Racebike Suzuki GSX-R 750

Foto: fact
Kantig und grau lauert das Motorrad in der Box auf den PS-Tester. In ihrem Ornat sieht die Maschine ein bisschen wie ein Vorserien-Bike aus, aber die feinen Teile - von den Hebeleien bis hin zur Auspuffanlage - signalisieren gleich, dass hier etwas Ausgereiftes auf die Sporen wartet. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Racer von Moto-Eck als GSX-R 750 K8. Die Verkleidung ist allerdings tatsächlich ein Prototyp. Racefoxx nennt sich diese eigenständige Schale, die Stefan Litschka aus Rennbegeisterung und mit geschäftlich bedingtem Know-how für sein eigenes Rennmotorrad entwickelt hat. "Ich wollte vom Design her etwas Besonderes und gleichzeitig sehr Funktionales", beschreibt der Unternehmer seinen Ansatz. Anleihen bei der KTM RC 8 bestreitet er gar nicht. Doch bei aller Distanz zu Mainstream-Verkleidungen ist die Racefoxx sehr praxisnah. So wurde das GFK-Mäntelchen für sämtliche Serienverkleidungs-halter der Suzuki konzipiert. Selbst die Schraublöcher für die Scheibe sind mit dem Original identisch, damit jede beliebige, für die GSX passende Scheibe verbaut werden kann. Allerdings sind die zehn Kilogramm für das graue GFK ganz schön happig. Mittlerweile aber wiegt der käufliche sechsteilige Kit (Verkleidung, Höcker, Heck-unterteil und Ram Air-Kanäle) 4500 g und ist aus Sichtkarbon für knapp unter 1000 Euro zu haben (www.racefoxx.com). Draußen auf der Piste fällt die Racefoxx nicht unangenehm auf - im Gegenteil. Die Aerodynamik passt, nichts wackelt oder klappert, und der Höcker erlaubt blitzschnelles Umsitzen in Wechselkurven. Nur auf Komfort darf man bei dem mageren Sitzbrötchen nicht hoffen.

Dafür verwöhnt die Gesamt-GSX-R mit allem, was das Rasen auf der Renne so einzigartig macht. Die Gilles-Rasten sitzen perfekt, per Schaltautomat lassen sich die Gänge blitzschnell durchdrücken, und die Brembo-Stopper sorgen für astreine und sehr zuverlässige Verzögerung. Dabei outet sich die GSX-R 750 als top abgestimmt. Sowohl das Gefühl für den Pistenkontakt als auch die Stabilität machen den Ankerwurf zum Vergnügen. Die Balance ist geradezu perfekt. Dafür sorgen die Seriengabel mit Öhlins-Cartridge und das TTX 36-Federbein - nicht zu vergessen die penible Arbeit von Moto-Eck-Boss Thorsten Eickhoff, dem gerade die bestmögliche Geometrie seiner Renneisen am Herzen liegt. Traumhaft lässt sich sein Werk übers Vorderrad durch die Kurven zwirbeln. Zielgenau und sehr handlich geht's zur Sache.

Motorseitig musste sich Eickhoff bei Litschkas Suzi leider zurückhalten, da dieser damit auch gern im Seriensport angast und deshalb einem strengen Reglement unterworfen ist. "Sonst hätten wir 800 Kubik in den Motor gezimmert und noch ein paar PS mehr herausgeholt", stößt Eickhoff die Diskussion um eine offizielle 800er-GSX-R von Suzuki an. Mit der 750er-Gixxer an kein internationales Rennreglement mehr gebunden, könnten die Japaner schließlich von der Strahlkraft des MotoGP profitieren und eine neue verführerische Klasse für Hobby-Racer kreieren. Das PS-Plus hätte der Moto-Eck-Suzi sicher gut gestanden, obwohl der Antrieb mit Yoshimura-Kabelbaum und Yoshimura-Auspuffanlage tolle Performance-Manieren hat. Mit den nötigen Drehzahlen beschleunigt der graue Bomber linear und wild entschlossen aus den Ecken auf die nächsten Bremspunkte zu. Da lauert kein Leistungsloch, da hemmt kein Midrange-Gähnen die Angriffslust. Der Öhlins-Lenkungsdämpfer, dem der elektronische Suzuki-Dämpfer wegen dem neuen Kabelbaum weichen musste, sorgt obendrein dafür, dass kein Zucken am Lenker die Lust an der Speedattacke schmälert.

Den Machern ist ein tolles Rennmotorrad gelungen, das zudem höchst eigen-willig daher kommt: Mit japanischer Funk-tionalität und Zuverlässigkeit auf der technischen Seite und einem gehörigen Schuss Europa auf der optischen. Baut das Ding mit 800 Kubik! Wir würden gern nochmal damit zuschlagen.

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