Racebike: Micron Fireblade Budget-Racer aus Franken

Micron Systems aus Fürth hat sich mit gezielt verbesserten, prima fahrbaren und gar nicht mal so arg teuren Umbauten einen Namen gemacht. Zum PS-Tuner-GP 2008 brachten die Franken eine aktuelle Fireblade mit, die sich ganz diesem Mehr-sein-als-scheinen-Konzept verschreibt. Eine schicke Verkleidung schadet dem nicht.

Foto: K

Micron Fireblade

Eine Fireblade ist ja schon frisch von der Ladentheke weg umwerfend gut; sie mit überschaubarem Aufwand zu verbessern also nicht leicht. Und dann noch Fahrbarkeit für den Alltag hinzukriegen, wird echt knifflig. Genau das Richtige für Armand Mottier, den Kopf von Micron Systems. Den großen Bohrer überlässt er lieber anderen, er setzt auf Feinarbeit im Detail und Know-how; seine Eingriffe in die Mechanik bleiben in überschaubaren, wohldosierten Grenzen. Ganz sanft wird der Zylinderkopf geplant, was in Verbindung mit einer dünneren Fußdichtung die Verdichtung auf vertretbare 13,5:1 anhebt. Das Steuern der Gaswechsel überträgt Mottier selbst entwickelten Nockenwellen. Damit die Steuerzeiten hundertprozentig stimmen, ermöglichen Langlöcher an den Nockenwellen-Rädern eine penible Justage. Anschließend entfernt Mottier Unsauberkeiten und Grate in den Atemwegen und passt abschließend die Kurbelgehäuse-Entlüftung an. Ebenso akribisch rückt der rührige Nürnberger der Peripherie zu Leibe. Die Unterdruckklappe im Ansaugsystem fliegt raus; die Serien-Trichter werden gegen kurze Alu-Pendants getauscht. Das Ausatmen erleichtert eine Micron-Anlage mit Titan-Endtopf, der auf den Bildern noch ein Prototyp ist – aber bereits dicht am Serienstand.

Um die Portionierung der Einspritzmengen kümmert sich ein Powercommander, der für jeden Zylinder ein eigenes Mapping bereit hält. Ihm zur Seite steht ein Zündmodul, das ebenfalls jedem Zylinder sein Zündkennfeld zur Verfügung stellt. Es bietet sogar die Möglichkeit der gangabhängigen Abstimmung. Per Kippschalter am Lenker lassen sich während der Fahrt zwei verschiedene Kennfelder anwählen. Auch wenn diese Maßnahmen eher nach Kleinarbeit als nach dem ultimativen Tuning-Hammer aussehen, überzeugt das Ergebnis: eine Leistungskurve wie aus dem Lehrbuch, bolzgerade bergauf. Ausgesprochen direkt beantwortet der aufgepeppte Honda-Four das geringste Zucken der Drosselklappen, hängt rasiermesserscharf an der Line, schiebt von unten ordentlich an. Bei 6000/min ist fett Druck vorhanden, und ab 8000/min brennt der Karton. Spritzig, linear und frei jubelt die Blade bis zum Abriegeln.
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Umbau-Maßnahmen

Wenn wir unbedingt ein Härchen in der Suppe finden müssen, dann vielleicht dieses: Lastwechsel könnten in der ersten Hälfte des Drehzahlbandes etwas geschmeidiger ausfallen, was in der zweiten Hälfte schon besser gelingt. Das passende Fahrwerk für diesen Temperamentsbolzen hat Mottier ebenfalls parat. Die von Hubert Hoffmann (HH-Racetech) umgebaute Gabel gefällt dabei durch satte Dämpfung und sensibles Ansprechen, was speziell in kniffligen Situationen wie dem Rechtsbogen vor Start/Ziel ein gutes Gefühl gibt. Die Front bietet einen gut nutzbaren Einstellbereich; an der Hinterhand arbeitet ein Matris-Federbein. Das straff abgestimmte Teil hält selbst dann die Schwinge im Zaum, wenn der Vierzylinder in der langen Parabolika über den Hinterreifen herfällt. Hockenheim-Kenner wissen, was dann kommt: die Spitzkehre. Kein Problem für die SBS-Beläge in den Original-Zangen. Allerdings benötigen sie etwas Temperatur, ehe sie richtig hinlangen. Die Verkleidung mit Scheinwerfern hat Straßenzulassung; Mottier führt einen Kennzeichenhalter im Programm – so ist die Micron-Blade ein ganz heißer Kumpel für die Hausstrecke.

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