Honda Stralsund CBR 1000 RR Racebike: Schön gemachte Fireblade

Den Pokal für die weiteste Anreise hatten die Jungs von Honda Stralsund schon sicher. Aber als Neulinge beim PS-TunerGP setzten sie sich auch mit ihrer schön gemachten Fireblade exzellent in Szene.

Foto: jkuenstle.de

 

Aufgeregtheit ist der Norddeutschen Sache nicht. Günter Wendler, Chef vom Motorradcenter Stralsund, und Mechaniker Robert Witt beobachten gelassen das geschäftige Treiben am Montag morgen auf dem Hockenheimring. Geduldig warten die beiden neben der hübschen Fireblade vor der Box auf den PS-Tester und machen dabei den Eindruck, als seien sie sich ihrer Sache sehr sicher. Keine aufgeregten Wie-wo-was-Erklärungen, coole Mienen, Hände in den Hüften. Auf ein Zeichen wirft Witt den Motor an und übergibt das Bike. „Bitte wiederbringen“, fleht Sebastian Zimmer dann doch noch. Kein Wunder - der junge Mann ist der Besitzer dieser CBR 1000 RR, an der Witt seit 2009 zeigen durfte, was sie an Stralsunds Waterkant so drauf haben.

Das gedämpfte „Na klar“ vom Tester scheint Zimmer nicht zu entspannen. Klar, wer drückt schon einem Wildfremden gern einen Geldkoffer mit 27 000 Euro in die Hand und lässt den dann guten Mutes eine Einkaufsmeile runtermarschieren? Aber schließlich bleibt dem Nordlicht nichts anderes übrig, als wehmütig hinterherzuschauen, wie sich die Blade mit Gebrüll auf die Rennstrecke stürzt.

Der Kniewinkel ist etwas eng - kein Wunder, der besorgte Sebastian ist gut zwei Köpfe kleiner. Das dünne Sitzkissen? Eigentlich super. Das Gefühl ist crisp, man kann sich sehr gut bewegen und sitzt trotzdem hoch genug über dem Lenker. Als nächstes dann mal die Bremse checken. Die Bremse? Wow! Fast hätte es einen Salto über die Stummel gegeben. Die M4-Zangen von Brembo mit Belägen aus gleichem Haus und den Braking STX Wave-Scheiben sind ja eine satanische Mischung! Na aber hallo, das wird Ende der Parabolika richtig geil! Mit dem Bazzaz-Schaltautomat die Gänge munter durchgesteppt, den Vierzylinder bis jeweils vor den Begrenzer gedreht und schließlich im sechsten Gang ganz klein gemacht, darf der Bremspunkt kommen. Davor offenbart die CBR ihre erste kleine Schwäche. Sie ist viel zu kurz übersetzt. Noch ganz weit vor dem Ankerplatz steht die Fuhre an. Wenn’s weiter nichts ist, Übersetzungen kann man schließlich leicht ändern. Ab dem Bremspunkt strahlt der Stern für die Stralsunder dafür schon wieder hell. Denn nicht nur die Bremse an sich ist eine Wucht, ihre Wirkung und Dosierbarkeit einfach perfekt. Alles an dem Bike passt. Das Motorrad verzögert extrem stabil auf die Spitzkehre zu, unterstützt von einer superb arbeitenden Anti-Hopping-Kupplung.

 

Runde um Runde kommt Freude auf. Vielleicht könnte die Blade hie und da etwas handlicher sein - außerdem geht sie Honda-typisch hart ans Gas - , aber ohne großen Einsatz oder kritische Momente lassen sich die Runden über den großen Kurs locker um die 1.55 min absolvieren.

Sebastian Zimmers Gesichtszüge entspannen sich, als er sein Schätzchen die Boxengasse entlangkommen sieht. In der Box erzählt er dann stolz die Geschichte seiner Blade, mit der er 2009 einen Unfall auf der Straße hatte und die danach systematisch von Robert Witt zu der scharfen Klinge aufgebaut wurde, die sie heute zweifelsfrei ist. Nach dem Auspuff mit Titankrümmern und dem Heckumbau kam 2010 das Öhlins-Fahrwerk mit der Road-Track-Gabel und dem TTX 36-Federbein rein. Dann hat Witt die Hammer-Brembos drangeschraubt und das Bazzaz-Steuergerät abgestimmt.

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Foto: Bilski

 

Sämtliche Teile sind mit Bedacht gewählt. Zimmer war bei aller Begeisterung für Racing auch die Optik wichtig. So hat er PVM-Felgen montiert und zum Beispiel viel Kohle in die Carbon-Verkleidung von Sebimoto investiert. Angst um sein gutes Stück hat er offensichtlich nicht, wenn er bei Trainings von Günter Wendler auf den „Hausstrecken“ in Oschersleben oder am Lausitzring selbst angreift und die bis ins Detail gestylte Fireblade in die Kurven wirft.

Aber mit breitem Grinsen gewährt er dem Tester schließlich doch noch ein paar Runden, nachdem die einstellbaren PP-Tuning-Rasten etwas tiefer sitzen. Ein kleineres Ritzel haben die Stralsunder leider nicht dabei - so etwas verrücktes wie diese Parabolika gibt es in Oschersleben und der Lausitz schließlich nicht. Und so trübt auf den nächsten Runden nur noch der Begrenzer im hinteren Teil dieser sauschnellen Endloskurve das Vergnügen - und der Gedanke an Sebastians sorgenvolle Miene, die der immer lockerer sitzenden Gashand Einhalt gebietet. Schließlich will er mit Hilfe des Schraubers seines Vertrauens jetzt den Motor angehen und dem Vierzylinder noch ein paar Pferde mehr antrainieren. Oder die Blade verkaufen und mit Robert Witt ein neues Projekt anfangen? Käme das dann dieser steifen Blade-Brise gleich, müssen die Jungs von der See unbedingt wiederkommen. 

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