Racebike Hertrampf B-King Hertrampf B-King

Die Interpretationen des Begriffs "Racebike" klaffen beim Tuner-GP 2008 weit auseinander: Während die rennsporterprobte Truppe von Kalex mit der neuesten Ausbaustufe ihres vollverkabelten Handwerksstücks anrücken, setzt Hertrampf Racing auf ein recht seriennahes B-King-Konzept.

Foto: Jahn

Hertrampf B-King

Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit untermotorisierten Zweirädern und der Tyrannei langweiliger Japaner. Gesegnet seien die Wuchtbrummen, die im Namen der Barmherzigkeit die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleiten. Ich will große Rachetaten vollführen an denen, die da versuchen, meine Brüder zu überholen. Und mit Grimm werde ich sie auf der nächsten Geraden strafen, auf dass sie erfahren: Ich bin der Herr, wenn ich mit meinem 200er-Schlappen die Rache an ihnen vollstrecke.“ Altes Suziment, B-King 3.45.

Am Anfang schuf der Herr Himmel und Erde. Direkt danach könnte er sich die B-King von Suzukidealer Hertrampf überlegt haben: Der eigentlich normal große Scheinwerfer wirkt kümmerlich vor diesem Ungetüm aus Tank und angedeuteten Lufthutzen. Kühler und Gabelbrücke scheinen für die Ewigkeit gebaut. Nur das Heck ist schlank; Akrapovic sei Dank. Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum. Getreu diesem Macho-Spruch aus der guten alten Zeit, als der Sprit noch billig und die Männer noch langhaarig waren, erhöhte Denis Hertrampf den Hubraum auf 1440 cm³ und verpasste dem aus der Hayabusa stammenden Triebwerk scharfe Nockenwellen. Der Saugmotor stemmt 200,1 PS; genauso Armageddon-mäßig ist das Drehmoment, das in der Spitze bei 160 Nm liegt und zwischen 4000 und 10 000/min nie unter 140 fällt.
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Foto: Jahn

Optik und Manieren

Von der Optik her eigentlich unfahrbar, erfreut die Suzuki mit einer durchaus gefälligen Handlichkeit. Leider sind die serienmäßig montierten Dunlop Qualifier keine glückliche Wahl für dieses Aggregat, das jederzeit versucht, seinen Reiter in eine erdnahe Umlaufbahn zu drücken. Im kalten Zustand bewegt man sich auf den sprichwörtlich rohen Eiern und liegt schnell im Grün – der Autor spricht da aus Erfahrung; sorry, liebe Allianz. Im warmen Zustand bessert sich das Verhalten nur bedingt: Auf die kleinsten Versuche, würdig aus den Ecken zu feuern, malt der Hinterreifen Hilferufe in den Asphalt. Das ABS winselt Ende der Parabolika um Gnade und pumpt mit dem Hebel. Ausgangs der Kehre taucht das wahre B-King Land in Form einer Geraden auf: Wer hier mutig vollen Schub befiehlt, kann auch dem letzten Superbike-Piloten zeigen, wo der Hammer hängt. Eine Dragbar hätte ihre Daseinsberechtigung bei diesem Tier, das einzig und allein auf Druck ausgelegt ist. Nach so einem Ritt ist man froh, lebend die Boxengasse erreicht zu haben. Hosianna!

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