Moto Morini Granferro Schon gefahren: Moto Morini Granferro

Der bekannte, leicht modifizierte 1200er-V2 im neuen Morini-Funbike taugt bestens zum gepflegten Ballern über kurvige Landsträßchen.

Foto: Gori
Was wiegt 45 Kilogramm, hat Schuhgröße 34 und trägt rosa Schläppchen? Sicher nicht die neue Moto Morini. Obwohl sie eine Menge Talent für flotte Tänzchen auf winkligen Landstraßen mitbringt. Ihre Maße lauten aber völlig anders: Leergewicht knapp 200 Kilogramm, ihre schwarzen Schlappen haben die Standardgrößen 120 (vorn) bzw. 180 (hinten). In ihrem rot lackierten Gitterrohr-Brustkorb schlägt das kräftige V2-Herz, das schon in etlichen Schwestermodellen für sportliche Fahrleistungen gesorgt hat. Der kurzhubige, drehfreudige Motor hängt dank etwas Feintuning (nun zwei statt einer Lambdasonde) noch besser am Gas und zeigt sich neuerdings weniger trinkfreudig. Die Leistung setzt sehr spontan und direkt, aber nie überfallartig hart ein und strebt angenehm gleichmäßig ihrem Höchstwert von 126 PS bei 8500/min zu. Der Sound, der dabei aus den steil am Heck aufragenden Endtöpfen erklingt, ist nicht von schlechten Eltern und verdeutlicht so akustisch die Potenz des 1200ers. Straffe, aber nicht zu harte, sauber abgestimmte Federelemente sorgen für guten Fahrbahnkontakt, Löcher und Bodenwellen werden von der Marzocchi-Gabel und dem Öhlins-Federbein einfach geschluckt.
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Foto: Gori
Die aufrechte, leicht nach vorn gebeugte, aktive Sitzhaltung passt gut zum flotten Kurvenwetzen, an der Handlichkeit der wuchtig wirkenden, aber leichtfüßigen Granferro gibt es nichts auszusetzen. Auch nicht an den Bremsen: Die radial verschraubten Vierkolbensättel von Brembo beißen heftig, jedoch fein dosierbar in die mächtigen 320-Millimeter-Scheiben. Der Preis für den rassig gestylten Landstraßenbrenner steht noch nicht fest, dürfte sich aber um die 15000 Euro einpendeln, wenn die Granferro im Frühjahr auf den Markt kommt.
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Foto: Archiv

Technische Daten

Die Daten (Werksangaben):
Motor Zweizylinder-Viertakt/V
Hubraum 1187 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 93 kW (126 PS) bei 8500/min
Max. Drehmoment 112 Nm bei 7000/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 320 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 255 mm)
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten 175/185 mm
Tankinhalt 27 Liter, Super
Farben Weiß
Wartungsintervalle 10 000 km
Preis ca. 15 000 Euro

Foto: Gori

Fazit

In der Stadt:
Wer die 850 Millimeter hohe Sitzbank erst einmal erklommen hat, genießt gute Übersicht und kann die Granferro mit dem breiten Lenker lässig durchs Gewimmel zirkeln. Der Lenker stört jedoch beim Durchdrängeln, und das Parken gerät wegen des zu langen Seitenständers zur kippeligen Angelegenheit.

 

Auf der Landstraße:
Der V2 hängt sehr direkt, aber gut kontrollierbar am Gas und entfaltet seine Leistung gleichmäßig – perfekt, um auf verwinkelten Sträßchen satt aus den Ecken zu ballern. Das sauber abgestimmte Fahrwerk sorgt für präzises Fahrverhalten, die Bremsen für mächtige Verzögerung. Ein echter Spaßmacher.

 

Auf der Autobahn:
Genügend Leistung für hohes Durchschnittstempo auf langen Etappen ist zwar vorhanden, doch fehlender Windschutz und die Sitzhaltung mit stark angewinkelten Beinen vermiesen echten Langstreckenkomfort. Der selbst bei hohem Tempo stabile Geradeauslauf der 1200er lässt sich kaum erschüttern.

Kurzurteil

Plus:
●   Bärenstarker V2-Motor
●   Beeindruckender Sound
●   Sanfte, gleichmäßige Leistungsentfaltung
●   Auffallendes, rassiges Design
●   Fährt präzise und handlich
●   Top-Bremsen und -Fahrwerk

 

Minus:
●   Hohe Sitzbank
●   Beine stark angewinkelt
●   Mit voraussichtlich rund 15 000 Euro strammer Preis
●   Kaum beifahrertauglich

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