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Racebike: BMR Kawasaki ZX-6R Blitzsauber, blitzschnell

Die IDM-Krone 2007 verbrieft, dass das BMR-Racing-Team was vom gekonnten Aufbau einer Supersport-Kawasaki versteht. Auch 2008 startete das Team erfolgreich in der IDM und brachte für den Tuner-GP eine daran angelehnte, blitzsauber gemachte ZX-6R mit. So 'ne Kawa macht einfach Spaß.

Foto: Jahn

BMR Kawasaki ZX-6R

Vielleicht sind die Kollegen da abgebrühter. Mich jedenfalls befällt immer noch ein gewaltiges Kribbeln, wenn ich um ein reinrassiges Rennmotorrad herumschleiche. Draufsitzen zu dürfen hat etwas vom Gefühl am Tag der Einschulung. Damit fahren? Boah, Ritterschlag! Dann stehst du an der Boxenausfahrt, und die Gefühle spielen verrückt. So geht es mir auch auf der BMR-Kawasaki ZX-6R beim vergangenen PS-Tuner-GP. Mit dem direkten Derivat von Sébastien Diss' IDM-Kampf-Ninja unterm Hintern mache ich mir bewusst, auf was ich da sitze. Kein Platz für Schnickschnack, kein Bedarf an Bequemlichkeit. Das Showa- Fahrwerk ist steinhart, das Sitzpolster sowieso. Die schmalen Stummel von Lucas ziehen dich weit nach unten, und die Rastenanlage aus demselben Haus drückt dir die Knie nach oben. Wen wundert's – es fährt auch niemand mit einem Zerstörer zum Angeln. Da schluckt man schon mal.

Draußen auf der Strecke ist die Gefühlswelt dann ganz schnell eine andere. "Geil" ist abgedroschen, "wunderbar" trifft es nicht annähernd, und von "unbeschreiblich" hat keiner etwas. Es ist jedenfalls ein Freudenfest – Runde um Runde. Weil hier alles seinen kompromisslosen Sinn erhält, spür- und erfahrbar für jeden halbwegs sportbegeisterten Fahrertyp. Das fängt bei der BMR mit dem tadellos funktionierenden Tellert-Schaltautomaten an: Ein leichter Wackler mit dem Zeh, und die Grüne macht den nächsten Satz vorwärts. Das straffe Fahrwerk liefert ein glasklares Feedback. Die Seriengabel mit der Showa-Cartridge lässt den Fahrer nie im Ungewissen, was das Vorderrad gerade tut und noch alles tun könnte. Fein spricht sie in der Parabolika auf die leichten Wellen an, kompromisslos stemmt sie sich gegen die Bremsattacke vor der Spitzkehre. Dass BMR auf teure Zubehör-Bremspumpen verzichtet hat, auch bei den Sätteln auf die Serie vertraut, ändert nichts an der sauberen Verzögerung. Lucas-CRQ-Beläge beißen in Lucas-Wave-Scheiben. Und sollte der Druckpunkt dennoch wandern, kann mit Hilfe der neuen Pazzo-Fernverstellung selbst bei engagiertem Ritt problemlos nachjustiert werden.

Ich musste das nicht, sondern durfte eine sehr bremsstabile ZX-6R – toll, die Serien-Anti-Hopping-Kupplung – ausführen, die satt in der Kurve liegt und sich im Vergleich zur Serie mit minimalem Widerstand auf andere Linien ziehen lässt. Der Spruch vom Kinderspiel drängt sich beim Handling der nur 167 kg schweren Kawa auf. Den Charakter des 600ers konnten die BMR-Jungs freilich nicht umkrempeln. Er liebt die Drehzahlen jenseits der 10000/min. Trotzdem zeigen das hauseigene Tuning, die Kawasaki-Kit-Teile (Nockenwelle, ECU) und die Bodis-Titan-Anlage deutlich Wirkung. In mittleren Drehzahlen geht da schon etwas und im fünfstelligen Bereich die sprichwörtliche Post ab. Nach etlichen Hockenheim-Runden ist dann leider Schluss. Vielleicht ist "geil" doch nicht so blöd? Echt obergeil.

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