Racebike: Schnaller Triumph Rocket III Turbo Dreizylinder-Riese mit Überdruck

Beim PS-Tuner-GP haben Österreicher schon des Öfteren bewiesen, dass sie den einen oder anderen Schuss nicht gehört haben. Einen weiteren Beleg für die Schrulligkeit dieser speziellen Alpenbewohner liefert Jürgen "Jorge Jamon" Schnaller mit seiner Turbo-behauchten Triumph Rocket III.

Foto: K

Schnaller Triumph Rocket III Turbo

"Möge die Macht mit dir sein!" Mit diesen Worten verabschieden mehrere Schaulustige den Erbauer der Turbo-Rocket III zu seiner ersten Installationsrunde auf die Hockenheimer Strecke. Jürgen Schnaller, Kampfname "Jorge Jamon", frei übersetzt "Schinken-Schorsch", war früher selbst aktiver Kabelstrammzieher und Spätbremser auf internationalem Niveau und genoss den Trubel um sein Turbomonster sichtlich. Er beließ es bei nur einer Schluffi-Runde, bevor er dem Sieben-Zentner-Schwein ordentlich einschenkte. Natürlich setzt die knapp bemessene Schräglagenfreiheit den Orbitalzeiten der Triumph enge Grenzen, doch innerhalb dieser ist es ein unglaublicher Genuss, den Dampf des mit einem Garret-Lader aufgeblasenen 2,3-Liter-Dreizylinders zu genießen und dem Vieh die Sporen zu geben. Selbst der am-tierende Supersport-Meister Arne Tode wurde in der Parabolika Opfer der urknallmäßigen Beschleunigung der Turbo und konnte sie auf seinem IDM-Einsatzbike erst in der Bremszone vor der Spitzkehre zur Strecke bringen. Die klapperdürren 193 Pferdestärken werden tatkräftigst von 282 Nm unterstützt und wuchten den Einbaum eben fulminant nach vorn.

Trotz dieses überbordenen Schubs ist die Schnaller-Rakete überaus fahrbar. Der Leistungseinsatz der Turbine ist wohl dosiert, ihr Handling, gemessen an der schieren Masse, gut. In Schräglage fühlt sich die Rocket prima an, ist frei von un-gewünschten Eigenarten und schiebt neutral ums Eck. Neben dem generierten Fahrspaß begeistert das Haute-Couture-Kleid der Triumph. Der erste Blick aus der Entfernung zeigt dem Betrachter eine schwarz-orange Rocket. Und lockt ihn an, wie eine leuchtende Blume die Biene. Der Blick für Details ergibt sich dann aus der Nähe. Die "Angry Rat" ("Wütende Ratte") ist ein Brusher-Meisterwerk, handwerklich perfekt ausgeführt und sehr stilsicher platziert. Auffällig, dennoch so dezent wie der Turbo: erst erkennbar, wenn man genau hinschaut. Aus technischer Sicht wurde an der Rocket nur das Nötigste umgebaut, angesichts des Leistungszuwachses die Kupplung verstärkt. Die Öhlins-Federbeine im Heck sorgen für ein straffes, nicht unkomfortables Fahrgefühl, und die Rastenhalter von Raask mit den Speed-Four-Rasten bringen die Beine in eine sportliche Position. Jorge Jamon hat mit der Turbo die Alpenregion würdig beim 2008er-PS-Tuner-GP vertreten, das ist aktenkundig. Mehr Kilos und mehr Drehmoment hat noch keiner nach Hockenheim gebracht. Die Wuchtbrumme war definitiv eine Augenweide zwischen all den schlanken Racern.

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