Racebike: Bretter-Suzuki B-Race Rennbike-Umbau Suzuki B-King

Um aus einer B-King ein Rennmotorrad zu machen, muss man schon ein bisschen verrückt sein - und etwas von Motorrädern verstehen. Bretters Zweiradshop stellte sich der Herausforderung und formte aus der Suzuki B-King die B-Race.

Foto: JKuenstle.de

Dass helle Farben nicht schlank machen, ist dieser Suzuki B-King völlig egal. Provozierend breit belegt sie gleich zwei Motorrad-Stellplätze in Hockenheims TunerGP-Box. Das Ungeheuer wartet auf den Auftritt im Circus Maximus, mögen die Spiele beginnen. Endlich geht‘s auf die Strecke - laut Stallorder Bretter „zwei Runden langsam angehen“, um die Eigenheiten seiner Version der B-King kennenzulernen.

Rechts und links fliegen die Kampfwilligen mächtig beschleunigt vorbei. Alles easy - auf dem B-Race genannten Feger regiert ein erhabenes Gefühl. Alles sitzt an seinem Platz, der Pilot aufrecht, aber sportlich, „im“ Motorrad, bereit zum Angriff.

Der ist längst überfällig, das gesamte Feld der PS-Treiber ist bereits das zweite Mal vorbeigeflogen. Auf Start/Ziel gilt es: Ich straffe den Gaszug. Ein tiefes Grollen des 1400er-Motors, entlassen durch die stylischen Carbon-Endschalldämpfer, signalisiert Attacke. Mächtig schiebt die B-Race an. Das Vorderrad steigt augenblicklich, und ich feuere die Gänge mit Hilfe des verbauten Schaltautomaten durch. Dieser ist auf 60 Hundertstel eingestellt und lässt die Zahnräder sanft, exakt und schnell ineinander gleiten. Das Vorderrad ragt dann auch noch kurz vor der Kurve sauber gen Himmel.

Um nicht gleich in der ersten fliegenden Runde in der Tribüne einzuschlagen, setze ich es lieber ab und ankere, was das Zeug hält. Nicht zu fassen: Abwinkeln geht fast von alleine - und schon bin ich an der Meute dran. Zwei Kurven weiter lauert die „Parabolica“. Für maximalen Vortrieb und minimalste Wheelie-Neigung setze ich mich weit nach vorn und flute die durch zwei „Powercomander V“ optimal gefüllten Zylinder. Jetzt zeigt die B-Race wirklich ihr barbarisches Potenzial. In Windeseile passiere ich in dieser endlos langen Vollgas-Kurve unzählige, nun erschrockene Mitstreiter. Trotz Schräglage zeigt der Tacho unglaubliche 298 km/h an, denn dank Bretters Händchen dreht die Suzuki im letzen Gang sauber in den Begrenzer. Nach dem Motto „wer später bremst, ist länger schnell“ harre ich noch kurz bei Vollgas aus, dann kommt der „Fallschirmtrick“. Bei einem Bike ohne Verkleidung und einem vollschlanken Piloten heißt das: aufrichten und dem Tornado der Kategorie 7 trotzen. Dabei wird vorn selbstverständlich gnadenlos gebremst, vier Gänge zurück gesteppt, Kupplung raus, Fußbremse leicht angelegt und die rechte Raste belastet. Jetzt steht die Kiste wunderbar quer und vernichtet in wenigen Augenblicken die gesamte Energie von fast 300 km/h. Die Anti-Hopping-Kupplung regelt sauber das Hinterrad ein. Durch den Drift ist am Scheitelpunkt der 180-Grad-Kehre bereits ein Großteil vom Kurvenradius gefahren. Mit einsetzendem Bretters-B-Race-Schub geht’s Richtung Mercedes-Tribüne.

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Foto: Bilski

Gerne würde ich sie, liebe Leser, noch auf den Rest des Turns mitnehmen - aber der Platz... Deshalb komprimiert die Highlights des Bikes: Klaus Bretters B-Race ist eines der erstaunlichsten Bikes, die ich je gefahren habe. Race-Action ohne große Grenzen, die man hinter -einer optisch eher unsportlichen B-King nie vermutet. Möglich durch exzellentes Tuning, denn das Bike kennt auch fahrwerkstechnisch keine Schwächen. Die Gabel wurde durch Öhlins-Cartridge verfeinert. Hinten leistet der Öhlins-Dämpfer geniale Dienste. Die Bremsanlage wurde durch Braking-Armaturen  und LSL-Hebel verbessert. Braking-Wave- Scheiben und Beläge ergänzen das Ganze zu einem standfesten und verlässlichen Partner. Selbst der LSL-Lenker und -Vorbau wurden durch Madenschrauben verbessert, um den enormen Kräften entgegenzuwirken. Perfektioniert wird das Bike durch die aufgezogenen Conti-Slicks. Das Laufbild ist auch nach langen Drifts homogen. Der 60er-Querschnitt des Hinterreifens beruhigt das Bike und gibt ihm obendrein mehr Schräglagenfreiheit. Die Airbox wurde umgebaut und ein K&N-Luftfilter eingepasst. Die nötigen Änderungen der Einspritzung wurden durch zwei Powercomander „V“ realisiert. Auch hier hat das Bretter-Team mit großem Knowhow dem sonst serienbelassenen Motor richtig Leistungszuwachs verpasst und, das ist das wichtigste, fahrbar bereitgestellt. Vollendet wird das Bike mit einem handgefertigten Edelstahl-Auspuffzwischenstück, um die Endschalldämpfer zu integrieren - die optische Befreiung der B-King. Unterstützt wird der Look durch einen Bugspoiler und die aggressive Farbe. Hell macht eben nicht schlank. Aber dieses Orange ist eine unverblümte Drohung: B(retters)-King darf den Titel „Race“ mit Stolz tragen.

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