Racebike: Sport Evolution Café Racer Der Undertaker

Solche Blender gibt es: krawalliger Auftritt, Bomben-Show. Und dann kommt nur heiße Luft. Das krasse Gegenteil sind diese Understatement-Typen: gediegene Erscheinung, kreuzbrave Mienen. Aber ein falsches Wort... Zack! Licht aus! Letzteres trifft auf die Sport Evolution Fireblade zu. Wer ihr Äußeres belächelt, läuft Gefahr, von ihr begraben zu werden.

Foto: fact

"Café Racer" nennt Tuner Dietmar Franzen seine Kreation. Café Racer - ernsthaft? Sind das nicht alte Frickeldinger, die mehr Öl als PS ausspucken? Wegen der Halbschale, den Blinkern und der Straßenzulassung wird aus einer aktuellen Blade doch kein Café Racer! Der Blick auf das Prüfstandsergebnis nährt die Zweifel an der Namensgebung: 205 PS! Mehr drückte beim TunerGP nur eine astreine Renn-ZX-10R. Damit ist die Fireblade doch eher Granate als Spaßmobil für befreite Momente im Leben.

Franzen aber bleibt dabei, dass seine Blade etwas Liberales an sich hat: "Es ist vor allem die Philosophie hinter dem Fahrwerk." Die stellt nämlich einfachste Fahrbarkeit weit über brutales Racing. Tatsächlich macht es Franzens Abstimmung am eigens überarbeiteten Öhlins-TTX36-Federbein und an der aufwendig umgebauten Gabel sehr leicht, mit der Honda zügig dahinzufegen. Das Handling ist mit "traumhaft" wahrlich nicht übertrieben umrissen. Kraftakt, Stress und Anspannung werden im Sattel der CBR zu Fremdworten, denn bei aller Straffheit lässt dieses Motorrad seinem Lenker die Wahl zwischen knallharter Linie, fatalistisch spät gesetzten Bremspunkten und wilden Beschleunigungs-Wheelies auf der einen Seite sowie maximalem Spaß im sportlich-coolen Modus gerne auch die Landstraße hinunter auf der anderen Seite.

Der Sport-Evolution-Brenner kann gut auf der Renne, muss aber nicht. Aber beides eben sehr schnell und präzise. Motortuning in drei Stufen steckt in dieser Blade. Stufe eins umschließt die Akrapovic-Auspuffanlage, die Elektronikänderung an Kabelbaum und ECU und ein Einspritzmodul. Zehn PS bringt das laut Tuner. In einem zweiten Schritt geht es an die Zylinderköpfe, wo die Brennräume optimiert und einander angeglichen und die Kanäle geändert werden. Macht nochmal 10 bis 15 PS. Zuletzt bekommen die Nockenwellen neue Profile und die Steuerzeiten werden exakt eingestellt. Je nach Ausrichtung auf Drehmoment oder Spitzenleistung sind bis zu 14 weitere PS drin.

Die Leistungsentfaltung ist beeindruckend. Sachdienlichen Druck für die Landstraße gibt es schon ab etwa 5500/min. Nach oben geht es dann sehr linear weiter. Ab dem fünfstelligen Bereich lauert dann ein wahrer Wirbelsturm auf die Racer-Fraktion. Damit dies auch peripher entsprechend aufgefangen wird, besitzt der Café Racer eine Bazzaz-Traktionskontrolle und einen Schaltautomat. Für die entsprechend nötige Entschleunigung sorgt eine standfeste Bremsanlage mit allem, was schick und funktional ist. Ganz ehrlich, Herr Franzen, "Café Racer" passt einfach nicht. Mit dem etwas unterkühlten Äußeren und dieser dem geradezu grotesk gegenüberstehenden Performance ist sie wohl eher der eiskalte Undertaker. Vor allem für die, die vor dem Café noch müde über sie lächeln.

Kontakt: Sport Evolution, Dietmar Franzen, Kesselheimer Weg 59-61, 56070 Koblenz, 0261/9884986-0, www.sport-evolution.de

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