Racebike: Höly Kawasaki Z 1000 RR Mean, green machine

H wie "Höly" – das bedeutet beim Tuner-GP auch H wie "Highlight". Wenn Mastermind Dieter Brise sein Kommen ankündigt, darf man sich auf ein piekfein aufgebautes Motorrad freuen und endlich klären: Wie fährt die Schönheit?

Foto: K

Höly Kawasaki Z 1000 RR

Sie wirkt wie Hoppers MotoGP-Feger auf Prosecco. Die giftgrüne Kriegs-bemalung stimmt, alle Insignien des Amis prangen am spärlichen Plastik – zweifellos ein Monster. Aber statt der Bürde eines bierernsten Sportgeräts, endlich mal etwas reißen zu müssen, trägt die Z 1000 RR von Höly die Leichtigkeit einer durch und durch spaßbeseelten Konkubine – aufrecht und stolz, aber mit einem teuflisch verlockenden Blinzeln. Die Höly-Kawa ist einmal mehr das Werk von Dieter Brise, der dem PS-Tuner-GP schon in den vergangenen Jahren perfekt gestylte und mit Hingabe aufgebaute Motorräder bescherte. Lässt man einmal die Optik außen vor, gilt: Das Tollste daran ist das Tolle darin. Brise ist kein Blender. So etwas ist dem perfektionistischen Werkstattmeister aus Schriesheim zu platt – trotz durchgestyltem Gefährt bis hin zur grünen Kette. Um dem Vierzylinder 158 PS an derKurbelwelle zu entlocken, bedarf es auch etwas mehr als einem Satz cooler Aufkleber. Geänderte Airbox, umgeschliffene Nockenwellen, ausgewogene Pleuel, bearbeitete Kolben, verdichtend auf 13,8:1, Power Comander und eine scharfe Titan-Carbon-Anlage von Akrapovič – das sind die Zutaten für Performance. Und wie das performt: Unten herum gibt sich die Z 1000 RR wie ein astreiner Sportler eher zahm, fast zaghaft. Aber schwillt der Kamm auf 7000/min, dann jagt die Höly-Kawa derart aggressiv um den Hockenheimring, dass man schon mal schluckt.

Zum brutalen Charakter des Motors (nicht falsch verstehen: Die Manieren etwa bei der Gasannahme oder Vibrationen sind tadellos) passt die Sitzhaltung: Hoch und angriffslustig sitzt der Reiter über dem breiten Booster-Lenker. Extrem klein wirkt das Motorrad, und alles scheint sich in der vorderen Hälfte abzuspielen. Tatsächlich ist die Z etwas kopflastig: 52,9 % der 196,5 kg lasten vorn. Aber dieses Missverhältnis fällt kaum auf, denn die von Hubert Hoffmann überarbeitete straffe Öhlins-Gabel verleiht ein crispes Gefühl fürs Vorderrad. Damit lässt sich auch auf der Bremse sagenhaft abbiegen. Diese Bremsen haben es in sich: Mit allen Schikanen wie radial angeordnetem Geberkolben, Stahlflexleitungen, radial montierten Vierkolben-Zangen und Racing-Belägen beißt das Ding sauber dosierbar zu. Lediglich ein paar Runden für die passende Betriebstemperatur verlangt die Anlage, um dann mit verlässlichem Druckpunkt zu Werke zu gehen. Hinten tickt nichts aus. Das ebenfalls von HH-Racetech überarbeitete Öhlins-Federbein bleibt satt auf dem Asphalt und erzeugt mächtig Traktion. Dafür hat die Höly-Z auch eine Schwinge der 2004er-ZX-10R bekommen. Emil Schwarz sorgte bei den Lagern dafür, dass das Motorrad durch Nullspiel absolut in der Spur bleibt. Das tut es – pfeilgerade und ruhig. Das Einzige, was man der Z 1000 RR vorwerfen könnte, ist ein etwas nervöses Einlenkverhalten. Als ob sie es nicht erwarten könnte, fällt sie in die Bögen. Etwas gewöhnungs-bedürftig, aber problemlos in den Griff zu bekommen. In einem Punkt hat Tuner Brise der Optik den Vorrang vor der Vernunft gegeben: Wegen der schönen Gilles-Gabelbrücke und der kompakten Front verzichtete er auf einen Lenkungsdämpfer. Deshalb zappelt die Gabel dann gern einmal, wenn im kleinen Gang aus der Kurve heraus das Gas aufgezogen wird. Besonders durch den Winddruck und den breiten Lenker bringt man eh schon Unruhe rein. Ansonsten kann die Höly-Z 1000 RR als Naked-Bike-Highlight des Tuner-GP 2008 gelten. 2009 wird es eine Neuauflage geben. Hoffentlich fällt Dieter Brise bis dahin wieder etwas ein.

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