Racebike: Sattler GSX-R 1000 Schwarze Kanonenkugel

205 PS bei vollgetankt 163,5 kg. Die GSX-R 1000 des sympathischen Bayern Josef Sattler beeindruckt allein durch ihre bloßen Daten. Dennoch fühlte sich der Testredakteur auf der schwarzen Kanonenkugel nie überfordert.

Foto: Jahn

Sattler GSX-R 1000

"So viel Leistung braucht doch kein Mensch." – "Mehr als 150 PS kann eh kein Normalsterblicher beherrschen." – So richtig die Argumente der motorradfahrenden Vernunftfraktion auch sind, mal ehrlich: Es ist schon geil, ein Motorrad mit 205 PS und dem Gewicht einer RGV 250 zu fahren. Ein Audi R8 müsste für so ein Leistungsgewicht immerhin 2000 PS mobilisieren. Josef Sattlers GSX-R 1000 beeindruckte beim Tuner-GP 2008 jedoch nicht nur mit ihren extremen Daten, sondern auch mit vielen pfiffigen Detaillösungen. Um die 2008er-Kilogixxer um knapp 50 Kilo abzuspecken, griff der Tuner tief in die Trickkiste. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Tank, den der Trifterner gegen ein selbst gebautes 12-Liter-Pendant aus Aluminium tauschte. Auch den Heckrahmen ersetzte Sattler durch einen Eigenbau aus Titan und Alu, ebenso die Batterie, die einem kleineren Stromspender weichen musste. Um Optik und Gewicht seiner Tausender noch weiter zu verbessern, verbannte der Tuner die unschöne und schwere 4-in-2-Anlage ins Teilelager und montierte stattdessen eine angepasste Remus-Krümmeranlage, an deren Ende ein Carbon-ummantelter Yoshimura-Einzeltopf heiser fauchend die Abgase ins Freie entlässt. Die Serienräder mussten schönen, leichten PVM-Schmiedefelgen weichen und wanderten ebenfalls ins Teileregal.

Auch motorseitig ließ sich Sattler nicht lumpen. Um die Leistungskurve über die 200-PS-Hürde zu wuchten, verpasste er dem Serienmotor Yoshimura-Nockenwellen, überarbeitete Kurbelwellen, Kolben, Pleuel sowie den Zylinderkopf und hob die Verdichtung auf 14,2:1 an. Für effektivere Verbrennung sorgt eine programmierbare KIT-Zündung, die auch die Einspritzung und den Schaltautomaten steuert. Ein leistungsfähigerer Kühler aus einer GSX-R 750 K4 soll helfen, die Hitze des erstarkten Vierzylinders besser in den Griff zu bekommen. Um den Preis nicht weiter in die Höhe zu treiben – alles in allem liegen die Gesamtumbaukosten bei rund 13000 Euro – verzichtete Sepp Sattler auf teure Zubehörfederelemente und legte Hand an die Serienteile: Das Federbein wurde in Zug- und Druckstufe angepasst, durfte trotz Mehrleistung dank des geringen Gewichts jedoch seine Serienfeder behalten. Die Gabel wich einem leichteren GSX-R 750- Modell, das mit linearen Federn und geänderter Dämpfung auf seine neue Aufgabe vorbereitet wurde. Gabelbrücken mit etwas mehr Versatz verkürzen den Nachlauf handlingfördernd um 1,6 mm.

Ein großer Aufwand, der sich auf der Rennstrecke bezahlt macht. Lammfromm lässt sich das Powerbike auf dem Hockenheimer GP-Kurs warmrollen, folgt willig, direkt, fast schon unspektakulär den Gashand- und Lenkimpulsen des Fahrers und lässt der Konzentration dabei noch genug Raum, um die sehr hoch montierten Fußrasten wahrzunehmen. Von Monster keine Spur. Waren die zittrigen Knie also völlig umsonst? Ausprobieren. Eingang Start/Ziel. Vollgas. Meine Herrn! Da stecken sie also, die 205 PS. Ab 8000/min spurtet die Gixxer vorwärts, als wäre die Schwiegermutter des Leibhaftigen hinter ihr her, und legt unbarmherzig immer weiter Leistung nach. Bei 11000/min verliert das Vorderrad den Bodenkontakt, und der Pilot versucht, mit einem Tritt auf den Schalthebel die Kontrolle zurückzugewinnen. Doch auch im vierten Gang reißt die Sattler-Maschine noch mit unbändiger Kraft den Hockenheimer Rennasphalt unter sich hindurch. Runter vom Gas, rein in die Eisen. Die Serienbremse verzögert das Leichtgewicht mühelos, die straff abgestimmte Gabel filtert die Bodenwellen sauber, erreicht aber nicht ganz die Sensibilität eines Öhlins. Mühelos klappt die Tausender ab, gleitet sauber ausbalanciert durch die Kurven und ermuntert den Piloten, das Spektakel am Kurvenausgang von Neuem zu beginnen. Auch wenn so viel Leistung niemand braucht – sie macht tierisch Spaß.

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