15 Bilder

Das neue Naked-Bike von Kawasaki Premiere Kawasaki Z 800

Vorsicht, heiß! Mit der Z 800 schickt Kawasaki die jüngste Auflage der legendären Z-Reihe in den Ring. Seit jeher fahren nur ganz fiese Jungs eine "Zett" - definitiv ein Ruf, den es zu verteidigen gilt.

Sugomi! Nie gehört? Wir auch nicht. Kawasaki definiert diesen japanischen Begriff etwa mit „Kämpfernatur“ und „Charakterstärke“ und bezieht ihn bei der Präsentation stolz auf die brandneue Z 800. Bescheidenheit klingt anders. Ob die Grünen sich damit zu weit aus dem Fenster lehnen, wird sich gleich zeigen. Jedenfalls würden wir ihnen nach der Probefahrt nur ungern japanische Vokabeln wie „kawaii“ (niedlich), „dasai“ (uncool) oder gar „uzai“ (nervig) an den Kopf werfen!

Hier in Südfrankreich regnet es aber erst mal ohne Ende, die maximale Attacke muss warten. Dafür bietet das Mistwetter ausreichend Gelegenheit, das neue Design auf sich wirken zu lassen. Kantig, gedrungen, aggressiv, frontlastig: Mit jeder Baureihe erscheint die Z noch etwas fieser. Sämtliche Anbauteile formen die konsequente Linie: kleine, eckige Lampenmaske mit angriffslustig dreinblickenden Scheinwerfern, flacher, breiter Lenker, rassige Spiegel, bulliger Tank, kurzes, knackiges Heck inklusive Rücklicht im raffinierten Z-Design, gezackte seitliche Verkleidungsteile. Selbst das Muster des Sitzpolsters besteht aus lauter kleinen Z. Da mag das Ungetüm von Auspufftopf leider nicht so recht ins Bild passen. Immerhin bietet Kawasaki als Extra eine schlankere Tüte von Akrapovic. Unterm Strich gilt: Styling-Auftrag erfüllt, nix da „kawaii“!

Gemeinerweise schüttet es immer noch. Trotzdem geht’s los zu Fotoshooting und Testfahrt. Sie mag böse -aussehen, doch die Zett platziert ihren Piloten sehr bequem und dazu aktiv. Allerdings presst der Tank trotz seiner schmaleren Form die Beine noch immer etwas weit auseinander.

Von Monaco aus brettern wir durch das innerstädtische Tunnelgewirr zur Autobahn. Ziel: eine verwinkelte Küstenstraße der Côte d‘Azur. Die erste Zahlstelle naht, ankern. Hoppla, es dauert einige Zeit, bis die Bremse den Wasserfilm abgetragen hat und zu Werke geht. Das ist „uzai“! Im Trockenen arbeiten die Stopper zwar viel direkter, beißen allerdings noch immer etwas verhalten zu. Sportfahrer wünschen sich von der neuen Vierkolben-Anlage etwas mehr Biss, für ein Mittelklasse-Bike geht die Wirkung der Kawa-Bremse aber insgesamt in Ordnung. Zumal das ABS nun serienmäßig an Bord ist - im Gegensatz zur 750er davor.

Nicht nur die Bremsen und das Design sind neu, auch sonst drehte Kawasaki an jeder Schraube. Daher ist die Z 800 eher eine Neuentwicklung als eine modellgepflegte 750er. Im Zentrum steht - na klar - der Motor. Bei gleichem Hub erhielt der Vierling eine größere Bohrung (71,0 statt 68,4 mm). Macht imposante 806 Kubikzentimeter, 113 PS und 83 Nm. Die Laufbuchsen sind nun beschichtet und trotz des größeren Durchmessers gerieten die Kolben leichter. Um ihre Kühlung kümmern sich nun durchlassfreudigere Öldüsen. Ferner spendierten die Grünen der 800er ein neues Einspritzgehäuse mit größeren Drosselklappen, unterschiedlich lange Ansaugtrichter, voluminösere Einlasskanäle, robustere Ventilsitze (Einlass) und passten außerdem die Steuerzeiten an. All diese Maßnahmen sollen reichlich Druck aus dem Drehzahlkeller generieren. So weit die wichtigsten Änderungen am Triebwerk, weitere aufzuzählen, würde den Rahmen hier sprengen. Deshalb erzählen wir lieber von den kunstvoll geschwungenen, polierten Krümmern, die super aussehen und dazu einen weiteren Zweck erfüllen: Dank der Windungen geraten sie wunschgemäß lang, was laut Kawasaki ebenfalls Dampf aus dem Keller bringt.

Anzeige
Foto: Kawasaki

Und, wie marschiert die Zett? „Sugoi“ - großartig! Mittlerweile sind die Straßen trocken, Gas! Bereits ab Leerlaufdrehzahl zieht die 800er ruckfrei los, und bei -zirka 3500/min kommt gehörig Schwung in die Bude. Zusätzlichen Antritt liefert die um zwei Zähne kürzere Sekundärübersetzung. Bei rund 6000 Touren legt die Z noch einige Briketts nach und powert dann stramm bis kurz vor den fünfstelligen Bereich. Dort pausiert der Treibsatz etwas, um ab 10 500/min gleichmäßig, aber nicht mehr ganz so forsch Richtung Begrenzer zu jodeln. Wichtig: Sound wie Feeling lassen auch bei dieser Kawa niemanden kalt. Eher unauffällig ist dagegen die Gasannahme. Die 800er liefert zwar eine ordentliche Vorstellung, bricht aber diesbezüglich keine Rekorde. Und das Getriebe verlangt trotz diverser Modifikationen noch immer einen beherzten Schaltfuß.

Endlich Kurven, arigato, danke! Auf der Z 800 kommen erstmals die brand-aktuellen Dunlop D 214 (Sonderspezifikation „J“) zum Einsatz, die wunderbar funktionieren. Die Kawa bahnt sich sehr neutral und zielsicher ihren Weg durchs Geschlängel, auch das Handling geht für einen mit 231 Kilo leider unvermindert schweren Klotz in Ordnung. Allerdings bringt ein Bike-Tausch einiger Kollegen etwas andere Ergebnisse. Auf Bodenwellen in Schräglage stellen sich einige Z mehr auf als andere, auch in Sachen Handling und Zielgenauigkeit gibt es leichte Unterschiede. Der Reifenluftdruck stimmt, offenbar unterliegen Motorräder und/oder Reifen einer gewissen Serienstreuung. Dabei haben sich die Japaner mit dem Fahrwerk sehr viel Mühe gegeben: umfangreich verstärkter Haupt- und Heckrahmen, überarbeitete Federelemente, geänderte Geometrie.

Kawasaki bringt auch eine etwas abgespeckte, günstigere Variante mit der Bezeichnung „e version“. Mit 8595 Euro kostet sie 900 Euro weniger als die normale Z (9495 Euro). Die e version richtet sich an Nachwuchs-Sugomis zwischen 18 und 24 Jahren sowie an kostenbewusste Sugomis. Offen leistet diese Kawa 96 PS, nur sie lässt sich auf 48 PS drosseln und entspricht den neuen, ab 19. Januar 2013 geltenden Richtlinien für den A2-Führerschein. Sayonara!

Anzeige
Foto: Kawasaki

Technische Daten / PS-Urteil

Technische Daten

Antrieb
Vierzylinder-Reihenmotor, 4 Ventile/Zylinder, 83 kW (113 PS) bei 10 200/min*, 83 Nm bei 8000/min*, 806 cm3, Bohrung/Hub: 71,0/50,9 mm, Verdichtung: 11,9:1, Zünd-/Einspritzanlage, 34-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbad-Kupplung, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk
Stahl-Brückenrahmen, Lenkkopf-winkel: 66 Grad, Nachlauf: 98 mm, Radstand: 1445 mm, Ø Gabelinnenrohr: 41 mm, Federweg v./h.: 120/137 mm

Räder und Bremsen
Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17/5.50 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, 310-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 250-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten, ABS

Gewicht (vollgetankt)
231 kg*, Tankinhalt: 17,0 Liter Super

Grundpreis
9495 Euro (e version: 8595 Euro) (jeweils zzgl. NK)*

PS-Urteil

Eindeutig Sugomi! Vor allem das -Styling der Z 800 steht für Kampf und Charakter. Auch die Power des aufgebohrten 750er-Triebwerks macht an. Sportfahrer wünschen sich lediglich etwas schärfere Bremsen. Außerdem ist die Kawasaki mit über 230 Kilo bleischwer und die Serienstreuung überrascht etwas. Dennoch wird die Zett bei den Mittelklasse-Nakeds ganz vorne mitmischen.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel