Tuning-GP: Micron Systems Die Honda Fireblade von Micron Systems

Aufwändiges Motortuning, neueste Technik: Micron Systems lässt sich nicht lumpen und reist beim Tuner GP 2009 mit einer piekfein aufgebauten Fireblade an. Für die größte Überraschung sorgt aber die Auspuffanlage von Scorpion.

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Scorpion-Auspuffanlagen sind in Deutschland bislang weitgehend unbekannt. Entsprechend erntet Armand Mottier von Micron Systems beim Enthüllen seiner wunderschön lackierten Honda Fireblade mit Scorpion Komplettanlage beim PS-Tuner-GP 2009 zunächst fragende Blicke. Bislang vertrieb Mottier, dem Firmennamen entsprechend, Micron Auspuffsysteme. Doch Micron gibt es nicht mehr und der Fürther Tuner stieg auf Anlagen des ebenfalls englischen Herstellers Scorpion um, die er seit einiger Zeit unter www.scorpionexhausts.de vertreibt. Warum nicht, wenn das Zeug was taugt? Der Dynojet-Prüfstand unterstützt die Entscheidung des Fürthers: 197 PS. Tapfer! Die Auspuffanlage ist indes nicht allein für die hohe Pferdestärkendichte verantwortlich. Mottier griff tief in die Trickkiste, um dort noch das eine oder andere Pferdchen herauszuzaubern. Er ersetzte die Kolben der Blade durch leichte Pistal-Schmiede-Pendants, erhöhte die Verdichtung, passte über andere Nockenwellen die Steuerzeiten an, verbaute kürzere Ansaugtrichter aus eigenem Hause sowie leichtere Kupplungsscheiben und verbesserte durch größere Einlässe, eine umgebaute Airbox sowie einen Sportluftfilter den Luftdurchfluss. Das technische Highlight der starken Honda sitzt jedoch unter dem Sattel: ein Power Commander der fünften Generation inklusive Autotune-Modul. Letzteres optimiert während der Fahrt vollautomatisch das Mapping und damit Ansprechverhalten sowie Leistungsausbeute. Ein Prozedere, das bislang nur auf speziellen Prüfständen durchgeführt werden konnte und die Einspritzmengen nun in Echtzeit an Fahrstil und Umgebung anpasst.
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Klingt spannend. Die fragenden Blicke sind inzwischen der Vorfreude gewichen. Aufsitzen! Griffiges, dünnes Sitzpolster, hoch montierte SCM-Fußrasten, ein Kurzhubgasgriff, ebenfalls von SCM, 2,5 Zentimeter tiefere Stummel, Racingscheibe, Tank-Schnellverschluss: Mottier interpretiert seine Fireblade in diesem Jahr sehr sportlich.

Entsprechend fährt sie auch. Das Motorrad reagiert sehr direkt, arbeitet sehr transparent und fühlt sich stark nach Racebike an. Das Fahrwerk, vorn eine von HH-Racetech überarbeitete Seriengabel mit anderen Federn und Shims, hinten ein Öhlins-TTX-Federbein, liefert tolles Feedback und fördert das Vertrauen. Besonders beeindruckt das Handling. Mühelos fällt die Tausender in Schräglage, erlaubt herrlich enge Linien, liegt satt und folgt anstandslos den Pilotenwünschen. Lediglich IDM-Profi Pascal Eckhardt musste bei einem kurzen Proberitt die Gabelzugstufe etwas zudrehen, um die Blade gefügig zu machen. Am Kurvenausgang kommen die zahlreichen Motoränderungen und das Autotune zum Zug. Die Tausender geht sauber ans Gas, zieht bereits im Drehzahlkeller mächtig an und schießt ab 5500/min wie vom Gummiband gezogen nach vorn. Kontrollierbar, aber dennoch beeindruckend. Schön, wenn knapp 200 PS so problemlos zu fahren sind. Schön auch, dass der Scorpion-Endtopf nichts von britischem Understatement hält, seinen Stachel zeigt und sich ab 8000/min in Joe Cocker-Manier die Seele aus dem Leib brüllt. Bei dieser Vorstellung stört es auch nicht, dass die Blade über keinen Schaltautomat verfügt - für die neueste Generation des Power Commanders war zum TunerGP noch kein Quickshifter verfügbar. Beim Bremsen überzeugt Mottiers Blade ebenfalls, jedoch stören hier kleine Unannehmlichkeiten. So wirkt die Bremsenkomposition aus einstellbaren Pazzo-Hebeln, Micron-Stahlflexleitungen, Braking Wave-Bremsscheiben und Nissin-Racing-Belägen anfangs etwas stumpf. Nach einigen Runden hat sich das System aber eingeschossen, arbeitet tadellos und fördert eine andere Schwachstelle der Fireblade zutage: das Heck wird beim harten Ankern besonders vor der Spitzkehre sehr leicht. Ein Eingeständnis an die extrem vorderradlastige Gewichtsverteilung der Micron Systems-Blade, das aber dank Anti-Hopping-Kupplung nicht wirklich stört.

Die Dunlop Sportmax Racer GP harmonieren gut mit der Blade, kündigen ihre Haftgrenze frühzeitig an und bieten genügend Grip-Reserven für jede Menge Spaß und brauchbare Rundenzeiten.

Fazit: Die Scorpion-Blade ist ein Spaßgerät. Sie lässt alles mit sich machen, bleibt stets kontrollierbar, kann aber bei Bedarf auch böse zustechen.
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Micron Systems, Boxdorfer Straße 13, 90765 Fürth-Sack, Tel: 0911/936740, www.micronsystems.de

Technische Daten

Überblick:
Gewicht: 184 kg; Vorne/hinten: 54,3/45,7%; Leistung: 197 PS (144,6 kW) bei 13000/min; 118 Nm bei 9600/min; Preis (nur Umbau): ca. 10000 Euro

Fazit:
Die 197 Pferde stürmen sehr gleichmäßig aus den Ställen und scharren schon bei niedrigen Drehzahlen kräftig mit den Hufen. Ab 5500/min geht's richtig vorwärts.

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