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Racebike Wellbrock-Suter Moto2 im Test Das Skalpell

Die Wellbrock-Suter Moto2 ist scharf, superscharf – eigentlich noch mehr als das! Auf Basis eines Suter MMXI-Chassis, das Andrea Iannone 2011 in der WM pilotierte, baute Honda Wellbrock & Co. eine ganz private Moto2-Rakete auf. Und PS durfte sie fahren.

Ja, der Slogan dieser Story ist abgedroschen, ausgelutscht und verbraucht – steht eigentlich auf dem PS-internen Index für Überschriften! Aber was bitte will man machen, wenn exakt diese Headline die Wellbrock-Suter Moto2 perfekt beschreibt?

Weil ein Skalpell, das messerscharf, präzise und mühelos den Bewegungen des Chirurgen folgt und einen extrem sauberen Schnitt hinterlässt, sich exakt so verhält wie die Wellbrock-Suter Moto2, die im Rahmen des TunerGP 2013 in unsere Fänge geriet. Sie ist zwar noch ein Motorrad, hat aber rein gar nichts mehr mit den getunten Serienbikes oder Superbikes zu tun. Im Vergleich dazu verhält sich diese Rakete wie eben besagtes Skalpell zu einem Filetiermesser.

Ein gestandener Spezialist, der Ex-Supersport-Pilot und IDM-Laufsieger Pascal „Ecke“ Eckhardt, schwingt sich freudig in den Sattel des schweizerisch-japanischen Fahrzeugverbundes und brennt unter infernalischem Gefauche aus der Akrapovic-Titanauspuffanlage auf und davon. Was dann geschieht, treibt einem Hobbyracer die Tränen in die Augen. Ecke kalibriert seinen Fahrstil innerhalb von zwei, drei Runden auf die Moto2 ein und knallt dann Rundenzeiten hin, die für große Augen, ja den blanken Neid sorgen. 132 Honda-PS und ein Moto2-Chassis reichen ihm, um auf dem großen Kurs in Hockenheim spielerisch unter 1.48 min zu fahren – und das schon beim ersten Outing!

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Fahren mit der Wellbrock-Suter Moto2 ist wie Weihnachten

Mit leuchtenden Augen kehrt Ecke in die Box zurück, erinnert eher an einen fünfjährigen Bub kurz nach der weihnachtlichen Bescherung als an einen abgebrühten Rennfahrer. Seine ersten paar Sätze sind auch nicht wirklich zitierfähig. Dann fängt er sich, seine Aussagen werden klarer. Vor allem drei Dinge bereiten Ecke freudige Gänsehaut: a) die Stabilität der Moto2 im Allgemeinen, vor allem aber auf der Bremse, b) die Leichtigkeit der Linienwahl in Kurven und c) die brutale Wirkungsweise der vorderen Bremse. „Noch nie bin ich mit so einer Leichtigkeit auf der Bremse in die Kurve eingebogen oder konnte ich die Bremspunkte so nahe am Scheitelpunkt setzen – und war so entspannt dabei“, grinst der Allgäuer breit. „Eine sehr radikale Linienwahl ist möglich, einfach unfassbar. Kein Wunder, fahren die Jungs in der Moto2 so brutal – es geht nämlich ganz einfach.“

Gegencheck. Der Autor schwingt sich in den Sattel, rollt los, steigert sich Runde um Runde. Und ja, verdammte Axt, der Eckhardt hat mal wieder recht! Wie auf Schienen, oder besser, wie von einem Laser geführt und von Sekundenkleber am Boden gehalten, umrundet die Wellbrock-Suter Moto2 den Kurs. Saugt sich beim Bremsen am Ende der Parabolika förmlich auf den Asphalt, um dann, mit sich lösendem Anker, dem anvisierten Scheitelpunkt entgegenzustürmen. Spielerisch einfach wie Maumau geht es so um den Kurs.

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Foto: fact
Die Leistungsmessung des Racebikes.
Die Leistungsmessung des Racebikes.

Im Suter-Chassis sorgt ein kräftiger, sehr gut abgestimmter CBR 600-Motor für den Vortrieb. Techniker Wolfgang Harbusch hat seine ganze Honda-Erfahrung eingesetzt und im Unterschied zum Moto2-Reglement, dafür aber zu unserer Freude, dem Triebwerk neben einer ansprechenden und haltbaren Spitzenleistung noch ein sehr gutes Benehmen anerzogen. Neben der Suter-Anti-Hopping-Kupplung sorgen bei der Wellbrock-Suter Moto2 eine HRC-Lichtmaschine, der HRC-Elektrik-Kit und ein Dynojet-Elektronik-Paket für Leistung und Wohlbefinden. In tiefster Schräglage Gasanlegen und Aufziehen klappt formidabel, die Gangwechsel dank des sauber abgestimmten Quickshifters ebenfalls.

Wer so ein Spielzeug in diesem Reifegrad sein Eigen nennt, darf sich glücklich schätzen. Und um es auf den Punkt zu bringen: Die Wellbrock-Suter Moto2 ist ein „Skalpell“.

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