Tuning-GP: Raul-BMW Die BMW R 1200 S von Raul

Während die S 1000 RR die Superbikefraktion aufmischt, gilt bei den Boxern nach wie vor die HP2 Sport als BMWs Vorzeigesportler. Mit etwas Tuning macht auch deren Vorläufer, die R 1200 S, auf der Rennstrecke richtig Spaß.

Foto: Jahn
Manfred Raul hat ein Problem. Er besitzt eine BMW. Soweit nicht schlimm, kann ja mal passieren. Aber die Motorcharakteristik seiner brandneuen R 1200 GS sorgt für betrübte Minen. Drehmoment- und Leistungskurve des Boxers erinnern eher an den Verlauf der Silvretta Hochalpenstraße als an die eines perfekt abgestimmten Triebwerks. Ein Umstand, mit dem sich Raul, Chef einer auf hochwertige Frästeile für Edeltuner spezialisierten Firma nicht zufrieden geben will. Das war 2005.

Tuner-GP 2009. Neben der leicht modifizierten GS von damals (siehe PS 9/2009) steht eine piekfeine R 1200 S. Abgesehen von optischen Veredelungen wie hochglanzverdichtete Felgen und Bugspoiler legte das Team von Raul-Fahrzeugtechnik nach den traumatischen Erlebnissen vier Jahre zuvor vor allem auf eine homogene Motorcharakteristik Wert. Zeit, die Kuh fliegen zu lassen. Es sind die ersten Meter überhaupt für mich auf einer BMW - und dann auch noch mit einem Hängetittenmotor. Na egal, mein Chef wird schon wissen, wieso er mich auf dieses Motorrad setzt. Aus tiefsten Drehzahlen schiebt mich der drehmomentstarke Motor durch die ersten Kurven. Die Handlichkeit und Fahrstabilität ist dank des Öhlinsfahrwerks makellos. Die SR-Auspuffanlage brummt dumpf und sonor, aber nicht zu laut.

Als BMW-Rookie plagt mich instinktiv die Angst, bei heftigem Umlegen die Euter in den Asphalt zu rammen. Daher begnüge ich mich mit moderaten Schräglagen und aufsetzenden Rasten. Bis in diese Schräglagen hinab liegt das bayerische Tier neutral und lässt sich auch durch Bodenwellen nur minimal aus der Ruhe bringen. Quasi als Lebensversicherung für noch schrägere Fälle prangen am Testfahrzeug Ventildeckel aus hochfestem Aluminium, die Raul in verschiedenen Farben anbietet.

Ende der Parabolika in Hockenheim. Bremspunkt. Die wenig eintauchende Teleleverfront ist gewöhnungsbedürftig. Schnelles Durchsteppen der Gangstufen quittiert Kuhzilla mit leichten Nickbewegungen um die Längsachse, bleibt dabei aber sauber in der Spur. Rum ums Eck und Gas. Bbbrrroooaaaap - der Boxer schiebt nachhaltig und lochfrei bis zum Begrenzer bei 9000 Umdrehungen. Der im Zylinderkopf und Ansaugtrakt optimierte Motor macht zusammen mit dem individuell abgestimmten Mapping richtig Spaß. 130 PS und 122 Nm sorgen für schaltfaules Fahren auch außerhalb des Hockenheimrings.

Ich fahre in die Box, steige ab und denke nach. Ich glaube, ich werde mir erstmal keine BMW kaufen, ich bin einfach noch zu jung. Aber wenn die Zeit mal gekommen ist, wäre dieses Gerät ganz weit vorn. S 1000 RR kann ja jeder fahren.
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Foto: Jahn
Raul Fahrzeugtechnik, Im Schachen 303, 66687 Wadern-Nunkirchen, Tel: 06874/182322, www.raul-fahrzeugtechnik.de
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Foto: Bilski

Technische Daten

Überblick:
Gewicht: 210,6 kg; vorn/hinten: 51,6/48,4 %; Leistung: 130 PS (95,2 kW) bei 8050/min; 122 NM bei 6250/min; Preis:20250 Euro

Fazit:
Na also, geht doch. Die Tuning-Maßnahmen von Raul haben die Berglandschaft der Serien-Leistungskurve glatt gebügelt und acht zusätzliche Pferdestärken draufgepackt.

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