Report: PS-Bridgestone-Tuner-GP 2009 Alles zum siebten Tuner-GP (mit Video)

Die 7 ist eher unbeliebt: 7 Todsünden, das Buch mit 7 Siegeln und das 7. Ehejahr. Zum Glück gibt es außerdem die Glorreichen 7, das 7-Gebirge und den 7. PS-Bridgestone-Tuner-GP.

Foto: Jahn

Was ist Leistung? Kommt drauf an, wen man fragt. Eltern eines 7-monatigen Sprösslings nennen es vielleicht eine Leistung, wenn das Kind mal durchschläft. Die Athletin, die sich grade im Siebenkampf für die Olympischen Spiele qualifiziert hat, wird sicher mit ihrer Leistung zufrieden sein. Nur der Ingenieur, der sieht's unromantisch: Leistung ist Kraft mal Weg durch Zeit - demnach berechenbar, messbar, vergleichbar.

Wenn also die Redaktion PS alle Kräfte bündelt, sich von Stuttgart auf den Weg nach Hockenheim macht und dort zwei Tage lang rechnet, misst, vergleicht, fotografiert und auf dem großen Kurs testfährt, was 21 Tuner aus der ganzen Republik und sogar dem Ausland an Pretiosen mitgebracht haben, dann ist das auch eine Leistung, und zwar von allen Beteiligten. Beteiligt am 7. PS-Bridgestone-Tuner-Grand-Prix war 2009 wieder - nomen est omen - Bridgestone als Namenssponsor, als Reifenpartner, als Inhaber einer gemütlichen Hospitality im Schatten des mächtigen 40-Tonners, als Leitmotiv einer VIP-Gruppe des Renntrainings...

Halt! Hat da jemand Renntraining gesagt? Richtig: Das gab's nämlich auch. Frei ausgeschrieben und ratz, fatz ausgebucht. Nicht einmal von der Rundenzeitenvorgabe ("Zwonullvier sollte jeder fahren können, der sich anmeldet.") ließ sich das speedfröhliche Volk abhalten - und zeigte wieder einmal, wie begehrt der große Kurs von Hockenheim ist: 130 mehr oder minder verstrahlte Sportmotorradfreaks kreiselten mit ihren Geräten um die 4,574 Kilometer lange Rennstrecke am Südost-Ende der A 61.

30 Plätze hatte ein Mattighofener Unternehmen gleich mal en bloc dingfest gemacht und unter seinen Jüngern verteilt. Spaßfahrer, Cup-Starter, Seriensportler und IDM-Piloten teilten sich zwei Gruppen, viele 20-Minuten-Turns und immer schnellere Runden. Die beste Nachricht von allen: Es sind keine ernsthaften Verletzungen zu vermelden; ein bisschen Schwund am Material lässt sich wohl nie vermeiden. Bei allem Ehrgeiz und aller Härte gegen sich selbst und ihren Untersatz gingen die Trainierenden nämlich größtenteils sehr diszipliniert an die Sache heran.

Eine eigene Disziplin ist die Hobby-Racing-Serie Triumph Street Triple Cup, jetzt im zweiten Jahr ihres Bestehens. Die schnellen Jungs mit den nackten Motorrädern (zum Glück nicht umgekehrt) traten zu zwei ihrer zehn Saisonrennen im Rahmen des Tuner-GP an und flochten schnell ein dickes Tau aus Dreizylinderröhren um Parabolika, Mercedes-Tribüne und Motodrom. Wer sich besonders hervortat, wer es grade so nicht aufs Treppchen schaffte und wer möglicherweise seine persönlichen Rekorde ein paar Plätze weiter hinten erzielte, steht auf www.t-cup.eu.

Die KTM Super Duke Battle gab sich ebenfalls die Ehre - sozusagen als Überhang-Termin ihrer Rennen, die kurz vor dem Tuner-Grand-Prix in Hockenheim stattgefunden hatten. Das knallorange Zelt leuchtete weithin sichtbar durchs Fahrerlager, und die großen V2-Motoren aus 1190 RC8 und 990 Super Duke verschafften sich im vielstimmigen Klangteppich genauso deutlich Gehör. Auch hier: Details auf www.ktmsuperdukebattle.de.

Renommierte Zubehöranbieter ließen es sich nicht nehmen, neben den Tuning-Bikes in der Boxengasse und im Fahrerlager ihr Sortiment zu zeigen: Öhlins verwahrte seine Edelgebeine vor allem in einer schicken Vitrine; die Nolan-Gruppe dagegen drückte Testwilligen die aktuellen Modelle der Marken Nolan und X-Lite in die Hand respektive auf die Rübe.

Zurück zur Hauptsache, den Tuning-Motorrädern: 21 Veredler hatten 21 Racing-Geschosse in allen Themengebieten und Leistungsklassen aufgereiht - sechs Hondas, vier Ducatis, drei Suzukis, zwei Yamahas sowie je eine Bimota, BMW, Buell, Kawasaki, KTM und Triumph standen zum PS-Test bereit. Die Stoßrichtung der Umbauten war breit gefächert - von hochglanzverdichteten Felgen und Zubehörauspuffen für den Geltungsbereich der StVZO bis zur Radikalkur mit Powercommander, Zylinderkopfoptimierung und handlaminierten Carbon-Verkleidungen für die Rennstrecke.

Eine gediegene, originelle, respekteinflößende oder auch eine schlicht-schöne Lackierung gehört ohnehin zu einem ordentlichen Tuner-GP-Motorrad, das hat sich in der Szene weitgehend herumgesprochen - unabhängig von den inneren Werten, die zwischen Lufteinlass und Auspuffblende schlummern und auf Freigang warten. Insgesamt konnte Thomas Häfners mobiler Dynojet-Prüfstand bei den 21 gemeldeten Motorrädern 3610 PS und über 2450 Nm an den Kurbelwellen ausfindig machen. Zwei Kandidaten durchbrachen locker-flockig die 200-PS-Marke, und gleich vier Racebikes gaben über 130 Newtonmeter Drehmoment zu Protokoll. Wie sich diese Monsterzahlen im Einzelnen verteilen, wird PS in den kommenden Ausgaben detailliert aufdröseln.


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