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Premiere: Yamaha Vmax 200-PS-Vmax

Jetzt ist es passiert, nach Jahren des politisch korrekten "Nö-Niemals": Mit der Yamaha Vmax reißt der erste Hersteller die 200-PS-Marke im Serientrimm. Jubelschreie hier, wildes Entsetzen da – lassen wir die Drehmomentwelle über uns schwappen.

Foto: Yamaha

200-PS-Vmax

Diese Chance hat sich Yamaha blöderweise entgehen lassen. Da stellen uns die Japaner ein Motorrad-Monument mit sensationellen Leistungsdaten vor die Nase, erzählen von Dragster-Genen und sprechen im Zusammenhang mit der Vmax-Entwicklung vom Projekt "Beschleunigung". Aber statt die versammelt sabbernde Journalistenbrut auf einem Dragstrip hier in den USA diese Beschleunigung im Mann-gegen-Mann-Versuch erleben zu lassen, schicken sie uns auf streng tempolimitierte Straßen. Das´ist ein bisschen wie die Erprobung von Tiefseetauchgeräten im Nichtschwimmerbecken. Sind sie vor ihrem eigenen Produkt jetzt gar erschrocken? Wir wären aber nicht wir oder einfach nicht ganz bei Trost, würden wir die Vmax nicht trotzdem von der Leine lassen. Flache Straße, Augen auf, no cops around, Hahn auf. Yiiiieeeepy-ei-yeah! Das Erlebnis Vmax verdichtet sich auf diesen Motor: Vierzylinder-V, mattschwarz, 1679 cm³ im Wasserwerk, 200 PS, 166 Nm, gepaart mit Hightech: YCC-I (längenvariable Ansaugtrichterwie bei R6 und R1) und YCC-T (das Yamaha-Drive-by-wire-System).

Sogar rote Ampeln machen da Appetit. Bei gezogener Kupplung für den Blitzstart schon mal genug Gas anzulegen, ist eine echte Show. In den umherstehenden Autos dreht alles den Kopf, sogar die Typen in ihren V8-Dodge. Bassig grollend macht sich der V4 für die Vollstreckung bereit. Grün: Kupplung mit Gefühl einschleifen lassen, beherzt den rechten Griff nach hinten drehen und tschüss – mit einem sensationellen Geräusch, ganz hoch pfeifend, herzerfrischend. Ein Blick in den Rückspiegel bringt Gewissheit, der lange schwarze Strich auf der Straße liefert den Beweis: Die pure Kraft hat das Hinterrad einfach durchdrehen lassen. Brächte die Vmax keine satten 310 kg auf die Waage, die sie sehr vorderradlastig verteilt, und hätte sie mit 1700 mm keinen ultralangen Radstand, drohte bei so einer Nummer jedesmal der finale Salto Mortale. Tut er aber nicht. Stattdessen geht es weiter vehement vorwärts, lassen sich die sauber flutschenden Gänge reindrücken und dieser mächtige Vortrieb genießen. Brachial wird der ab 4000/min. Bei etwa 6000/min scheint die Vmax Einfluss auf die Plattentektonik zu nehmen und damit Erdbeben heraufbeschwören zu können. Da krallen sich die Finger besser ganz fest um den recht schmalen und hoch aufragenden Lenker. Bei 220 km/h ist übrigens gewollt elektronisch Schluss, das Vmax-Erleben liegt eben nicht im Topspeed.
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Foto: Yamaha

Laufkultur, Fahrwerk, Motor

Die Laufkultur ist beeindruckend. Das Triebwerk, jetzt mit 65 statt wie bei der alten Vmax mit 70 Grad Zylinderwinkel und kleineren Maßen noch kompakter, gibt sich erstaunlich drehfreudig. Harmonisch geht es durch die Drehzahlen nach oben. Dabei vibriert der V4 verblüffend moderat. Schön direkt nimmt der Motor das Gas an. Auch der Kardan operiert unauffällig, ohne großes Ruckeln. Nur mit Müh und Not bremsen das schlechte Gewissen und die Angst vor Dirty Harry im Highway Patrol Chevy den Fahrer ein. Tja, die USA, land of the free, – so frei ist man hier dann doch wieder nicht. Aber in den Hügeln von Kalifornien gibt es auch kurvige Straßen, wo andere Tugenden zählen. Damit hat die Vmax allerdings so ihre Schwierigkeiten. Das hat nicht nur mit der etwas inaktiven Sitzposition im Power-Cruiser-Stil und der früh durch die Rasten limitierten Schräglagenfreiheit zu tun. Lang gezogene Bögen, die mit sattem Zug gefahren werden, bringen die Vmax allzu leicht ins Pendeln. Voll einstellbares Federbein hin oder her, selbst ordentlich gehärtet schwänzelte die Yamaha weiterhin um solche Kurven. Schuld daran dürfte aber nicht allein das Federbein sein, auch der 200er-Schlappen hinten trägt neben dem Gewicht dazu bei. Wenn die Kurven dagegen sehr eng ausfallen und langsam genommen werden müssen, zeigt sich ein anderes Phänomen: Die mächtige 52-mm-Telegabel lenkt einfach von selbst mit ein, was die Vmax deutlich fühlbar nach innen fallen lässt. Vermutlich spielt der große Nachlauf von 148 mm da eine Rolle.

Insgesamt ist die Vmax jedenfalls kein Handling-Wunder, aber gemessen an ihrem hohen Gewicht erledigt sie ihre Sache dann doch ganz ordentlich. Tadellos funktionieren die Bremsen, die sich sehr gut dosieren lassen und prima verzögern. Außerdem ist es beruhigend, dass so ein Mammut über ein ABS verfügt. Fazit: Der Motor der Vmax ist eine große Nummer. So viel Druck – unlimitiert, wie uns versichert wurde – hat kein anderes Motorrad. Diesen in ein Chassis zu stecken, das auch noch tadellos funktioniert, hat nicht ganz geklappt. Trotzdem wird die neue Vmax zweifelsfrei ein Kultbike: 1100 sind in Europa schon verkauft.
Technische Daten Yamaha Vmax
Antrieb Vierylinder-V-Motor, 4 Ventile/Zylinder, 147,2 kW (200 PS) bei 9000/min*, 167 Nm bei 6500/min*, 1679 cm³, Bohrung/Hub: 90,0/66,0 mm, Verdichtung: 11,3:1, Zünd-/Einspritzanlage, 48-mm-Drosselklappen, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, 5-Gang-Getriebe, G-Kat
Fahrwerk Leichtmetall-Brückenrahmen, Lenkkopfwinkel: 59,0 Grad, Nachlauf: 148 mm, Radstand: 1700 mm, Ø Gabelinnenrohr: 52 mm, Federweg v./h.: 120/110 mm
Räder und Bremsen Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 18"/6.00 x 18", Reifen vorn: 120/70 R 18, hinten: 200/50 R 18, 320-mm-Doppelscheibenbremse mit Sechskolben-Festsätteln vorn, 298-mm-Einzelscheibenbremse mit Einkolben-Schwimmsattel hinten, ABS
Gewicht (vollgetankt) 310 kg*, Tankinhalt: 15 Liter Super (davon Reserve: k. A.)
Grundpreis 19750 Euro (zzgl. Nk)

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