Schon gefahren: Aprilia Tuono V4 R Aprilia Tuono V4 R - nackte Leistung

Ruft die neue Tuono V4 R der Naked-Bike-Konkurrenz zu. Wie sehr ihr freches Gefrotzel zutrifft, untersuchte 2Räder beim Erstkontakt.

Foto: fact

So dreist die Ansage klingen mag, so realistisch ist sie vermutlich: Das Hinterrad reißt beim Beschleunigen schon fast Löcher in den Asphalt, und das Handling der Italienerin ist so scharf wie ein japanisches Filetiermesser. Puh. Hier handelt es sich um kein Gerät für Festnetztelefonierer, hier steht eine Waffe auf zwei Rädern mit dem Motor des Supersportlers RSV4. Wie üblich bei Verpflanzungen in ein Naked Bike, wurde der Antrieb für den Landstraßeneinsatz optimiert: Nach Modifizierung von Ansaugtrichtern, Steuerzeiten und Mapping sowie Erhöhung der Schwungmasse bleiben von ursprünglich 180 noch 167 Ponys erhalten. Dieses wahrlich milde Kappen der Spitzenleistung könnte ein Grund für den vergleichsweise verhaltenen Antritt unter 3000/min sein.

Im Gegenzug zündet die V4-Rakete ab 5000/min einen Nachbrenner, dass es einem die Schuhe auszieht. Doch die Tuono wäre keine Tuono, kämen Fahrwerk und Bremsen nicht mit der brachialen Power zurecht. Dank zahlreicher Änderungen gegenüber der RSV4-Geometrie lenkt die nackte Tuono spielerisch ein und bleibt in jeder Schräglage neutral. Sachs-Gabel und -Federbein zeigen sich gut ausbalanciert, treffen gekonnt den Kompromiss zwischen sportlicher Härte und Komfort - groben Asphaltunfug reicht die Aprilia jedoch ungefiltert an den Piloten weiter. Für 1200 Euro Aufpreis ist das Technikpaket APRC mit an Bord, für den engagierten Tuono-Treiber keine uninteressante Investition. So gerüstet, lässt sich die Konkurrenz noch länger auf Distanz halten.

Kurzurteil

Positiv

  • Mächtiger Motor
  • Ungemein handlich
  • Erstklassig ausbalanciertes Fahrwerk
  • Getriebe sehr gut zu schalten
  • Starke Bremsen
  • Knurriger V4-Sound


Negativ

  • Wenig Drehmoment unterhalb von 3000/min
  • Aggressiver Leistungseinsatz im Track-Modus
  • Auf Dauer mäßiger Sitzkomfort
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Foto: fact

Technische Daten / Vergleich RSV4 R

Technische Daten*

Motor:
Vierzylinder-Viertakt/V
Hubraum: 1000 cm³
Kraftübertragung: Sechsganggetriebe/Kette
Leistung: 123 kW (167 PS) bei 11500/min
Max. Drehmoment: 112 Nm bei 9500/min
Bremse vorn: Doppelscheibe (Ø 320 mm)
Bremse hinten: Scheibe (Ø 220 mm)
Reifen vorn: 120/70 ZR 17
Reifen hinten: 190/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten: 120/130 mm
Radstand: 1445 mm
Sitzhöhe: 840 mm
Tankinhalt: 17 Liter, Super
Farben: Gelb, Schwarz, Silber
Wartungsintervall: 10 000 km
Preis: 13 790 Euro inkl. Nebenkosten

 

*Werksangabe

Wichtige Unterschiede zur RSV4 R

  • Geänderte Fahrwerks-geometrie mit verlängertem Radstand und tiefer eingebautem Motor
  • Andere Ergonomie durch höhere Lenkstange, neukonturierten Sitz und tiefer angebaute Fußrasten
  • Geändertes Rahmenheck mit integrierten Haltegriffen für den Sozius
  • Leicht reduzierte Spitzenleistung und geglätteter Drehmomentverlauf
  • Erhöhte Schwungmasse durch schwereres Schwungrad
  • Neuer Schalldämpfer mit mehr Schräglagenfreiheit
  • Fernlicht wird über Klappenmechanismus geschaltet
  • Kassettengetriebe mit kürzerer Übersetzung der ersten drei Gänge
  • Sachs statt Showa-Gabel
  • Sachs-Federbein mit neuem Setting ohne Höhenverstellung
  • Geschraubte Brembo-Bremszangen statt Monobloc
  • Gussfelgen insgesamt zwei Kilogramm leichter

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