS 02/2016
Preis: 2,00 €

PDF JETZT KAUFEN »

Sportliche Dynamik konnte man der Honda Africa Twin Anfang der 1990er-Jahre gewiss nicht vorwerfen. Sie bewegte sich damals zwar äußerst zuverlässig und unprätentiös, doch eher phlegmatisch vorwärts. Was bei schlappen 50 PS aus anfangs 650 cm3 Hubraum ja auch wenig wundert. Und doch wurde die Africa Twin von Anfang an gefeiert, wird heute von ihren Anhängern als Legende bezeichnet. Die Gründe dafür: Es lag an ihren touristischen Qualitäten, an ihrem Wüsten- und Abenteuer-Image, und an ihrem Nimbus der Unzerstörbarkeit.

An all das möchte die neue Honda Africa Twin nahtlos anknüpfen. Leistung ist auch heute nicht das Thema: 95 PS aus einem Liter Hubraum sind fast doppelt so viel wie 1988 beim Erstaufschlag, hauen heute aber keinen Wheelie-Akrobaten aus den Socken. Um Bestleistungen ging es Honda auch beim aktuellen Modell sicher nicht. Stattdessen soll die Africa Twin ein echter Allrounder für Straße und Gelände werden. Das bedeutet also Enduro-typische Bereifung mit 18 und 21 Zoll Radgröße, lange Federwege und ein schlankes Outfit.

Dreht zwar bereitwillig aus, bringt aber nichts

Von den Eckdaten her erscheint sie bieder, im Detail finden sich jedoch technische Schmankerl. Insgesamt 32 Patente hat Honda bei der Honda CRF 1000 L Africa Twin realisiert. Der Parallel-Twin besitzt eine Kurbelwelle mit 270 Grad Hubzapfenversatz, soll damit den Charakter eines 90-Grad-V-Motors bekommen. Und er steuert seine Ventile wie die Crosser über kompakte Unicam-Köpfe. Die Einlassventile werden also direkt über Tassenstößel betätigt, die Auslassventile über Gabelkipphebel. Zwei Ausgleichswellen sollen dafür sorgen, dass der Motor so sanft läuft wie die Erstausgabe.

So erinnern schon die ersten Meter bei der Präsentation in Südafrika nahe Kapstadt an die alte Kultmaschine. Butterweich und ganz sauber dosierbar läuft der Twin in allen Drehzahlbereichen. Schon knapp über Standgas liefert er ein solides Drehmomentplateau. Die Stärke ist sicher der mittlere Bereich. Er dreht zwar bereitwillig aus, bringt aber nichts. Oben gibt sich auch die moderne Honda Africa Twin zugeknöpft. Besonders sportlich ist diese Charakteristik jedenfalls nicht. Soll sie auch gar nicht sein, touristische Qualitäten im Alltag und auf Touren waren das vorrangige Ziel. Das Sechsganggetriebe und die leichtgängige Slipper/Assist-Kupplung arbeiten mit Honda-typischer Perfektion.

Alternativ steht eine DCT-Automatik-Version der Honda Africa Twin zur Wahl, die die Gänge seidenweich schaltet. Auch das Anfahren funktioniert deutlich besser als bei allen bisherigen DCT-Ausbaustufen. Die Schaltstrategie lässt sich über diverse Modi beeinflussen. Im manuellen Modus werden die Gänge über Schaltpaddel am linken Lenkerende gewechselt. Leider wiegt die DCT-Version beachtliche zehn Kilo mehr. Auch hat man immer den Eindruck, dass in der Doppelkupplung etwas Leistung veschwindet. Was möglicherweise auch daran liegt, dass die Gänge des DCT-Getriebes ein wenig länger übersetzt sind.

Zum Heizen verleitet die Africa Twin wirklich nicht

Für das Gewicht der Schaltversion gibt Honda 232 Kilogramm an. Kein Rekord, aber ein akzeptabler Wert. Zumal die Konstrukteure alle Register zogen, um die Massen um den Schwerpunkt zu versammeln. Das spürt man im Handling durchaus. Schon im Stand wirkt die CRF recht gut ausbalanciert. Auch hilft die trotz langer Federwege sehr gemäßigte Sitzhöhe. Bei niedrigen Geschwindigkeiten bewegt sich die Honda Africa Twin leichtfüßig und folgt exakt den Lenkwünschen des Fahres. Bei höheren Geschwindigkeiten braucht sie allerdings recht viel Kraft zum Einlenken, was an den Kreiselkräften des großen 21-Zoll-Vorderrads liegt. Typisch Enduro eben. Dazu gehören auch die langen Federwege, die viel Bewegung ins Fahrzeug bringen, aber auch für einen hervorragenden Fahrkomfort sorgen. Gabel und Federbein besitzen Einstellrädchen für die Dämpfung, ein paar Klicks bringen hier enorme Unterschiede. An der weichen Grundabstimmung der Federung ändert das natürlich nichts.

Für Touren also hervorragende Anlagen. Dazu kommt die bequeme Ergonomie, ein trotz kleiner Scheibe guter Windschutz. Und nicht zuletzt eine gute Reichweite: Mit „nur“ 19 Liter Tankinhalt sollen locker 400 Kilometer drin sein, sofern man sich am Gasgriff zurückhalten kann. Aber das sollte gelingen, denn zum Heizen verleitet die sanfte Honda Africa Twin nun wirklich nicht. Daher ist es auch kein ernsthafter Kritikpunkt, dass die Bremse nicht gerade den Biss eines Sportankers besitzt. Für eine Notbremsung muss man schon recht heftig am Hebel ziehen. Wer das schafft, kommt dann in den Genuss des gut regelnden Zweikanal-ABS, bei dem sich der hintere Kanal bei Bedarf abschalten lässt.

Offroad erstaunt die DCT-Getriebeautomatik

Womit wir im Gelände wären, dort macht das hinten deaktivierte ABS wirklich Sinn. Auch die etwas grob eingreifende, in drei Stufen variierbare Traktionskontrolle lässt sich dort abschalten. Für Ausflüge in unbefestigtes Terrain bringt die neu Honda Africa Twin die substanziellen Voraussetzungen mit: recht viel Bodenfreiheit, viel Federweg, ein gutes Lenkverhalten durch das schmale Vorderrad, ein großer Lenkeinschlag für verwinkelte Passagen und eine schlanke Sitz-Tank-Kombination.

Eine echte Überraschung ist im Gelände die DCT-Version der Honda Africa Twin. Dank automatischer Kupplungsbetätigung kann man den Motor nie abwürgen, der Leistungseingriff ist über den Gasgriff easy kontrollierbar. Ohne Schalten und Kuppeln tun sich selbst gestandene Gelände-Profis in schwierigen Passagen leichter. Ein Gravity-Schalter sorgt zudem dafür, dass die Automatik sich an Steigungen und Gefällen anpasst.

Fazit

Dass die Honda Africa Twin keine Sportmaschine ist, war eh klar. Als touristisches Abenteuerspielzeug kann sie hingegen auf ganzer Linie überzeugen. In jeder Faser ist ihr der Spirit der alten Kultmaschine anzumerken. Nach entbehrungsreichen Jahren für Fans der Marke kommt nun endlich wieder eine Maschine mit hervorragender Qualität bis ins Detail, der man rein gar nichts vorwerfen kann – eben eine echte Honda.

Aktuelle Gebrauchtangebote
 

Honda XRV 750 Africa Twin

06/1991
67.400 km

2.790 EUR Anfragen

Honda XRV 750 Africa Twin

04/1998
81.719 km

2.990 EUR Anfragen

Honda XRV 750 Africa Twin

05/1997
51.250 km

4.995 EUR Anfragen

Honda XRV 750 Africa Twin

04/1994
72.786 km

2.799 EUR Anfragen

Honda XL 1000 V Varadero

04/2004
8.193 km

4.950 EUR Anfragen

Honda XL 1000 V Varadero

03/2003
18.500 km

4.590 EUR Anfragen


WEITER ZU SEITE 2: Daten Honda Africa Twin

1 | 2 |     
12.01.2016 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

DIESEN ARTIKEL KOMMENTIEREN 


  • Marke

    Lade...

  • Modell

    Bitte Marke auswählen!

Führerscheintest
Gebrauchtmarkt
28900
 
Reifenmaße:
Geschwindigkeits-
index:
Reifenhersteller:
Reifentyp:

 

Honda XRV 750 Africa Twin BJ: 1991, 67400 KM
2790 €

Honda XRV 750 Africa Twin BJ: 1998, 81719 KM
2990 €

Honda XRV 750 Africa Twin BJ: 1994, 72786 KM
2799 €

Honda XRV 750 Africa Twin BJ: 1997, 51250 KM
4995 €

Newsletter

Bleiben Sie immer auf dem laufenden und abonnieren hier den MOTORRAD-Newsletter

MOTORRAD online
MOTORRAD action team

Vorschau
Abonnieren