Premiere Yamaha YZF-R1 + Videos MotoGP-Technik im Serienbau

Für die Yamaha YZF-R1, Baujahr 2009, Modellcode RN22 geben die PR-Strategen den Slogan "Born from MotoGP" aus. Wir haben ausprobiert, was dahintersteckt.

Foto: Yamaha

Der Brüller

Seit die Yamaha YZF-R1 vor 11 Jahren die 1000-cm³-Superbike-Klasse betrat, ist eine Menge mit ihr passiert: 2002 die Umstellung auf Einspritzung, 2007 verschwand die charakteristische Fünfventiltechnik. Dafür gibt es seither variable Ansaugtrichter-Längen (YCC-I) und einen elektronischen Gasgriff (YCC-T).

So überzogen ist der Verweis auf den MotoGP für die 2009er-R1 nicht, denn ihr Motor hat direkte Anleihen bei Valentino Rossis Arbeitsgerät genommen: eine Kurbelwelle mit 90 Grad Hubzapfenversatz.

Die Aufregung beginnt bei der Hörprobe an der Boxenmauer: Die Yamaha YZF-R1 brüllt deutlich tiefer als ihre Konkurrenten aus Japan und lässt die Erwartungen erheblich in die Höhe schnellen.
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Foto: Yamaha

Leistungsentfaltung, Handling

Was der Fahrer im Sattel erlebt, begeistert: Den Ingenieuren ist es mit der neuartigen Zündfolge und anderen Handgriffen gelungen, den Leistungsverlauf der Yamaha YZF-R1 völlig umzukrempeln und viel harmonischer zu machen: Der Motor drückt schon ab knapp über Standgas kräftig an und entfaltet seine Leistung über das gesamte Drehzahlband sehr linear.

Drei Kennfelder hält die Motorsteuerung bereit: Der Standard-Modus ist der Allrounder, der immer und überall Leistung bereitstellt. Modus A reagiert etwas schärfer, kappt dafür ein paar PS in der Spitze. In Modus B setzt das Gas spürbar sanfter ein.

In jedem Fall hängt der Motor sehr direkt am Gas, was es spielerisch leicht erscheinen lässt, die R1 zu kontrollieren. Beim Gasanlegen im Kurvenscheitel ruckelt nichts, und keine Verzögerung spielt mit den Nerven. Der Fahrer hat es buchstäblich in der Hand und muss sich nicht von einer wie auch immer gearteten Motorcharakteristik überraschen lassen.

Kernig läuft das neue 182-PS-Aggregat; die mechanischen Geräusche aus dem Herzstück machen Laune. Nach jedem Schaltvorgang mit dem unauffälligen Getriebe brüllt die R1 ein Lied, das deutlich an MotoGP-Übertragungen erinnert.

Die Yamaha YZF-R1 hat aber weitere Qualitäten gewonnen. Das 2009er-Modell erhielt an Chassis und Fahrwerk eine umfassende Frischzellenkur. Der Deltabox-Rahmen ist in Form und Größe praktisch neu. Dazu sank der 18-Liter-Tank hinter den Motor fast bis hinab zum Schwingenlager. Der Motor selbst rutschte 12 Millimeter nach unten, und das Federbein mit Hebelanlenkung wurde neu plaziert.

Dadurch liegt der Schwerpunkt der Yamaha YZF-R1 tiefer, was sie agiler macht. Kinderleicht und präzise lässt sie sich von einer Kurve in die nächste legen. Den Eindruck, auf einer 600er und nicht auf einer 1000er zu sitzen, förderte die kompakte, dennoch relativ bequeme Sitzhaltung.
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Foto: Yamaha

Fahrwerk und Bremsen

Das Fahren auf der Yamaha YZF-R1 ist stark nach vorn orientiert, das Gefühl fürs Vorderrad deshalb eindeutig. Druck- und Zugstufen-Dämpfung der 43-mm-Gabel sind auf die Gabelholme aufgeteilt.

Die Gabel spricht sehr sensibel an, was besonders in der superschnellen Vierter-Gang-Links nach Start/Ziel deutlich wird: Trotz feiner, fieser Bodenwellen in voller Schräglage bleibt das Motorrad auf Kurs.

Auch beim scharfen Bremsen bleibt die Yamaha YZF-R1 stabil, wozu die Anti-Hopping-Kupplung ihren Teil beiträgt. Zwar ruckelt der Antriebsstrang vor den engen Erster-Gang-Kehren leicht, aber selbst schonungsloses Einkuppeln provoziert kein Stempeln.

Das Gefühl fürs Fahrzeugheck ist ausgezeichnet. Kleinste Rutscher kündigen sich deutlich an und sind sehr gut beherrschbar. Das Federbein mit getrennter High- und Lowspeed-Einstellung der Druckstufendämpfung hydraulisch variabler Federbasis leistet gute Dienste.

Der neue Hebelmechanismus der Bremspumpe soll die Dosierbarkeit der vorderen Stopper optimieren. Tatsächlich gelingt das sehr gut, der erste Druck ermöglicht sanften Bremseinsatz. Besonders Einfinger-Anbremser können fein dosiert weit in die Kurve hinein verzögern, ohne mehr Finger dazu nehmen zu müssen. Bei erhöhtem Druck packt die Bremse dann sehr bissig zu.

Einziger Kritikpunkt an der Yamaha YZF-R1: Der elektronisch geregelte Lenkungsdämpfer stemmt sich das eine oder andere Mal etwas zu lasch gegen das leicht werdende Vorderrad.
Foto: Yamaha

Fazit

Fazit: Die 2009er-Yamaha YZF-R1 ist wohl der größte Wurf dieses Herstellers seit es die 1-Liter-Superbikes gibt. Der riesige technische Aufwand wird sich sicher beim Verkauf auszahlen. In Sachen Performance und Emotion hat er das bereits.
Technische Daten
Antrieb Vierzylinder-Reihenmotor, 4 Ventile/Zylinder, 134 kW (182 PS) bei 12 500/min*, 116 Nm bei 10 000/min*, 998 cm³, Bohrung/Hub: 78,0/52,2 mm, Verdichtung: 12,7:1, Zünd-/Einspritzanlage, 42-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbad-Anti-Hopping-Kupplung, G-Kat
Fahrwerk Leichtmetall-Brückenrahmen, Lenkkopfwinkel: 66 Grad, Nachlauf: 102 mm, Radstand: 1415 mm, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm, Federweg v./h.: 120/120 mm
Räder und Bremsen Leichtmetall-Gussräder, 3,50 x 17"/6.00 x 17", Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 190/55 ZR 17, 310-mm-Doppelscheibenbremse mit radial angeschlagenen Sechskolben-Festsätteln vorn, 220-mm-Einzelscheibenbremse mit Einkolben-Schwimmsattel hinten
Gewicht 206 kg*, Tankinhalt: 18 Liter
Super (davon Reserve: k. A.)
Grundpreis 14895 Euro (zzgl. Nk)
*Werksangabe

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