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Die 2016er-Modelle in Aktion.

Sherco Sport­enduros 2016 im Fahrbericht 250 SEF-R, 300 SEF-R und 450 SEF-R

Die Sherco 300 SEF-R avancierte zum Chart-Stürmer der vergangenen Jahre, hält in ihrer französischen Heimat sogar einen Rekord: Sie war im vergangenen Jahr die meistverkaufte Sport­enduro. Wir sind die 2016er-Modelle gefahren.

Sie avancierte zum Chart-Stürmer der vergangenen Jahre, hält in ihrer französischen Heimat sogar einen bemerkenswerten Rekord: Die Sherco 300 SEF-R war im vergangenen Jahr die meistverkaufte Sport­enduro. Klassenübergreifend und vor allen Modellen des Offroad-Platzhirschs KTM. 

Das will was heißen. Vielleicht legten die Gallier für kommende Saison deshalb so vorsichtig Hand an ihren Bestseller und dessen kleine Schwester, die Sherco 250 SEF-R. Ein bisschen Feintuning an Motor und Elektrik – das war’s. Weshalb sich zumindest die 300er ziemlich genauso fährt wie im jüngsten Mittelklasse-Sport­enduro-Vergleichstest von MOTORRAD (Heft 26/2014).

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Federelemente von WP Suspension nun straffer gedämpft

Ihre Stärke: Die formidable Lenkpräzision. Wie ein Rollmesser durch den Flammkuchen schneidet die Front durch die Anlieger, macht die Französin zur Königin der Innenspur und eng gesteckter Sonderprüfungen. Die zierliche Ergonomie, die fein dosierbaren Brembo-Bremsen und der quirlige, mit 13.000/min drehfreudigste Motor dieser Klasse verleihen der Sherco 300 SEF-R eine spielerische Leichtigkeit. Erst recht, weil die Programmierer der Einspritzung das beim bisherigen Modell irritierende Nachlaufen im Schiebebetrieb nun in den Griff bekommen haben. Die bislang eher weich abgestimmten Federelemente von WP Suspension sind straffer gedämpft, sprechen auf kleinere Wellen nicht mehr so sensibel an, bieten für den Hardcore-Einsatz aber größere Reserven. Trotz allem: Den Hubraumnachteil von knapp 50 cm³ zur 350er-Konkurrenz kann die 300 SEF-R nach wie vor nicht verbergen. Wer schnell sein will, muss den dohc-Motor drehen lassen.

Was erst recht für das auf dem gleichen Motorgehäuse basierende Pendant in der Sherco 250 SEF-R gilt. Die in dieser Hubraum-Kategorie üblichen Drehzahlorgien feiert das Viertelliter-Aggregat liebend gern mit, bezahlt die Jubeltöne aber – auch klassen­üblich – mit zaghaftem Antritt im Drehzahlkeller. Deshalb gilt für die 250er erst recht: Speed braucht Drehzahlen. Den Rest zum flotten Auftritt steuert das mit ebenfalls strafferer Federung neu abgestimmte, mit der 300er identische Fahrwerk bei.

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Bullig tritt der Einzylinder bereits im Drehzahlkeller an

Letztlich dürfte die Zurückhaltung bei der Entwicklung der beiden kleinen Viertakter dennoch der neuen Sherco 450 SEF-R geschuldet sein. Allein der Mut, sich mit einem selbst entwickelten Motor in das hart umkämpfte Sportsegment zu wagen, nö­tigt Respekt ab. Trotz dohc-Ventiltriebs gelang den Ingenieuren aus Nîmes ein recht kompakt bauender Single. Charakterlich unterscheidet sich der 450er deutlich von seinen kleineren Schwestern. Bullig tritt der Einzylinder bereits im Drehzahlkeller an. 

Gefühlt sogar kräftiger als die österreichische Konkurrenz. Allerdings auch mit weniger geschliffenen Manieren. Zumindest mit dem aggressiven Mapping braucht’s den ganzen Kerl, um die blaue Rakete unter Kontrolle zu halten. Erst recht, nachdem der Single – nun ganz Sherco – auch vor hohen Drehzahlen nicht zurückschreckt, unaufhörlich vorandrückt. Leichter beherrschbar fährt sich der junge Eintopf mit dem per Lenkerschalter wählbaren, moderateren Mapping. Dann gerät der Auftritt konditionsschonender und auch effizienter. Zumindest für diejenigen, die mit einer bärenstarken 450er umgehen können. Denn die im Vergleich zum 250/300er-Duo noch straffere Federung und die vom 450er-Motor erheblich stärker beeinflussten Fahrwerksreak­tionen legen die Zielgruppe der Neuen eindeutig fest: die ­Stürmer der Meisterschafts-Charts.

Foto: Sherco
Neben den Viertaktern bietet Sherco auch Zweitaktmodelle an.
Neben den Viertaktern bietet Sherco auch Zweitaktmodelle an.

Sherco-Modelle 2016 - was ist neu?

Motor:

  • Sherco 450 SEF-R: Motor komplett neu konstruiert.
  • Sherco 250/300 SEF-R: Wassermantel des Zylinders überarbeitet, Getriebe und Schaltstern verstärkt, Wasserpumpe besser abgedichtet

Fahrwerk:

  • Heckrahmen verstärkt.

Sonstiges:

  • Elektrik durch neues Herstellungsverfahren (Ultrasonic Welding) zuverlässiger und kompakter.
Foto: Sherco
Marc Teissier gründete Sherco und ist mit seiner Firma auf Erfolgskurs.
Marc Teissier gründete Sherco und ist mit seiner Firma auf Erfolgskurs.

Interview Marc Teissier

Mit je einem Werk in Spanien und Frankreich fokussiert sich Sherco auf das Trial- und Sportenduro-Segment. Mit seiner bodenständigen Firmenpolitik führt Gründer Marc Teissier Sherco auf Erfolgskurs. 

MOTORRAD: Wie kamen Sie denn auf die Idee, Offroad-Motor­räder zu bauen?

Marc Teissier: Ich betrieb in jungen Jahren Trialsport, musste dann aber in den Betrieb meiner Eltern – einer Fernküche – einsteigen. Die Geschäfte liefen gut. Nach sieben Jahren konnte ich die Firma verkaufen und beschloss, Trial-Motorräder mit Rotax-Motoren zu bauen. 1994 entstand dann in einem kleinen Werk in Spanien die erste Scorpa.

MOTORRAD: Scorpa? Sie sind doch Besitzer von Sherco.

Marc Teissier: Ja, drei Jahre später trennten sich die Wege von mir und meinem damaligen Geschäftspartner – und ich gründete Sherco. Das war 1998.

MOTORRAD: Mittlerweile haben Sie das Portfolio von Sherco auf das Sportenduro-Segment ausgeweitet. Wie sieht die Firmenstruktur nun aus?

Marc Teissier: Wir produzieren jährlich 2000 Trial-Maschinen in der Nähe von Barcelona und seit dem Jahr 2004 Enduros sowie Mopeds in unserem neuen Werk in Nîmes in Südfrankreich. Der Anteil der Enduros wächst ständig. Momentan liefern wir 3000 Enduros und 1500 Mopeds pro Jahr aus. Insgesamt beschäftigen wir etwa 100 Mitarbeiter.

MOTORRAD: Bei den Enduros herrscht aber ein starker Wettbewerbsdruck. KTM dominiert den Markt. Wie kann sich ein kleiner Hersteller wie Sherco dagegen behaupten?

Marc Teissier: Durch ein scharfes Profil. Wir waren zum Beispiel 2004 der erste Offroad-Hersteller, der eine Benzineinspritzung im Serienbau verwendete. Unsere Motor­räder sind auch jetzt noch durch und durch Eigenentwicklungen. 

MOTORRAD: Haben Sie nie darüber nachgedacht, Motoren von Zulieferern zu beziehen?

Marc Teissier Keine Sekunde.

MOTORRAD: Aber eine Entwicklung wie die des neuen 450er-Viertakters ist doch teuer. Lohnt sich das?

Marc Teissier Den 450er zu entwickeln, kostete etwa vier Millionen Euro. Aber keine Angst: Sherco arbeitet profitabel. 

MOTORRAD: Planen Sie weitere Modelle mit diesem Motor? 

Marc Teissier: Momentan nicht. Derzeit arbeiten wir an einem 125er-Einstiegsmodell und vor allem an unseren neuen Zweitakt-Motoren mit Direkteinspritzung. Auch damit wollen wir Vorreiter sein. Wenn alles klappt, werden wir den Motor bereits 2016 in Serie bringen.

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