Racebike Kalex AV-1 Kalex AV-1

Die Interpretationen des Begriffs „Racebike“ klaffen beim Tuner-GP 2008 weit auseinander: Während die rennsporterprobte Truppe von Kalex mit der neuesten Ausbaustufe ihres vollverkabelten Handwerksstücks anrücken, setzt Hertrampf Racing auf ein recht seriennahes B-King-Konzept.

Foto: Jahn

Kalex AV-1

Tuner-Grand-Prix, die Zweite. Wieder ist die Vorfreude auf das einzigartige, handgefertige Rennbike Kalex AV-1 von Alex Baumgärtel und Klaus Hirsekorn riesig, wieder endet die Veranstaltung für die beiden Bobinger mit Schmerzen und Trümmerteilen. Aber der Reihe nach. Montagnachmittag: Während Redakteure und Renntrainingsteilnehmer bei brennender Hitze die ersten Motorräder über den Hockenheimer Rennasphalt schwitzen, steht das Kalex-Team gut gelaunt in der Box, beantwortet Fragen, hilft Kollegen mit Teilen aus und analysiert am Laptop eine unverständliche Kombination von Messdaten. Von Stress keine Spur. Zeit, sich dieses Meisterstück von Motorrad etwas näher anzuschauen. Äußerlich ähnelt die 2008er-AV-1 dem Vorjahresmodell, das beim Tuner-GP 2007 am Parabolika-Eingang nach einem Highsider rettungslos abbrannte, noch bevor ihm der erste Testfahrer auf den Carbon-Zahn fühlen konnte. Kiel und Abgasverkleidung wurden etwas geändert, und wer ganz genau hinsieht, erkennt, dass die Kalex nun auf 17-Zoll-Rädern rollt – statt auf den 16,5-Zöllern des Brandopfers.

Unter dem hautengen Carbonkleid hat sich die AV-1 deutlich weiterentwickelt. Die Brustgröße wuchs auf 1100 cm³ und demonstriert mit ihren 60er-Drosselklappen und den Showerdüsen auf dem Vor-Ort-Prüfstand 151 PS. Gar nicht schlecht für einen Aprilia Mille-Motor, zumal die Schönheit auch den Gang auf die Waage nicht scheut: 170,5 kg sind das Resultat konsequenter Leichtbau- und Carbon-Diät. Um bei so geringem Gewicht auch beim Anbremsen die Linie zu halten, bekam das Aprilia-Aggregat eine mechanische Anti-Hopping-Kupplung verpasst. Ein geändertes Fahrwerks-Setup sowie Änderungen an Kinematik und Offset sollen das Fahrverhalten weiter verbessern. Auf der Elektronikseite füttern neue Sensoren und ein integriertes GPS die datensüchtigen Kalexianer mit neuem Stoff. A propos Stoff – wo gibt’s hier eigentlich das Feierabendbier?
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Foto: Jahn

Aufsitzen, Motor starten, losfahren

Dienstagmorgen. Früh. Kollege Rob brettert mit viel zu viel Energie für die Uhrzeit untermalt vom sonoren Brummen der Kalex die Start/Ziel-Gerade entlang, verzögert hart und biegt mit Schwung in die Nordkurve ab. Zehn Minuten später kommt er in die Box, verliert einige lobende Worte, während die Rennsportexperten sich schon wieder die neuesten Messdaten auf das Notebook saugen. Kurz darauf ist die AV-1 erneut startbereit. Aufsitzen, Motor starten, losfahren. Fühlt sich ungewohnt, aber gut an. Straff. Sehr straff. Nach zwei Runden dürfen Motor, Schaltautomat und Fahrwerk zeigen, was sie können. Ultrahandlich und direkt wieselt die AV-1 durch die Wechselkurve Richtung Parabolika, schneidet unterstützt vom gut funktionierenden Schaltautomaten präzise wie ein Rasiermesser durch die Parabolika, lässt sich mit minimalem Kraftaufwand vor der Spitzkehre brachial verzögern, wedelt dabei kurz mit dem Heck, springt am Kurvenausgang hart ans Gas und brennt dann mit leicht erhobenem Vorderrad der schnellen Rechts entgegen. Zurück in der Box sammeln sich die Eindrücke zu einem Fazit: Sie ist ein echtes Rennmotorrad, steif und direkt. Nur der Motor dürfte etwas stärker sein.

Kalex-Mann Alex streift die Schwabenleder über und rollt aus der Box. Nach 40 Minuten kommt er zu Fuß mit hängender Schulter und einer abgerissenen Fußraste in der Hand zurück. Abgeschossen. In der Auslaufrunde. Eingang Parabolika. Aber auch das zeichnet die Kalex-Truppe aus: Sie geben nicht auf. Auf der INTERMOT lachen sie schon wieder, als sie die AV-1 auf den PS-Stand schieben.

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