RMI-Kawasaki Z 750 Power Punk

Eine Revolte traten die Sex Pistols vor genau 30 Jahren in der Musikszene los. Die britischen Punkrocker zeigten
dem gesamten Establishment den blanken Hintern. Ihr Slogan: »No Future«. Ihre
Musik: einfache Akkorde, gerade Basslinien, schnelles, hartes Schlagzeug. Dazu die Stimmen rauchig und verrucht. So
sangen sie von »Anarchy in the UK« oder der Plattenfirma EMI, die sie erst heuerte und dann feuerte.
Ganz so viel Wirbel wird die Kawasaki Z 750 der Krefelder Tuning-Firma RMI
wohl kaum auslösen. Doch immerhin hat das fahraktive Naked Bike schon von Haus
aus eine basslastige Stimme. Noch tiefer grummelt und grollt sie dank des Slip-on-Endtopfs Evo II von Leo Vince. Der hat ABE und wohligen Klang. Damit der Vierzylinder mehr Luft bekommt, hat RMI-Chef Manfred Ilsanker nach langem Tüfteln den Einlass der Airbox vergrößert, K&N-Luftfilter verbaut und das Filtergehäuse mit
einer zusätzlichen Bohrung versehen.
Kehliges Ansaugschnorcheln ist die Folge, doch dieser Umbau ist nicht eintragungsfähig. Gleiches gilt für den »Power Commander« von Dynojet. Na ja, bereits die Sex Pistols sangen »I Fought the Law«. Ob sie damit den deutschen TÜV meinten? Denn gerade dies ist die Stärke von RMI: mit modifizierten Kennfeldern des Motormanagements mehr Power bei Z 750 und Z 1000 zu mobilisieren. Praktisch übers gesamte Drehzahlspektrum tritt die 750er kräftiger an als die Serie.
Spontan hängt das drehfreudige Triebwerk am Gas. Es kennt oben heraus
kein Halten mehr und spielt zwischen 8000/min und dem Drehzahlbegrenzer heftigen Trommelwirbel auf, 117 statt original 108 PS an der Kupplung. Damit geht in
der Mittelklasse glatt der Punk ab, auch wenn man es der Kawa nicht auf den
ersten Blick ansieht. Komplett unverändert belässt Ilsanker die Motoren-Mechanik. Als Ex-Schrauber bei Langstreckenrennen hat für den 46-Jährigen Zuverlässigkeit oberste Priorität, Power auf Dauer.
Stahlflexleitungen von LSL machen den Druckpunkt der Bremsen knackiger und die vorderen Doppelkolben-Schwimmsättel voll stoppietauglich. Weniger gut
arbeitet der allzu straffe Lenkungsdämpfer von LSL. Er lässt die freche 750er selbst
in weichster Stufe bis Tempo 50 taumeln, was für Unruhe in engen Kurven sorgt. Schade, denn die Bridgestone-Reifen
BT 019 »E« und BT 012 »E« haften, bis der Horizont fast senkrecht steht.
Blau eloxiert, glänzt die knapp 80
Zentimeter breite Superbike-Lenkstange nicht nur optisch. Mit ihr lässt sich
der 215-Kilogramm-Leadsänger handlich wie ein Fahrrad in Schräglage werfen.
Zusammen mit den leicht zurückver-
legten Fußrasten ergibt sich eine mode-
rat kämpferische Sitzhaltung. Völlig untauglich sind die kleinen Spiegel, chic
die Miniblinker.
Überraschend effektiv schützt die kleine Scheibe aus dem Kawa-Zubehörprogramm. Dem entstammt auch die Soziussitz-Abdeckung. Ein echtes Schmuckstück ist die feine RMI-Lackierung. Das Zielflaggendekor über Tank und Heck kontrastiert prima mit den polierten Felgenhörnern. Dazu ist die passende Enuma-Kette mit blauen Laschen nur konsequent. Und
natürlich sind allzeit individuelle (Teil-)Umbauten und Veredelungen möglich. Von wegen no future. tsr

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