Racebike: Hertrampf-Ducati 1098R Schwarz-Gold

Diese Ducati 1098R von HPC-Power ist so edel, dass sie nicht einmal mit Schweizer Schwarzgeld zu kaufen wäre. Nein, sie ließe sich höchstens, wenn überhaupt, mit Schwarzgold aufwiegen.

Foto: Fact

Der Kunde ist König. Zumindest bei HPC-Power, der Tuning-Sparte des Nordhorner Motorrad-Imperiums in dessen Epizentrum die Hertrampfs wirken. Und jener König, der diese edle Ducati 1098R sein eigen nennt, hatte dem Kopf der Tuner-Bande exakt zwei Bedingungen gestellt. Erstens: Er will ein Motorrad, das eine Traktionskontrolle besitzt, um sich nicht mehr mit Highsidern beschäftigen zu müssen. Und zweitens: Die neue Rakete musste schneller sein, als die bereits in der Garage lauernde MV Agusta F4.
Heute wäre die logische Konsequenz, dem Kunden eine BMW S 1000 RR zu verkaufen - ging zur Geburtsstunde des Projekts allerdings nicht. Die BMW gab es damals noch nicht. Außerdem gefallen dem Kunden Motorräder italienischer Herkunft, deswegen wäre die S 1000 RR sowieso keine Option.

Mit der Ducati 1098R griff sich Denis Hertrampf eine bereits edle Basis. Um den Wünschen des Kunden noch gerechter zu werden, legte er kräftig Hand an. Da das hauseigene IDM-Team Ducati-Motorräder einsetzt, flossen viele der im Rennbetrieb gewonnenen Erfahrung in dieses Projekt mit ein. So legt er beim Aufbau des Twins allergrößten Wert auf die Ausdistanzierung der Kurbel- und Getriebewellen. Hintergrund: Wer das vernachlässigt, riskiert defekte Kurbelgehäuse. Die restlichen Tuner-Eingriffe entstammen dem ABC allgemeingültiger Tuningregeln: Reduzierung der inneren Reibung, Erhöhung der Verdichtung, größere Ram-Air-Kanäle, dickere Krümmerdurchmesser und natürlich die Anpassung der Einspritzanlage. Letztere arbeitet mit einer Superstock-Kit-ECU und einem Dynojet-Power-Commander, die fein aufeinander abgestimmt sind. (Zum Zeitpunkt des Tests beim PS-TunerGP 2009 standen kurze Ansaugtrichter und hausgemachte Nockenwellen von HPC-Power mit schärferen Steuerzeiten noch nicht zur Verfügung. Mit diesen Teilen steigt die Leistung der Ducati auf 200 PS). Der Tellert-Schaltautomat, dessen Unterbrechungszeit der Zündung für jeden Gangwechsel separat und damit perfekt eingestellt werden kann, sorgt für eine lange Lebensdauer des Getriebes. Bei Schaltautomaten ohne individuell abstimmbare Unterbrechungszeiten sind an Ducatis Getriebeschäden eher die Regel.

Nicht weniger Mühe und Aufwand steckte Denis in den Fahrwerksumbau. Eine wahrhaft edle Öhlins-Gasdruckgabel übernimmt die feinfühlige und straffe Vorderradführung, während das ebenfalls schwedische TTX-36 die Dämpfungsarbeit an der Hinterhand übernimmt. Die Abstimmung der Dämpfer und die Balance der 1098R ist Know-how aus der Hertrampfschen IDM-Erfahrungs-Schatzkiste. Die Heckhöhe stieg um zwei Millimeter, zum Rest schweigt sich Denis aus. Natürlich wanderten noch individuelle Kleinteile, wie Pazzo-Hebeleien oder Ducati-Corse Fußrasten an die Duc - diese alle aufzuzählen würde nicht nur den Rahmen sprengen, sondern auch langweilen. Was dagegen ganz und gar nicht langweilt, ist das Fahrerlebnis mit diesem Goldstück. Um es gleich vorweg zu nehmen, die HPC-1098R fährt schöner, weil neutraler und freundlicher als das Werks-Superbike eines gewissen Herrn Haga (siehe PS 3/10). Was daran liegt, dass HPC ein wunderbar ausgeglichenes Motorrad mit sehr gut aufeinander abgestimmtem Motor und Fahrwerk gebaut hat, das Hobby-Racern und PS-Testern entgegen kommt. Quasi gedankengesteuert winkelt die Ducati ab, folgt traumwandlerisch der anvisierten Linie durch die Kurven der Strecke und schiebt mit mächtigem, aber gut zu kontrollierendem Druck voran. Ohne Frage ein Hochgenuss, so entspannt über den Ring zu ballern, jeden Kurvenausgang dank Traktionskontrolle zu zelebrieren und reuelos dem Ballern des 1200ers zu lauschen.

Die Vorgaben des Kunden hat Denis Hertrampf sicherlich zu 100 Prozent erfüllt: Die Ducati ist nicht nur gutmütig, sondern auch sauschnell.




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