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Racefoxx-KTM 1290 Super Duke R im Tracktest Rennstrecken-Performance fürs Biest

Mit gezielten Änderungen an einer KTM 1290 Super Duke R bläst die Firma Racefoxx zum Halali. Der Plan: eine bessere Rennstrecken-Performance der Österreicherin - ein sehr ambitioniertes Unterfangen.

Zweifelsohne ist die KTM 1290 Super Duke R ein klasse Motorrad mit großartigen Eigenschaften, das beim Ballern auf der Landstraße tierischen Spaß bringt. Auf der Piste schwächelt die KTM im Vergleich mit anderen aktuellen Naked-1000ern dagegen etwas: inaktive Sitzposition, geringe Schräglagenfreiheit, kaum Windschutz, Fahrwerksunruhen. An exakt diesen Punkten setzt die Firma Racefoxx an und entwickelte einige Spezialteile. Wie beispielsweise die hervorragende, um zirka 30 Millimeter höhere Sitzbank. Mit ihr thront der Pilot nun eher auf als in der Maschine, wodurch er sie viel besser dirigieren kann. „Davon haben wir schon 50 oder 60 Stück verkauft“, schwärmt Racefoxx-Ingenieur Christian Kühnen. „Die meisten gingen an Racer von der Super Duke Battle.“

Überhaupt pflegen die Remscheider regen Kontakt zu dieser Rennserie. „Dadurch bekommen wir Input aus erster Hand, beide profitieren“. Auch die einstellbaren Adapterplatten für die Serien-Fußrasten, der Adapter fürs umgedrehte Schaltschema, die Rahmenprotektoren, der Kupplungs-Motorschutzdeckel und einige andere Teile entstanden so. „Weitere Spezialteile wie der Lima-Motorschutzdeckel, ein Schwingenschutz oder eine Bugwanne sind in Vorbereitung“, ergänzt Kühnen. Auch den Kettenradträger möchte er modifizieren. „Derzeit ist es nicht möglich, die KTM 1290 Super Duke R kürzer zu übersetzen. Da die Wölbung der Schwinge zu nah ans Kettenrad reicht, würden sie sich berühren.“

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Linie anvisieren, abwinkeln, durchpfeilen, fertig!

Fahrwerksseitig setzt die Tuningschmiede auf Wilbers. Die Niedersachsen spendierten der Seriengabel härtere Federn, überarbeiteten die Dämpfung und verringerten das Luftpolster. Am Heck passten sie ihr Topmodell „642 Competition“ für die KTM 1290 Super Duke R an.

Doch obwohl die Federelemente prima ansprechen, über ordentliche Dämpfungsreserven verfügen und besonders an der Front viel Feedback liefern, herrscht wie bei der Serie Unruhe im Gebälk. Vor allem, wenn die KTM 1290 Super Duke R bei weit geöffneter Brause einen Impuls bekommt, wie beispielsweise bei ­Bodenunebenheiten oder auch beim Schalten, beginnt sie mit dem Lenker zu rühren. Änderungen am Setup brachten nur wenig Besserung. Falls es überhaupt gelingt die KTM komplett ruhigzustellen, sind wohl weitreichendere Eingriffe ins Fahrwerk nötig.

Bis die KTM 1290 Super Duke R perfekte Manieren an den Tag legt, hilft nur, den Lenker mit leichter Hand zu führen und hektische Bewegungen zu vermeiden. In Sachen Zielgenauigkeit und Handling ist sie heute schon top, was das Kurvenbolzen zeigt: Linie anvisieren, abwinkeln, durchpfeilen, fertig! Einen großen Anteil an dieser Leichtfüßigkeit haben auch die feinen Schmiederäder (PVM). Die serienmäßigen Stopper blieben dagegen unberührt. Wie gewohnt beißen sie kräftig zu, sind super zu dosieren und unbezwingbar.

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Am Motor änderte Racefoxx nichts

Auch am Motor und dessen Peripherie änderte Racefoxx nichts. Ausnahmen: modifizierte Luftzuführung, Eigenbau-Auspuff. „Eigentlich wollten wir den Motor noch mit einem Power Commander abstimmen“, erklärt der Ingenieur. „Doch das serienmäßige Steuergerät erkennt das Modul und umgeht es. Da müssen wir noch mal ran.“ Ein paar Pferde kitzelten die Jungs aber trotzdem aus dem Antrieb. Unser Prüfstand bescheinigt dem Motor 175 PS und 147 Nm, immerhin drei Ponys und fünf Nm mehr als die generell sehr gut im Futter stehenden Testexemplare.

Unabhängig vom maximalen Output ist es immer wieder grandios, wie brutal die KTM 1290 Super Duke R bereits aus unteren Drehzahlen anschiebt und sich mitsamt ihrem Piloten in den Orbit schleudert. Dank des fetten Drehmoments, garniert mit weicher Gasannahme und gleichmäßiger Leistungsentfaltung, kommt selbst bei wildem Treiben keinerlei Hektik auf. Das kraftvoll-sonore Brummen des V2 und das dumpfe Ansauggeräusch bilden dabei eine Klangkulisse mit Gänsehaut-Faktor. Zum großen Glück fehlt nur noch ein Schaltautomat. Doch dieser kann üble Motorschäden verursachen, weshalb KTM ausdrücklich davon abrät und im Schadensfall keinerlei Gewährleistung übernimmt. Offenbar fielen schon Shims der Ventilsteuerung aus ihren Sitzen und kullerten durch den Antrieb – autsch!

Unterm Strich liegt Racefoxx mit dem Umbau goldrichtig. Doch wie immer bei noch recht jungen Maschinen braucht auch die KTM 1290 Super Duke R noch etwas Entwicklungszeit bis zum perfekten Rennstrecken-Brenner. Also dann, ran an die Braut!

Foto: MRD

Technische Daten Racefoxx-KTM

Gewicht: 196,5 kg
vorn/hinten: 50,9/49,1 %
Leistung: 175 PS
Umbaukosten: zirka 5000 Euro

RACEFOXX
Christian Kühnen und Steve Litschka
Am Bruch 5
42857 Remscheid
www.racefoxx.com

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