Racebike: Weidner-Honda CB 1000 R Nackte Tatsachen

Naked Bikes gehören beim PS-Tuner-GP inzwischen zu den Raritäten - das gilt besonders für straßenzulassungsfähige Interpretationen wie die Honda CB 1000 R von Motorrad-Weidner. Dabei hat die CB in mindestens einer Hinsicht den Superbikes etwas voraus.

Foto: Bilski

Nach zahlreichen Turns auf aufgemotzten Superbikes beim PS-Tuner-GP die Honda CB 1000 R von Motorrad Weidner zu fahren, ist ein seltsames Gefühl - und zugleich ein sehr befreiendes. Endlich ein bequemes Motorrad! Der breite Rizoma-Lenker liegt gut in den Händen, die einstellbaren Fußrasten - ebenfalls von Rizoma - positionieren die Fahrerfüße sportlich hoch, aber nicht zu heftig, die Sitzbank der Honda ist weich, nur ziemlich rutschig.

Bereits auf den ersten Metern vermittelt das voll einstellbare Öhlins-Federbein gutes Feedback über den Haftungszustand des kalten Hinterreifens. Vorn stärkt die ABS-unterstützte Bremse das Vertrauen des Piloten. Wenige Kurven später sind die Reifen auf Temperatur - Zeit, dem Motor auf den Zahn zu fühlen. Sehr weich geht das Triebwerk der CB 1000 R ans Gas, zieht in gewohnter Honda-Manier herrlich linear durchs Drehzahlband und legt bis zum Drehzahlbegrenzer bei knapp 10 000/min kontinuierlich an Kraft zu. Möglicherweise könnte die CB bei höheren Drehzahlen noch mehr Leistung generieren - so erreicht sie mit 128 PS trotz Power Commander und Akrapovic Endtopf nur fünf PS mehr Spitzenleistung als das Serienmodell. Drehmomentseitig sieht es besser aus: Zwischen 5500/min und 7500/min drückt die getunte Honda konstant über 100 Nm auf die Prüfstandsrolle und liegt damit spürbar oberhalb der Serienkurve - das macht sicherlich auch auf der Landstraße Spaß. Dort würde auch der fehlende Windschutz weniger stören, der dem CB-Piloten in der Hockenheimer Parabolika das Leben schwer macht.
Bremspunkt. Voll rein in die Eisen, das ABS wird's schon richten. Die Serienbremsanlage, die Motorrad-Weidner-Chef Thomas Mirthes lediglich durch schicke Pazzo-Hebel ergänzte, verzögert ordentlich, ohne zu faden, lässt jedoch auf der Rennstrecke das letzte Quäntchen Biss vermissen.

In der Anbremszone fällt außerdem auf, dass die für ein Straßenmotorrad straff abgestimmte überarbeitete Gabel etwas unsensibel anspricht und vor allem auf den Bodenwellen Ende der Parabolika viel Unruhe an den Fahrer weiterleitet.
Abklappen, rein in die Kurve. Bereits beim leichtesten Zug am breiten Lenker biegt die Weidner-CB 1000 R ab, folgt brav der anvisierten Linie und bleibt auch am Kurvenausgang sauber auf Kurs. Einige Runden später beginnen allmählich die Handinnenflächen zu schmerzen. Die Metall-Lenkergriffe sehen zwar schick aus, sind aber zu hart und nicht sonderlich fahrerfreundlich.Zurück in der Box, fällt das Auge beim Massieren der Handinnenflächen auf die per Airbrush veredelte freiliegende Hinterradfelge, die umrahmt von Akrapovic Endtopf und Öhlins-Federbein zum echten Eyecatcher wird. Überhaupt gefällt das Design der Weidner-CB 1000 R. Das schwarz-weiße "Checkered flag"-Muster zieht sich konsequent von der Felge über die seitlichen Verkleidungen bis zur Scheinwerfermaske. Neben der Motorabstimmung verraten auch Spiegel und Kennzeichenhalter, dass Mirthes seine CB eigentlich für die Landstraße konzipierte. Trotzdem ist sie auf der Rennstrecke eine willkommene - und vor allem bequeme - Abwechslung.


Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote