Problem los

Von Gert Thöle; Fotos: Markus Jahn

Warum nicht gleich so? Da setzt die ganze Offroad-Welt seit Jahren auf Keihin-Vergaser, nur Husqvarna wagte mit Mikuni einen Alleingang in der Gemischversorgung ihrer viertaktenden Sportmodelle. Mit mäßigem Erfolg, denn die Mikunis erwiesen sich als ausgesprochen heikel in der Abstimmung. Jetzt endlich haben sich die Italiener entschlossen, sämtliche Viertakter des Modelljahres 2005 auf die unproblematischen Keihin-Teile umzurüsten.
Und das zahlt sich aus. Alle drei Hubraumkategorien – 250er, 450er und 510er – profitieren vom Lieferantenwechsel. Speziell die ehemals Furcht erregende 510er ist nicht wiederzuerkennen. Kaum zu glauben, dass sich ein Saulus so einfach
zum Paulus bekehren lässt. Beinahe sanft hängt der einst so ruppige Motor nun am Gas, nimmt beim Lastwechsel bestens kontrollierbar die Arbeit auf. Sicher, Leistung ist immer noch mehr als genug vorhanden, doch sie verliert ihren Schrecken. Was allerdings nicht allein an der Gemischaufbereitung liegt. Husqvarna hat dem Triebwerk unter anderem neue Einlass-Nockenwellen und eine Zündanlage mit Gangerkennung spendiert. Nur mit dem Anspringen gibt es kleinere Probleme. Irgendwann schafft es der E-Starter zwar, den Motor zum Leben zu erwecken, aber meist nicht sofort.
Die beiden kleineren Modelle wurden ebenfalls von den früheren Schluckauf-Symptomen im Teillastbereich befreit. Die Dellen und Einbrüche im Leistungsverlauf sind passé. Speziell für den Enduro-Einsatz eignen sich die drei Husky-Viertak-
ter optimal, da sie sanft einsetzen und ausreichend Schwungmasse besitzen. Man muss nicht unbedingt Anders Eriksson
heißen, um die Leistung auf den Boden zu bringen. Die Cross-Versionen profitieren
in ähnlicher Weise von der Modellpflege. Wobei sich Profis bei der TC 250 ebenso wie bei der TC 450 ein bisschen mehr Spritzigkeit wünschen würden.
Am Chassis haben die Italiener auch gearbeitet. Alle Viertaktmodelle besitzen nun die schlankere Tank-Sitz-Kombina-
tion des Sondermodells Centennial, eine neu abgestimmte Federung und modi-
fizierte Bremsen. Die bekannten Stärken des Husqvarna-Fahrwerks blieben erhalten. Traktion heißt das Zauberwort, dabei macht den Italienern niemand etwas
vor. Beim Beschleunigen aus Spitzkehren scheint eine mächtige Faust die Huskies auf den Boden zu drücken. Das bringt dort noch Schub, wo andere mit durchdrehendem oder auskeilendem Hinterrad kämpfen. Dazu kommt eine außerordentliche Stabilität und Neutralität. Dass die Handlichkeit nicht überragend ist, werden nur aggressive Cross-Spezialisten monieren.
Mit den neuen Modellen hat Husqvarna allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Überhaupt scheint eine Euphoriewelle die Firma erfasst zu haben, nachdem die Kooperation zwischen dem Mutterkonzern MV Agusta und dem malaysischen Staatskonzern Proton bestätigt wurde.
Damit sollen sowohl die Lieferfähigkeit der Neumaschinen wie auch die Ersatzteilversorgung gesichert sein.

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