Premiere Kawasaki Z 1000

Bisher fehlte es der Z 1000 an Biss. Nun stattet Kawasaki das Naked Bike mit einem größeren Motor aus und verspricht ein zum aggressiven Äußeren passendes Fahrverhalten. Mausert sich die Z zum Wolf im Wolfspelz?

Foto: Kawasaki
Mit leichtem Zähneknirschen räumte Kawasaki bei der Präsentation der Z 1000 im südspanischen Malaga ein, dass die bisherige Z-Baureihe womöglich nicht ganz die Zielgruppe erreicht haben könnte. Besonders die braven Charakterzüge enttäuschten die Fans, die sich angesichts der bulligen Optik mehr versprochen hatten. Das soll nun anders werden, Stichwort "Wolf im Wolfspelz". Mit ausschweifenden Worten versicherten die Grünen, dass die Neue stärker, enthusiastischer und besser fahrbar sei, ein Alltagsmotorrad, das in der Stadt wie auf der Landstraße richtig Spaß macht. Tatsächlich setzten Ingenieure und Designer alle Hebel in Bewegung, um die Z in ein völlig neues Motorrad zu verwandeln. Allein die Optik hebt sich von allem bisher Dagewesenen ab. Aggressiv, kantig, geduckt, mit filigranem Heck und bulliger Front brennt sich die Neue in die Netzhäute der potenziellen Käufergruppe. Endtopfdesign und Frontscheinwerfer fallen ebenso auf wie der wunderschöne, aus früheren Modellen wie der ZRX 1100 bekannte Exzenter zur Einstellung der Kettenspannung. Für Kunden mit dem Wunsch nach zusätzlicher Extravaganz hält Kawasaki eine Vielzahl an Accessoires sowie eine Variante mit Schlangenledersitzbezug (!) parat.

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Für den Wolf im Wolfspelz soll in erster Linie der neue Motor sorgen, der mit 1043 cm³ satte 90 cm³ größer ausfällt als das Vorgängermodell und besonders beim Hub deutlich zugelegt hat. Statt um 50,9 heben und senken sich die vier Kolben nun um 56 Millimeter, die Bohrung blieb mit 77 Millimetern dagegen nahezu unverändert. Lohn der Motorvergrößerung: 138 PS Spitzenleistung und 110 Nm Drehmoment.

Der Motor ist indes nicht die einzige Neukonstruktion: Auch der Rahmen wurde eigens für die Z entwickelt und beherbergt den Motor als tragendes Element. Kürzere Endtöpfe mit geringerem Volumen sowie eine geänderte Federbeinführung sollen die Massen zentralisieren und so das Handling verbessern.
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Soweit zur Theorie. Mit dem Druck auf den Startknopf verlieren die vollmundigen Versprechungen der Pressemappe ihre Bedeutung, nun muss die Z 1000 Modelljahr 2010 zeigen, was sie wirklich kann. Zuerst fällt die gelungene neue Ergonomie auf. Der Lenker ist breiter, höher und ein Stück weiter vorne positioniert als bisher und bringt den Piloten in eine entspannt-sportliche Körperhaltung. Die nicht einstellbaren Fußrasten passen ebenfalls und erlauben einen sportlichen Kniewinkel, der auch bei längeren Strecken nicht unbequem wird. Kupplung ziehen, der erste Gang rastet mit leichtem "Klong" ein, los geht‘s. Bereits bei niedrigen Drehzahlen tritt die Z selbstbewusst an und verwöhnt den Piloten beim Zug am Gas mit betörend-heiserem Kawa-Sound. Zumindest akustisch glaubt man ihr den Wolf auf Anhieb. Der Weg führt über eine zehn Kilometer lange Schnellstraßenetappe ins andalusische Hinterland. Dort wartet eine Unzahl kleiner winkeliger Bergsträßchen, auf denen die Z 1000 zeigen kann, wie viel von Meister Isegrimm wirklich in ihr steckt.
Foto: Kawasaki
Allerdings sind die Fahreindrücke mit Vorbehalt zu genießen. Im Gegensatz zu den Präsentationsmotorrädern, die ohne ABS und mit Dunlop-Reifen durch Südspanien pflügen, liefert Kawasaki in Deutschland ausschließlich Modelle mit ABS aus - die auf Pirelli Diablo Rosso rollen. Bleibt zu hoffen, dass die italienische Serienbereifung ähnlich gut funktioniert wie die Dunlops in Andalusien.
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Leichtfüßig und neutral lässt sich die Tausender in Schräglage werfen, hält brav die eingeschlagene Linie und bleibt auch beim Gasanlegen am Kurvenausgang auf Kurs. Nur bei derben Bodenwellen schaukelt sie sich in der Kurve etwas auf, vermutlich ein Zugeständnis an den 190er-Hinterreifen. Spätestens am Kurvenaus-gang ist dieser kleine Fauxpas wieder vergessen. Dort zeigt sich der neue Motor von seiner besten Seite, schiebt und drückt schon bei Teillast und niedrigen Drehzahlen vorwärts, dass es eine wahre Freude ist. 2000/min reichen, um mit ordentlich Schmalz aus den Ecken zu feuern. Neben dem größeren Motor sind vor allem das gegenüber dem Vorgängermodell rund 14 Kilogramm niedrigere Gesamtgewicht und die etwas kürzere Übersetzung für den Extrapunch verantwortlich. Wer dem Vierzylinder richtig die Sporen gibt, freut sich, dass das Z-Triebwerk ab 7000/min nochmal kräftig Kohlen nachlegt und vehement nach vorne marschiert. Da stört es auch nicht weiter, dass der Drehzahlmesser des rein digitalen und einstellbaren Cockpits etwas unübersichtlich geriet.
Foto: Kawasaki
Das Fahrwerk gefällt auf den ausgetrockneten Nebensträßchen ebenfalls. Sowohl die voll einstellbare Gabel als auch das in Zugstufe und Vorspannung justierbare Federbein sprechen gut an und bieten genügend Reserven für flottes Landstraßenblasen.

Fazit: Mit der Z 1000 steht 2010 ein extravagantes und sportliches Naked Bike bei den Händlern. Der neue, größere Motor verwöhnt mit viel Druck, macht auf der Landstraße richtig Spaß und klingt dazu noch toll. Handling und Fahrwerk können ebenfalls überzeugen. Ob das exzentrische Design beim Publikum ankommt, muss sich allerdings noch zeigen.
Foto: Kawasaki

Technische Daten

Antrieb:
Vierzylinder-Reihenmotor, 4 Ventile/Zylinder, 101,5 kW (138 PS) bei 9600/min, 110 Nm bei 7800/min, 1043 cm3, Bohrung/Hub: 77,0/ 56,0 mm, Verdichtung: 11,8:1, Zünd-/Einspritzanlage, 38-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung

Fahrwerk:
Leichtmetall-Brückenrahmen, Lenkkopfwinkel: 65,5 Grad, Nachlauf: 103 mm, Radstand: 1440 mm, Ø Gabelinnenrohr: 41 mm, Federweg v./h.: 120/138 mm

Räder und Bremsen:
Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17"/6.00 x 17", Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 190/50 ZR 17, 300-mm-Doppelscheibenbremse mit radial angeschlagenen Vierkolben-Festsätteln vorn, 250-mm-Einzelscheibenbremse mit Einkolben-Schwimmsattel hinten

Gewicht (trocken):
221 kg*, Tankinhalt: 15 Liter Super (davon Reserve: k. A.)

Grundpreis:

ca. 11000 Euro (zzgl. Nk)

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